SC-Co-Trainer Lars Voßler über seine Laufbahn, seinen Chef und Standards

Der Sportclub unter Christian Streich – ein Kapitel in der Geschichte der ersten Mannschaft, das bis hierher für sportlichen Erfolg steht und mit viel Sympathie begleitet wird. Einen Anteil daran hat auch Streichs Co-Trainer Lars Voßler. Der heute 36-Jährige kam 2005 mit dem Wunsch zum SC, hier seine Doktorarbeit in VWL zu schreiben. Vom EDV-Beauftragten hat sich der ehemalige Mittelfeldspieler des damaligen Oberligisten FC Emmendingen über das Amt als Jugendtrainer innerhalb der vergangenen sieben Jahre zum zweitwichtigsten Mann an der Seitenlinie hochgearbeitet. Mit chilli-Redakteur Felix Holm hat er über seine Arbeit gesprochen.

 

chilli: Herr Voßler, vor einem Jahr haben wir vom chilli mit dem damaligen Co-Trainer Christian Streich ein Interview gemacht. Eine unserer Fragen damals: Wären Sie gerne Cheftrainer?
Voßler: (lächelt) Aktuell wäre das gar nicht möglich, ich habe ja gar nicht die höchste Fußballlehrer-Lizenz. Und ich gehe in meiner Rolle auf und fühle mich wohl. Es kann nicht immer nur Cheftrainer, sondern es darf auch mal einen Co-Trainer geben. Ich weiß natürlich nicht, was in zehn Jahren ist, noch sehe ich mich ja als recht jungen Trainer an …

chilli: Wie sind Sie überhaupt Trainer geworden?
Voßler: Ich habe 2005 hier in einer komplett anderen Funktion angefangen. Ich habe im Rahmen einer Halbtagesstelle die EDV beim Sportclub betreut und bin zufällig in die Trainerschiene reingerutscht. Damir Buric hat damals den Fußballlehrer in Köln gemacht. Er war zu der Zeit Trainer der D-Jugend, die hat sein damaliger Co-Trainer Hans-Peter Faller übernommen, und sie haben einen neuen Assistenten gesucht. Ich hatte gerade an der Sport-Uni meine C-Lizenz gemacht und Andreas Bornemann (damals Manager beim SC, d. Red.) hat mich dann gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Eigentlich wollte ich hier ja meine Doktorarbeit zum Thema „Konzeption eines Informationssystems zur Unterstützung der Talentförderung des SC Freiburg“ schreiben. Weiter als bis zum Titelblatt bin ich aber nicht gekommen.

chilli: Und wie kam es dann zur Zusammenarbeit mit Christian Streich?
Voßler: Nach eineinhalb Jahren als D-Jugend-Co-Trainer und Trainingsleiter bei der C-Jugend – da wurde zwischendurch auch eine Stelle frei – hat mich Christian gefragt, ob ich es mir nicht vorstellen könnte, sein Co-Trainer bei der A-Jugend zu werden. Ich musste dann selber aufhören mit Fußball, aber bei mir ging es ohnehin aufs Karriereende zu.

chilli: Jetzt arbeiten Sie – mit einer kurzen Unterbrechung – seit sechs Jahren Seite an Seite mit Streich. Warum passt das zwischen Ihnen so gut?
Voßler: Ja, gute Frage. Warum können manche Menschen miteinander? Wir sind eigentlich relativ verschieden. Vielleicht ist das gerade der Grund – ich bin der Rationale, er eher der Emotionale. Wir arbeiten uns gut zu und können uns offen und ehrlich ins Gesicht sagen, was wir denken. Sei es über sportliche, aber auch über private Dinge.

chilli: Wie haben Sie den Medienhype um Ihren Chef verfolgt?
Voßler: Seine Art Interviews zu geben, seine Pressekonferenzen, das war halt mal was Neues. Mit Dialekt (lacht) und die Präsentation – darauf stürzen sich die Medien eben, das ist ja bekannt. Vor Jahren war es eben der Tuchel, dann der Klopp und jetzt war Zeit für was Neues, da haben Sie den Chris auserkoren. Aber er macht das ja auch gut, wie er eben ist, und sagt, was er denkt. Und wenn er über Fußball reden will, schweift er manchmal ab und nimmt ein Beispiel aus der realen Welt. Christian Streich halt.

chilli: Streich ist scheinbar mühelos ins Profigeschäft gewechselt. Wie war das bei Ihnen?
Voßler: Es ging alles so schnell. Ich hatte kaum Zeit, mir Gedanken zu machen. Am 27. Dezember hat er mich angerufen, am 28. haben wir angefangen zu arbeiten. Dann ging schon die Fokussierung los, es war anfangs keine angenehme Arbeitssituation. Ich kam ja von der A-Jugend, wo wir im Pokalhalbfinale standen und in der Tabelle mit einem Spiel weniger Zweiter waren. Da war ich stimmungsmäßig genau das Gegenteil gewohnt. Einerseits denkt man natürlich daran, was für eine Super-Chance das ist, in der Bundesliga Co-Trainer zu sein, andererseits kann das natürlich auch nach hinten losgehen.

 

chilli: Wie nimmt man den Unterschied von der Seitenlinie im Mösle zur Seitenlinie im Stadion in Dortmund vor 80.000 Menschen wahr?
Voßler: Das sind Dinge, die man in dem Moment ausblendet. Klar, einen Tag später ist man dann mit der Familie unterwegs und denkt sich: Boah, ich saß in Dortmund auf der Bank! Das ist nach wie vor etwas Besonderes. Aber am Spieltag selbst denkt man da nicht drüber nach. Da bin ich voll aufs Spiel konzentriert, denke an Aufstellungen, Einwechslungen, Standards …

chilli: Standardsituationen sind ja Ihr konkreter Aufgabenbereich im Tagesgeschäft mit der Mannschaft. Dürfen sich die Fans in naher Zukunft noch auf den einen oder anderen Eckball- oder Freistoßtrick freuen?
Voßler: Es müssen ja gar nicht immer nur Tricks sein. Manchmal geht es auch einfach darum, die Sachen nicht zu kompliziert zu machen. Und es geht ja auch darum, bei Standards keine Tore zu kassieren. Letzte Rückrunde war unsere Ausbeute gut, da haben wir nach Standards drei bekommen und neun geschossen. Jetzt haben wir schon vier bekommen, das ist schlecht. Daran müssen wir arbeiten. Zu den Tricks: So einen Eckball, wie den, den die Jungs von Serbien kürzlich gezeigt haben, als drei Spieler den Ball durchlaufen lassen, das braucht man nicht zu üben. Das ist eine Idee, die macht man spontan, aber als feste Variante baut man so was nicht ein.

chilli: Sind Sie insgesamt zufrieden mit dem Saisonstart? Nach den ersten sechs Spielen befindet sich der SC ja im hinteren Tabellendrittel …
Voßler: Zufrieden kann man nicht sein. Dass wir uns aber im unteren Drittel befinden, ist auch nichts Ungewöhnliches, das kann beim SC Freiburg immer mal passieren. Wir haben uns aber trotzdem mehr Punkte erhofft. Und wenn man mal die Spiele betrachtet, waren wir außer in Leverkusen ganz sicher nicht schlechter als der Gegner. Da erhofft man sich natürlich schon mehr, zumal wir dreimal 1:0 in Führung waren und aus den Spielen nur einen Punkt geholt haben. Darüber ärgern wir uns.

chilli: Was sind Ihre drei Wünsche für die Restsaison neben dem Klassenerhalt?
Voßler: Den Klassenerhalt wieder drei Spieltage vor Schluss klarmachen. Dass die Leute hinterher auch sagen: „Die haben nen tollen Fußball gespielt.“ Und wenn wir die verdienten Spieler halten können und nicht gleich wieder an größere Vereine abgeben müssten. Aber das ist halt der Freiburger Weg.

chilli: Herr Voßler, danke für das Gespräch.