Die preisgekrönte Zufallsfreiburgerin Lisa Kränzler

Die schreibende Malerin Lisa Kränzler will nicht gefallen, sondern Kontroversen auslösen – in Klagenfurt wurde die Freiburgerin mit dem 3sat-Preis des Bachmann-Wettbewerbs ausgezeichnet. „Es ist alles wahr, ich schreibe keine Lügen, nie. Mit dem Begriff ‚Fiktion’ kann ich ohnehin nichts anfangen“, sagt Lisa Kränzler.

 

Für diese Wahrheit, ihr Erlebnismaterial aus der Jugend, hat die in Freiburg lebende Künstlerin und Autorin unlängst den 3sat-Preis beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt erhalten. Kränzler, 1983 in Ravensburg geboren, überzeugte die Jury mit einem Abschnitt aus ihrem neuen Buch, das im Februar auf den Markt kommen soll. Das Thema: die Geschichte der erwachen- den Sexualität, eine Mischung aus Erotik und Gewalt, die Beziehung zweier Freundinnen.

Ihr aktuelles Buch „Export A“ wird derzeit von der Kritik gefeiert. Es ist ein harter Stoff. Export A ist eine kanadische Zigarettenmarke, die eine 16-jährige deutsche Austauschschülerin raucht. Der Aufenthalt in Kanada – auch Kränzler war als Schülerin dort – ist ein Albtraum: Einsamkeit, Pubertät, Drogenexzesse, religiöser Fanatismus, Schmerz und Überdruss. Die Schülerin lädt schließlich eine enorme Schuld auf sich, Erlösung gibt es nicht in diesem Leben. Teilweise ist es abstoßend und deprimierend, was sie da schreibt und treibt. Aber es ist durchgehend grandios und flüssig geschrieben, es ist traurige Poesie.

„So eine reine Sache wie ein Debütroman wird sich nicht wiederholen“, sagt die blasse Frau. Dabei war der Erfolg so nicht geplant. „Mein Ziel war es, die Story aufzuschreiben, es war ein Prozess, das Manuskript reifte wie ein guter Wein. Während des Schreibens dachte ich nie an das Ergebnis“, erzählt Kränzler. Dass das Debüt veröffentlicht wurde, lag an ihrer Mentorin Tatjana Doll, Professorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Kränzler, die seit sechs Jahren in Freiburg wohnt und das auch eher zufällig, war dort 2010/2011 Meisterschülerin. Doll reichte das Manuskript an den Berliner Verbrecher-Verlag weiter.

„Es war Trotz. Trotz gegen das System. Ich habe den Roman während der Zeit geschrieben, als ich eigentlich malen sollte. Auch die Akademie gehört zum System“, sagt Kränzler. Sie will nicht gefallen, auch wenn ihr die Anerkennung für ihr Schreiben gut tut und Öffentlichkeit nun einmal wichtig ist. Sie will keine harmlosen Texte, sie will nicht das, was jeder abnicken würde. Aber sie fährt auch nicht die billige Teenager-Provo-Schiene, aus dem Alter ist sie heraus. „Eigentlich kann man heute ja nichts mehr schreiben, was wirklich abstoßend ist, oder? Ist doch schon alles geschrieben.“ Sie selbst liest wenig, und wenn, dann kaum zeitgenössische Literatur. Allenfalls liest sie Autoren wie Frisch, Camus, Sartre, Thomas Bernhard oder die ganzen Russen, die allesamt schon unter der Erde liegen.
Als Autorin versteht sie sich ohnehin nicht. „Ich bin eine schreibende Malerin“, sagt sie. Sie ist diszipliniert und verbringt ihre Tage im Atelier zwischen Leinwand und der alten Schreibmaschine, Modell Brother AX 110. Ihre Bilder? „Groß, roh, figurativ und schnell gemalt.“ Bilder sind auch die Grundlage fürs Schreiben. „Bei mir läuft ein Film ab, ich schreibe das auf, was ich gesehen habe.“

Gibt es Träume und Ziele? „Ich werde zwei Millionen Bücher verkaufen und sitze reich und fett wie Marlon Brando auf meiner Insel. Bei Interviews sage ich dann nichts mehr, sondern mache nur noch obszöne Gesten.“

Text: Dominik Bloedner / Foto: privat

Export A
von Lisa Kränzler
Verlag: Verbrecher Verlag, Berlin 2012
Seitenzahl: 266, gebunden
Preis: 21 Euro