Die verrückteste Zahl im zahlenreichen neuen Freiburger Immobilienmarktbericht steht auf Seite 37. Sie lautet: 8283. Es ist der Europreis für einen Quadratmeter in einer Neubauwohnung in Herdern. Mehr wollten Vermessungsamtschefin Hannelore Stockert und Finanzbürgermeister Otto Neideck zu der Zahl nicht sagen. Datenschutz. Nach chilli-Informationen aber hat ein Käufer diese 8283 Euro für jeden Quadratmeter in einer Fünfzimmerwohnung im neuen zweiten Dachgeschoss auf der denkmalgeschützten Villa im Park St. Urban hingelegt. „Das ist das Beste, was es in Freiburg gibt“, sagt ein Insider.

Visualisierung: Villa St. Urban
Abgesehen von diesem spektakulären Millionen-Transfer bietet der Bericht viel Bekanntes: Die Preise klettern weiter nach oben, es wird zu wenig gebaut, es gibt kaum Bauplätze für Familienhäuser, Angebot und Nachfrage klaffen stark auseinander. So wurden im vergangenen Jahr nur noch 354 neue Wohnungen verkauft. 180 weniger als 2011. Für Freiburger Verhältnisse 500 neue zu wenig. Zudem wurden auch 220 Bestandswohnungen weniger verkauft (gesamt: 1334).

Insgesamt nahm die Zahl der Verkäufe stark ab (um 508 oder 15 Prozent auf 2847), und das Transaktionsvolumen ging noch stärker zurück: Um 182 Millionen oder 19 Prozent auf 793 Millionen Euro – was aber immer noch der dritthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1971 ist. Besonderer Mangel herrscht im preisgünstigen Segment: Während 2011 etwa noch 120 Neubauwohnungen im Rieselfeld für im Schnitt 2550 Euro verkauft worden sind, war es im vergangenen Jahr genau eine.

Villa St. Urban
„Wenn Bauträger es schaffen, Quadratmeterpreise rund um 3000 Euro anzubieten, wird das den Markt sofort beruhigen“, meinte Stockert. Angesichts von steigenden Grundstückspreisen und immer teureren Gestehungskosten – an denen die Politik wegen der ambitionierten Energiestandarts nicht unschuldig ist –, werden Neubaupreise in dieser Höhe kaum noch machbar sein. „Wir brauchen dringend Bauland“, übte sich Neideck in Realismus. Die Gutleutmatten und der Güterbahnhof (der bekanntlich jahrelang für den Wohnungsbau tabu war) könnten die Not lindern.

Die zweite bemerkenswerte Zahl ist die acht. Genau acht Bauplätze mit gemittelt 2000 Quadratmetern für Mehrfamilienhäuser wechselten 2012 für im Schnitt 1,28 Millionen Euro den Besitzer. Und darunter waren sogar vier, die nur im Erbbaurecht verkauft wurden. Die 8 und die 8283 dokumentieren eindrücklich den Notstand.

Info:
Der 55-seitige Immobilienmarktbericht kann für 36 Euro im Rathaus erworben werden.

Text & Foto: Lars Bargmann