Die Pädagogische Hochschule feiert in diesem Sommersemester ihren 50. Geburtstag. Und weil ein runder Geburtstag würdig begangen werden will, läuft an der Freiburger PH seit Anfang Mai ein von Studenten und Mitarbeitern inszeniertes Programm, mit Theaterstücken, einer Ausstellung, einem Konzert, einem Musical und anderen Events. Zum Auftakt der Veranstaltungen hat sich chilli-Redakteur Felix Holm mit PH-Rektor Ulrich Druwe getroffen und mit ihm über seinen Job, seine Hochschule und seine Studenten gesprochen.

chilli: Uni-Rektoren kommen in der Presse häufig zu Wort, der PH-Rektor spricht fast nie. Liegt die PH zu weit außerhalb, als dass sie von der Presse beachtet wird?
Druwe: Wie, zu weit außerhalb? Wir sind acht Minuten mit der Bahn vom Zentrum entfernt und haben hier quasi unseren eigenen Bahnhof. Welche Hochschule kann das schon von sich behaupten?

chilli: 1:0 für Sie. Dennoch: Fristet die PH in Freiburg nicht ein Schattendasein hinter der exzellenten Uni?
Druwe: Man muss fairerweise schon sagen, dass das eine andere Kategorie ist. Aber die Pädagogische Hochschule Freiburg ist, wenn man die üblichen Kriterien wie eingeworbene Drittmittel oder Ähnliches in Betracht zieht, die beste PH im Land. Unsere Absolventen sind in den staatlichen Seminaren, wo ja der zweite Teil der Lehrerausbildung stattfindet, in der Regel die besten.

chilli: Ist es eine exzellente PH?
Druwe: Es ist die exzellenteste PH, die es in Deutschland gibt (lacht).

chilli: Sie haben das Thema Drittmittel, also Geld, angesprochen. Was bedeutet der Wegfall der Studiengebühren für den PH-Haushalt?
Druwe: Für uns ist das rein finanziell betrachtet sogar eine positive Entwicklung. Wir waren durch die Gebühren zwar gut aufgestellt, aber dann gab es die Geschwisterregelung, die dazu geführt hat, dass nur noch etwa 50 Prozent überhaupt die Gebühren bezahlt haben. Das hat zu einem erheblichen Einbruch gegenüber der ursprünglichen Regelung geführt. Jetzt zahlt das Land der PH pro Studierendem 280 Euro. Die bekommen wir wirklich, und dadurch sind unsere Gebühren um etwa eine halbe Million Euro gestiegen.

chilli: Wie hoch ist denn der Jahresetat der PH?
Druwe: Unsere normalen Mittel liegen etwa bei 850.000 Euro. Das reicht natürlich nicht aus, deshalb fahren die Hochschulen alle mit sogenannten Vakanzregeln. Das heißt, wenn Stellen frei werden, sei es Hausmeister, sei es Professor, wird eine solche Stelle nicht sofort wieder besetzt, sondern ein Jahr lang nicht, und die Mittel werden, wie man das technisch nennt, „geschöpft“.

chilli: Und wer macht dann die Arbeit?
Druwe: (lacht) Die Kollegen. Das ist zugegebenermaßen eine Absurdität, aber das gilt für alle Hochschulen, bundesweit.

chilli: Sie sind hier verantwortlich für knapp 5000 Pädagogik-Studierende, sind selbst aber Politikwissenschaftler. Wie gut können Sie sich in die Bedürfnisse der PH-Studenten hineinfühlen?
Druwe: Also die Bedürfnisse von Studierenden sind eigentlich immer gleich, egal welche Fächer sie studieren. Sie wollen eine gute Betreuung und bei der Entwicklung von Studiengängen und bei der Verteilung von Gebühren im Bereich der Lehre mitsprechen. Da ist völlig egal, ob jemand Chemie oder Lehramt studiert.

chilli: Gibt es trotzdem Punkte, bei denen PH-Studenten anders ticken?
Druwe: So pauschal kann man das nicht sagen. Wir haben hier Studierende, die außerordentlich sozial eingestellt sind, das ist vielleicht anders.

chilli: Seit einigen Jahren ist auf PH-Studiengängen ein Numerus Clausus. Macht es Sinn, zukünftige Lehrer nach Schulnoten auszuwählen?
Druwe: Das tun wir nicht nur. NC heißt, dass man ein Zulassungsverfahren diskutiert und festlegt. Wir haben ein Mischverfahren. Neben der Abiturnote werden auch Vorleistungen wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einschlägige Berufsausbildungen wie Erzieher in unserem Auswahlverfahren berücksichtigt und mit einem Punktesystem bewertet. Wir haben also ein ausgewogenes Zulassungsverfahren.

chilli: Muss die PH mit privaten Bildungsanbietern um Studierende konkurrieren?
Druwe: Nein. Unsere Klientel interessiert sich für Bildungsberufe, und das sind in der Regel ja nicht die hoch bezahlten Berufe. Daher konzentrieren sich die privaten Anbieter zumindest im Moment noch nicht auf dieses Segment.

chilli: Das PH-Studium wird von Außenstehenden oft als „easy going“ bewertet. Ihre Meinung?
Druwe: Das ist ein berühmtes Klischee, welches mit der Realität mit Sicherheit seit zehn Jahren nicht mehr übereinstimmt. Unser Studium ist ein Musterstudiengang, eine optimale Mischung aus Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Bildungswissenschaft und reflektierter Schulpraxis. Also alles, was für die Profession des Lehrers ideal ist. Das ist unsere Stärke. Die Lehramtsstudenten von der Universität schauen ja sogar mit einem gewissen Neid zu uns herüber. Die Idee der Uni, erst einmal eine fachwissenschaftliche Ausbildung zu machen, und dann zu sagen „Den Rest lernen die dann schon“, das ist genau das Falsche. Die Idee des Lehrers ist ja nicht, dass man Fächer unterrichtet, sondern Kinder. Das heißt, Sie müssen das Niveau der Kinder und deren Art zu lernen ins Visier nehmen. Da hilft die beste Fachwissenschaft alleine nichts.

chilli: Jetzt klingen Sie ja doch wie ein Pädagoge und gar nicht wie ein Politikwissenschaftler.
Druwe: Ja klar, ich lese ja die Studien dazu, und das ist doch logisch, dass ich mich mit der Materie vertraut mache.

chilli: Was muss sich an der PH ändern?
Druwe: Ich sage mal ketzerisch: Im Rahmen der Möglichkeiten, die wir durch das Land bekommen, haben wir die Situation wirklich optimiert. Sie müssten mich fragen, was das Land ändern könnte.

chilli: Dann machen wir das hiermit.
Druwe: Das Land müsste sich finanziell an den Pädagogischen Hochschulen stärker engagieren. Ich habe ja den Etat genannt – der ist schlicht lächerlich. Die PH-Studenten kosten das Land umgerechnet 3500 Euro im Jahr. Das ist preiswerter als jeder Gymnasiast, für die investieren die Kommunen und das Land knapp 5000 Euro, für Universitätsstudenten das Doppelte. Wir sind extrem unterfinanziert, das kann man schon so sagen. Das merken wir vor allem im Bereich der Nachwuchsförderung. Wir haben hier sehr viele Dauerstellen, aber es fehlen Qualifikationsstellen. Wir haben bei uns kaum die Möglichkeit, den Nachwuchs bezahlt promovieren zu lassen. Und viele unserer Gebäude sind auf einem technischen und bautechnischen Stand der 70er-Jahre. Wenn starker Wind weht und es regnet, dann bilden sich hier Pfützen hinter den Fenstern. Das ist furchtbar. Die Bausubstanz müsste komplett saniert werden. Da tut mir das Land auch ein wenig leid, weil die ganzen Vorgänger-Regierungen immer viel zu wenig in die Bausubstanz investiert haben.

chilli: Zurück zum Anfang: Fühlen Sie sich da nicht hinten angestellt, hinter den Universitäten?
Druwe: Ja, das sind wir ganz klar. Das ist keine Frage des Gefühls, das ist ganz objektiv so. Aber deswegen bin ich ja auch so stolz darauf, was die Kollegen hier leisten. Denn wenn ich mir anschaue, was die hier in der Forschung und der Lehre bieten, dann können wir mit einer Universität konkurrieren. Davon abgesehen: Wir sind eine Universität, wir haben nur den Namen nicht, aber wir haben denselben Status, weil wir ja das Promotions- und Habilitationsrecht haben.

Foto: Felix Holm