Badesalze, Räuchermischungen oder Research Chemicals – unter all diesen Namen sind sogenannte Legal Highs bekannt, Substanzen, die teilweise nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und dennoch genauso gefährlich wie normale Drogen sind. Die meist in bunten Tütchen verpackten Stoffe wirken ähnlich wie Cannabis, sind mit herkömmlichen Drogentests jedoch oft nicht nachweisbar. Diese Woche haben sich in Frankfurt Experten auf der ersten Konferenz zur Präventionsarbeit im Zusammenhang mit diesen neuen Drogen getroffen. Einer von ihnen war Dr. Volker
 Auwärter, Leiter der Forensischen Toxikologie des Instituts für 
Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Freiburg.

 

Volker Auwärter spricht mit chilli über Legal Highs. Foto: privat

 

 

chilli: Herr Auwärter, welche Arten von Legal Highs gibt es?

Volker Auwärter: Generell kann man die Stoffe in drei Gruppen unterteilen. Zum einen die Räuchermischungen, Kräuter, auf die synthetische Cannabinoide aufgebracht werden. Diese werden geraucht und haben eine ähnliche Wirkung wie Cannabis. Die zweite Gruppe wird häufig unter dem der Bezeichnung Badesalze vertrieben. Diese Stoffe gibt es in der Regel als Pulver, das dann gesnifft wird. Von der Wirkung her sind sie mit Amphetamin oder Ecstasy zu vergleichen. Die dritte Form, in der es Legal Highs zu kaufen gibt, sind Research Chemicals. Hier liegen die Substanzen in ihrer Reinform vor und werden vor allem von erfahrenen Drogenkonsumenten genutzt, die verschiedene Substanzen ausprobieren und mit ihnen experimentieren möchten – oder von Kleindealern, die sie in kleinen Portionen an den Mann bringen.

 

chilli: Warum diese irreführenden Namen – Badesalz, Räuchermischung…

Auwärter: Als Trick, um der Strafverfolgung zu entgehen. Die Hersteller geben vor, die Stoffe zu einem anderen Zweck zu verkaufen, doch wer sich die Produktbeschreibungen im Internet durchliest, merkt sofort, dass dem nicht so ist. Da werden dann Tipps zur Dosierung oder zu Anwendungsmöglichkeiten gegeben. Die Substanzen werden also ganz klar verkauft, um zu berauschen – und das ist ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

 

chilli: Funktioniert der Trick?

Auwärter: Nein, der greift nicht mehr. Die Händler werden inzwischen konsequent strafrechtlich verfolgt, doch das ist manchmal nicht einfach: Die Online-Shops wickeln oft nur das Finanzielle ab und der Verkäufer selbst sitzt irgendwo im Ausland.

 

chilli: Man kann die Drogen also nur online kaufen und nicht im Laden?

Auwärter: 2008 konnte man die Stoffe noch in sogenannten Head- und Smartshops, zum Teil aber auch in Zeitungsläden oder Tankstellen kaufen. Seit 2009 stehen einige Stoffe unter dem Betäubungsmittelgesetz, so dass man sich durch den Erwerb oder Besitz strafbar macht. Der Handel wird aber in jedem Falle – auch wenn es sich nicht im Betäubungsmittel handelt – nach dem Arzneimittelgesetz verfolgt. So ist der Ladenverkauf inzwischen zum Erliegen gekommen, der Internethandel blüht jedoch nach wie vor.

 

chilli: Sind die Stoffe ebenso gefährlich wie normale Drogen?

Auwärter: Sogar noch gefährlicher. Bei Räuchermischungen bestehen grundsätzlich die gleichen Gefahren wie bei Cannabis, jedoch in höherem Maße. Es besteht die Gefahr einer Überdosis, mit Begleiterscheinungen wie Herzrasen und Panikattacken, da schon wenige Milligramm einen großen Effekt haben. Und weil der erreichbare Maximaleffekt darüber hinaus auch noch stärker ist, als bei Cannabis, drohen außerdem Vergiftungserscheinungen wie Krampfanfälle, heftiges Erbrechen und durch die gleichzeitige Bewusstseintrübung herrscht auch Erstickungsgefahr. Die Stoffe können also lebensgefährlich sein.

 

 

Gefährlicher als jeder Joint. Foto: Clemens Bilan/dapd

 

chilli: Wie verhält es mit den so genannten Badesalzen, die geschnupft werden?

Auwärter: Bei einer Überdosierung besteht hier unter anderem die Gefahr einer Hyperthermie, also, dass die Körpertemperatur so weit steigt, dass es lebensbedrohlich wird. Auch schaut es nach unseren bisherigen Erkenntnissen so aus, dass die Stoffe in verstärktem Maße zu Psychosen führen.

 

chilli: Hatten Sie an der Freiburger Uniklinik bereits solche Fälle?

Auwärter: In den letzten Jahren hat uns die Vergiftungsinformationszentrale rund einhundert Fälle zur Untersuchung weitergeleitet. Wie groß das Problem wirklich ist, wissen wir momentan noch nicht genau. Es scheint aber vor allem ein Randgruppenphänomen zu sein. Ein großes Problem sind die Legal Highs etwa in psychiatrischen Kliniken, in Justizvollzugsanstalten oder in Einrichtungen der Drogenhilfe – überall dort eben, wo Süchtige versuchen, sich durch die Drogenscreenings zu mogeln. Und auch bei Kraftfahrern gibt es das Problem, da die Drogen durch die Schnelltests der Polizei nicht feststellbar sind.

 

chilli: Was tun Sie, um die Konsumenten zu erreichen?

Auwärter: Wir haben gemeinsam mit unseren Projektpartnern die Internetseite www.legal-high-inhaltsstoffe.de ins Leben gerufen, mit der wir insbesondere den Kontakt zu Risikogruppen herstellen möchten. Auf der Seite gibt es Informationen zu den Wirkstoffen und Risiken, außerdem können anonym Fragen gestellt werden. Die Internetseite soll im Rahmen eines EU-Projekts weiter entwickelt werden, um als Vorbild für den Umgang mit diesem neuen Phänomen zu dienen, das sich inzwischen weltweit ausgebreitet hat.