Joanne K. Rowling hat „Harry Potter“ in einem Café geschrieben, weil sie nicht genug Geld hatte, um zu Hause zu heizen. Nun ist die Autorin eine der reichsten britischen Frauen – ein Ziel, von dem die meisten Schriftsteller nur träumen können. chilli-Autor Steve Przybilla hat sich mit der in Freiburg lebenden Autorin und Musikerin Cindy Blum (25) über ihr Verhältnis zum Geld unterhalten.

chilli: Sie studieren in Freiburg und arbeiten nebenbei als Autorin und Musikerin. Können Sie davon gut leben?
Blum: Davon leben kann ich definitiv nicht. Ich werde von meinen Eltern unterstützt und wasche nebenbei Teller im Café. Den Anteil, den ich vom Verkauf meiner Bücher bekomme, betrachte ich eher als Taschengeld. Ich versuche, so viele Lesungen wie möglich zu machen, um dort ein paar Exemplare zu verkaufen. Bei meinem aktuellen Projekt, „Mein Meer“, gehören auch Musikstücke dazu, die ich zwischen den Lese-Passagen vortrage.


chilli: Und nebenbei müssen Sie noch die Endphase Ihres Studiums bewältigen. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?
Blum (lacht): Im Moment ist es schon ein bisschen stressig. Ich habe viel gesungen und gelesen in letzter Zeit. Gerade das Singen bedeutet für mich Entspannung, wenn ich den ganzen Tag an meiner Zulassungsarbeit gesessen habe. Die Gitarre steht immer neben dem Schreibtisch. Und abends setzte ich mich hin und schreibe, um etwas runterzukommen. Das sind nicht unbedingt Geschichten, die ich veröffentlichen will, sondern welche, die ich für mich selbst schreibe – eine gute Möglichkeit, zu entspannen.

chilli: Also ist Schreiben und Musizieren zwar ein nettes Hobby, aber letztlich doch brotlose Kunst?
Blum: Zumindest ist es nicht so einfach, ein berühmter Schriftsteller zu werden. Man kann schon ein bisschen was verdienen, aber für Otto-Normal-Verbraucher ist es eher eine brotlose Kunst. Klar hat man Geld, wenn man erst mal berühmt ist, aber mal ehrlich: Das werden doch die Wenigsten.

chilli: Das klingt desillusioniert. Welche Rolle wird Ihre Autorentätigkeit in der Zukunft spielen?
Blum: Leben werde ich vom Schreiben nie können, aber solange es ein Nebenjob ist, ist es auch etwas Schönes. Dann kann ich mich so entfalten, wie ich es wirklich will. Wenn ich gezwungen wäre, etwas zu schreiben, um Geld zu verdienen, hätte ich gar keine Lust dazu. Sobald zu viel Druck da ist, besteht die Gefahr, den eigenen Stil zu verfälschen – und das möchte ich nicht. Als ich mit meinen Projekten angefangen habe, da habe ich erst mal überhaupt nicht an Geld gedacht. Es hat sich einfach so ergeben.

chilli: Wenn die Literatur kein Geld bringt, was dann?
Blum: Ich werde Lehrerin, auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich wirklich für diesen Beruf geschaffen bin, und natürlich möchte ich in diesen Job reinwachsen. Andererseits ist eine Unterrichtsstunde fast so etwas wie eine Lesung. Man muss die ganze Zeit voll da sein, vor der Klasse präsent sein – obwohl Lesungen für mich persönlich schon spannender sind.


chilli: Wenn man auf Ihr Facebook-Profil schaut, scheinen Sie ständig in Kneipen und Cafés künstlerisch unterwegs zu sein. Wie viele Lesungen machen Sie denn im Monat?
Blum: Im Moment nur eine im Monat. Ich bin etwas zurückhaltend, weil ich nicht genau weiß, ob noch genügend Bücher da sind. Die erste Ausgabe ist nämlich schon fast vergriffen. Und dann wäre es doof, zig Lesungen zu organisieren, ohne Bücher zu haben.

chilli: Wie viel verdienen Sie bei einer Lesung?
Blum: Für die Lesung an sich bekomme ich meistens kein Geld. Die Fahrtkosten werden mir erstattet und ich kann meine Bücher verkaufen. Darüber kann ich schon froh sein – schließlich bin ich nicht berühmt. Für mich ist es aber von Vorteil, wenn ich meine Bücher direkt vor Ort anbiete. An den Exemplaren, die der Verlag verkauft, verdiene ich pro Buch nämlich nur fünf Prozent, also 60 Cent. „Mein Meer“ läuft dagegen nicht über einen Verlag, sondern über einen Musikproduzenten – und wurde von einer Bank gesponsert, die meine Bücher an ihre Kunden verschenken möchte.

chilli: Von Sponsoren mal abgesehen: Sind die Menschen überhaupt bereit, den Wert von Kunst ausreichend zu honorieren?
Blum: Bei Musik ist das inzwischen wirklich schwierig, die kann man ja überall kostenlos herunterladen. Bei Literatur sieht es etwas anders aus. Da sind die Leute schon eher bereit, für Bücher, die sie mögen, Geld auszugeben. Und die Preise für Bücher sind in Deutschland auch echt in Ordnung.

Infos zur Person:
Cindy Blum (25) studiert in Freiburg Deutsch und katholische Theologie. Nebenbei arbeitet sie als Sängerin, Autorin und Interpretin. Im März 2009 veröffentlichte sie ihren ersten Jugend-Fantasy-Roman, „Gefährten des Schicksals“. Das Buch ist der erste Part einer Trilogie, die anderen Teile sollen demnächst erscheinen. Ende 2011 ist Blums Werk „Mein Meer“ erschienen – eine kleine Geschichte, der eine Musik-CD mit selbst komponierten Stücken beiliegt. Derzeit ist die Autorin auf der Suche nach weiteren Orten für Lesungen.

Fotos: Privat