Stadt der Götter und arme Teufel
Vom 27.2. bis 1.3.2015 gibt es fünf aktuelle Filme aus Brasilien zu sehen


Fernando Meirelles drehte 2002 den erfolgreichsten Film der brasilianischen Filmgeschichte: Cidade de Deus (Stadt der Götter) hieß er und er stellte das Leben in den Favelas so schonungslos dar, wie es damals eben war. In einer rasanten Kriminalstory mit jungen talentierten Favelabewohnern wurde die alltägliche Gewalt, die Verfilzung von Drogengeschäft und Polizei sichtbar, wurde der nicht einmal verhohlene Rassismus gegenüber Schwarzen deutlich. Zehn Jahre später haben die beiden Regisseure Cavi Borges und Luciano Vidigal die damaligen Protagonisten gesucht – für ihr Projekt „Cidade de Deus – 10 Anos depois“. Sie wurden fündig und kamen völlig unterschiedlichen Lebenswegen auf die Spur. Entstanden ist eine hintergründige Dokumentation, die anhand persönlicher Schicksale ein Licht auf die ganze Gesellschaft wirft. Sie ist nun im Rahmen des 7. Brasilianischen Filmfestivals Cinebrasil im Kommunalen Kino zu sehen. (Samstag, 28.2., 21.30 Uhr)

Samstag, 28.02.2015 21:30:  »Cidade de Deus« (City of God) von Fernando Meirelles und Katia Lund

 

Eröffnet wird das Festival bereits am Freitag, 27.2. um 19.30 Uhr, mit Renata Pinheiros „Amor, Plástico e Barulho“: Liebe, Plastik und Lärm. Der Film erzählt von zwei Sängerinnen, die mit ihrer Band durch die Nachtclubs von Recife tingeln. Zur Trostlosigkeit des Milieus gesellt sich die Trostlosigkeit der Atmosphäre in der Band, die durch Rivalitäten und Eifersüchteleien zerfressen wird. Der Spielfilm ist zu einer urbanen Studie über Illusion und Desillusion junger Pop-Künstler geraten; Drehbuchautor Murilo de Oliveira ist bei der Aufführung zu Gast.

Am Samstag, 28.2. ist um 19.30 Uhr die uner der Regie von Geraldo Motta gedrehte sehr sehenswerte Lebensgeschichte von Arthur Bispo do Rosário zu sehen, der 50 Jahre in psychiatrischen Kliniken verbrachte und dort unter unvorstellbaren Bedingungen Stickereien und Objekte aus Abfall schuf, die ihn nach seinem Tod als großartigen Künstler der Avantgarde bekannt machten. „Senhor do Labirínto/Herr des Labyrinths“ ist der Film über den Nachfahren afrikanischer Sklaven aus Sergipe benannt, der Zeit seines Lebens von Halluzinationen verfolgt wurde.

Samstag, 28.02.2015 19:30: »Senhor do Labirínto/Herr des Labyrinths« von Geraldo Motta

 

Um Schwarze geht es auch in „Um Filme de Dança/Ein Tanzfilm“, der am Sonntag, 1.3. um 17.30 Uhr zu sehen ist. Regisseurin Carmen Luz hat hierzu einige der namhaftesten schwarzen Tanzkünstler verschiedener Generationen vor die Kamera geholt; herausgekommen ist eine Hommage an die Geschichte der Schwarzen Brasiliens, die sie in ihren Choreografien zum Ausdruck bringen – wenn sie denn einmal von europäischen Vorbildern befreit sind.

Zum Schluss (Sonntag, 1.3., 19.30) gibt es dann noch „Os pobres Diabos/Die armen Teufel“ von Rosemberg Cariry. In diesem Film lernen wir ein paar Kleinstädte im Hinterland kennen, ein Brasilien jenseits von Copacabana, Samba und Carnaval. Ein der wenigen Abwechslungen ist der Gran Circo Teatro Americano, der hier manchmal auf Tour ist. Kleine und größere Tragödien bewegen das Leben der Artisten, aber: Show must go on…

Das ganze Programm: www.koki-freiburg.de

Text: Erika Weisser / Fotos: Cinebrasil