Die etwas andere Vorschau auf die Hinrunde des SC Freiburg

Ein neues Stadion wird gebaut. Und zwar in Aue. Das 1950 erbaute Sparkassen-Erzgebirgsstadion wird endlich abgerissen und durch eine moderne Vielzweck-Arena ersetzt – den Europa-Park. Sponsor? Ein Freizeit-Park aus dem Süden Deutschlands, der hier keinen Abnehmer für sein Geld gefunden hat. Vom Neubau profitieren aber auch die Freiburger: Die erhalten – aufgrund offensichtlicher Public-Viewing-Verarmung der Stadt – die Videowand, die die Auer einst von den Schalkern beim Abriss des alten Parkstadions geerbt hatten. Die SC-Verantwortlichen legen derweil wieder einmal ein Gutachten für einen Stadionneubau im Rathaus vor – ohne weiter Beachtung zu finden. Keller & Co. schäumen.

 

DFB-Pokal, 1. Runde
Victoria Hamburg – SC Freiburg 1:0
Der Mann für die wichtigsten Treffer im Deutschen Fußball, Nico Patschinski, der 2002 beim FC Sankt Pauli zum Weltpokalsiegerbesiegertorschützen mutierte, ballert auch den Sport-Club aus allen vorsaisonalen Träumen. Sportdirektor Dirk Dufner versteht den Weckruf und verpflichtet den 36-Jährigen unmittelbar nach dem Abpfiff an der Fischbrötchen-Bude im 1907 erbauten Hoheluft-Stadion. Jetzt kann die Bundesliga kommen.

1. Spieltag: SC – Mainz 1:0
Patschinski trifft, Freiburg feiert. Im Stadion jubeln aber gerade einmal 14.000 Menschen. Die Mehrheit verfolgt das Spiel auf einer Wiese neben dem Flugplatz, wo jetzt die neue Videowand steht. „Public-Viewing ist geil, der SC ist geil und die Verkehrsverbindungen hier raus sind mega-easy“, freut sich einer der 33.000 Vor-Ort-Zuschauer. Das Zitat wird von der Badischen Zeitung aufgegriffen. Für Fritz Keller wird aus dem Frühschoppenwein ein Frühschoppenweinen. Walter Rubsamen, Leiter des Freiburger Ordnungsamtes, ist ebenfalls „not amused“. Er ist bei der Entscheidung, das Public-Viewing auszuführen, von seinen Mitarbeitern übergangen worden. Rubsamen sinnt auf Revanche.

2. Spieltag: Leverkusen – SC 2:0
Der etwas betagte Neuzugang Nico Patschinski verläuft sich in den Gängen der auf die Freiburger wie ein Raumschiff wirkenden BayArena. Der Rest der Truppe – Durchschnittsalter 19,8 – lässt sich indes von den zwei ehemaligen Freiburger Senioren Ömer Toprak und Daniel Schwaab (beide 23) – erst im Stadion herum-, später auf dem Spielfeld vorführen.

3. Spieltag: SC – Hoffenheim 2:0
Und wieder Patschinski. Zwei Treffer markiert der gebürtige Berliner diesmal. Matthias Ginter und Immanuel Höhn bekommen am nächsten Tag Riesenärger. Statt im Stadion waren sie beim immer beliebter werdenden Public-Viewing am Flugplatz.

4. Spieltag: Düsseldorf – SC 0:1
In der 2002 erbauten Esprit-Arena ist nach der Heimpremiere in der ersten Liga der Rasen unbespielbar. Grund: Die Fans hatten selbigen nach dem Spiel gestürmt. Am grünen Tisch siegt der SC mit 1:0. Das Tor wird gnädigerweise dem ältesten SC-Akteur zugesprochen: Nico Patschinski.

5. Spieltag: SC – Bremen 0:1
Gerade einmal 12.000 Zuschauer sehen den müden Kick, der per Elfmeter entschieden wird. Am Flugplatz hingegen muss aufgrund des großen Andrangs zwischenzeitlich der Flugverkehr eingestellt werden.

6. Spieltag: Frankfurt – SC 0:1
Idrissou gegen Patschinski heißt das Duell des sechsten Spieltags – auf der PS3. Weil der Kameruner zu viel gedaddelt hat, trifft er ins falsche Tor. Am Flugplatz in Freiburg jubeln Abertausende.

7. Spieltag: SC – Nürnberg 0:0
Keinen Sieger auf dem Platz, keinen daneben. Die südbadische Gebrauchtwagen-Verkaufs-schau an der Messe lässt den Verkehr erliegen. Freiburg-Viewing muss ausfallen.

 

 

8. Spieltag: Wolfsburg – SC 1:0
Felix Magath kauft in der Woche vorm Spiel noch einmal ein. Auf seinem Zettel stehen auch die Freiburger Schuster, Flum, Baumann und Patschinski. Für das Geld aus der VW-Stadt beauftragt der SC zwei weitere Architekturbüros, die an neuen Gutachten für ein Stadion arbeiten sollen.

9. Spieltag: SC – Dortmund 3:3
Ein Super-Spiel. Thema auf den Rängen ist aber der neue SC-Rechtsstreit gegen Schuster und Flum, die ihre Trainingsanzüge trotz des Wechsels behalten haben sollen. @YacineAbdessadki twittert: „Hey Jungs, wenn euch die Kohle ausgeht, ich kann euch Duschgel schicken.“

10. Spieltag: Gladbach – SC 3:1
Auch im modernen Stadion im Borussia-Park hat der Sport-Club kaum eine Chance. Die Spieler wirken wie aus dem Rhythmus. Weil man den in Freiburg obligatorischen Stau bei der Anfahrt zum Spiel mit einkalkuliert hatte, sind die Gäste zwei Stunden zu früh. @ChristianStreich twittert: „Optimale Spielvorbereitung? Bei so einer Verkehrsregelung unmöglich. Hier gibt’s ja sogar grüne Welle!“

11. Spieltag: SC – HSV 1:0
Der Bundesliga-Dino wird zu Hause vor knapp 8000 Menschen im Stadion niedergerungen. Die Anwohner kommen nach dem Schlusspfiff in die Chefetage und fordern einen Zuschuss bei der Wasserrechnung: „Wenn uns hier keiner mehr in den Vorgarten pinkelt, müssen wir unsere Blumen ja selber gießen.“ Keller und Romeiko lassen bei der DFL die Möglichkeiten eines Public-Viewing-Verbots prüfen.

12. Spieltag: Hannover – SC 0:3
Zufall? Die AWD-Arena in Hannover wurde 1952 gebaut. In der alten Hütte brilliert die Streich-Elf wieder. Das Spiel wird allerdings von einer Nachricht aus der Heimat überschattet: Neue Gutachten haben ergeben, dass Freiburg kein neues Stadion, wohl aber bessere Zufahrtswege zum Public-Viewing benötigt.

13. Spieltag: SC – Stuttgart 0:0
Rubsamen schlägt zurück. Die Einlassbedingungen zum Spiel sind ausgerechnet zum Derby massiv verschärft worden: Jugendliche (bis 27 Jahre) kommen nur noch in Begleitung der Großeltern rein. Zudem darf Alkohol nur gegen Vorlage einer doppelten Staatsbürgerschaft ausgeschenkt werden. Die stocknüchternen 18 Zuschauer erleben ein todlangweiliges 0:0. Am Flugplatz wird ab der Halbzeit auf Konferenz umgeschaltet.

14. Spieltag: SC – Bayern 0:10
Der FC Bayern hat in der Vorwoche Sportdirektor Matthias Sammer mit der Begründung beurlaubt, dass nach einem halben Jahr Zusammenarbeit immer noch kein Titelgewinn gefeiert werden könne. Uli Hoeneß sucht nach einem harten Hund – und findet ihn in Walter Rubsamen. Der kauft kurzerhand alles auf, was in Freiburg einen Spielerpass hat – hinter vorgehaltener Hand sprechen manche von Schikane. Die mit der A-Jugend angetretenen Freiburger gehen sang- und klanglos unter. Opel kündigt den neuen Sponsorenvertrag umgehend. „Mit Fahranfängern können wir doch keine Werbefilme drehen“, heißt es aus der Chefetage. Dafür steigt Gardena als neuer Geldgeber ein – das Wasserproblem in den Vorgärten ist vom Tisch.

15. Spieltag: Augsburg – Freiburg 1:2
In der 2009 eröffneten SGL arena brilliert die neue Streich-Elf. Die jungen Spieler lassen sich von gar nix beeindrucken, schon gar nicht vom modernen Stadion der Schwaben. Im Gegensatz zu ihrem Trainer. @ChristianStreich tweetet: „Ich pack’s net. Die habe hier sogar Fernsehen in der Kabine.“ Womit auch der Grund genannt wäre, wo der Trainer während der zweiten Halbzeit war. Es lief eine Reportage über „Das Phänomen Freiburg-Viewing – wie Deutschlands Kinohauptstadt den Fußball neu entdeckt“.

 

 

16. Spieltag: SC – Fürth 1:0
„Freiburger wo seid ihr?“ Jedenfalls nicht im MAGE SOLAR Stadion. Gerade einmal 2500 Menschen sehen die eigentlich gute Partie live vor Ort. Am Flugplatz hingegen ist auch niemand, da wird nämlich gebaut: Deutschlands größtes Open-Air-Kino. Um frisches Geld für ein finales, Politik wie Bürger überzeugendes Master-Gutachten zu scheffeln, wird der SC in der Rückrunde seine Auswärtsspiele auf des Gegners Platz austragen. Patschinski meldet sich bei Dufner: „Der Magath ist kein Fan von mir. Ich wäre ablösefrei.“

17. Spieltag: Schalke – SC 0:4
Streichs junge Hüpfer dürfen nach dem Sieg bei den Knappen bis 3 Uhr nachts auf den neuen Partyweihnachtsmarkt mit Achterbahn und Engeln in leichter Bekleidung. In der Stadt hat sich so einiges geändert. Patschinski parkt seinen „geliehenen“ Touareg direkt hinterm Glühweinstand. Schuster, Flum und Baumann steigen aus. Fröhliche Weihnachten!

Text: Felix Holm / Fotos: dapd