Die total regionale Energiewende: möglich, aber unwahrscheinlich

Bei beliebten Ballsportarten ist zuweilen von hundertprozentigen Chancen die Rede, die dann aber versemmelt werden und ergo so hundertprozentig gar nicht sind. Nun hat die Energieagentur Regio Freiburg in einer Auftragsarbeit fürs Green Cluster Freiburg und die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) eine Hundertprozentstudie erstellt. Demnach ist die hundertprozentige Energiewende in der Region möglich, aber nur dann, wenn die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen der Stadt Freiburg dabei helfen. Und wenn die Bewohner und Gewerbliche in den Kreisen und der Stadt ihren Strom- und Wärmehunger 2050 im Vergleich zum Jahr 2010 nur noch fünfzigprozentig stillen. Wobei die Wahrscheinlichkeit dafür bei weit unter 50 Prozent liegen dürfte. De facto steigen die Verbräuche.

 

Schon 2009 hatte sich in Freiburg der „Wirtschaftsverband 100 Prozent Erneuerbare Energien“ gegründet, der der tiefen Überzeugung ist, dass die hundertprozentige Energiewende in der Region bis 2035 erreichbar sei. Die Stadt Freiburg kann ihren Energiehunger auch bei Ausnutzung aller Potentiale (Hoffnungsträger sind Wind und Sonne) höchstens zu 70 Prozent selber stillen.

Derzeit werden in der Region für 900 Millionen Euro Wärme und Strom eingekauft, die größtenteils von auswärtigen Lieferanten kassiert werden und aus der Region abfließen. Soll die energieautarke Region wirklich werden, müssten der Studie zufolge drei Milliarden Euro in neue Energieanlagen und zwölf Milliarden in die energetische Sanierung des Gebäudebestands investiert werden.

„Durch Investitionen in erneuerbare Energien würde der größte Teil der jährlich 900 Millionen Euro in der Region bleiben, statt abzufließen. Regionale Umweltunternehmen, das Handwerk und die Arbeitnehmer würden von der Entwicklung profitieren. Damit wirkt das ökologische Ziel wie ein gigantisches regionales Konjunkturprogramm, eine Win-win-Situation für Ökologie und Ökonomie“, sagt Cluster-Sprecher und FWTM-Chef Bernd Dallmann.

Auch anderthalb Jahre nach Fukushima ist die Kluft zwischen einer totalen Energiewende in der Region und der Realität sehr tief: In Freiburg werden derzeit etwa fünf Prozent der Wärme und 4,6 Prozent des Stroms regenerativ erzeugt.

Aber auch bei beliebten Ballsportarten wird bekanntlich hin und wieder aus unmöglichen Positionen aufs Tor geschossen – und getroffen.

Text: Lars Bargmann / Foto: Bilderbox