Wie hoch darf auf dem Lorettoberg gebaut werden? Darüber streiten sich Anwohner und ein Investor, der auf dem Gelände eines einstigen Steinbruchs an der Mercystraße bauen möchte. Im Raum stehen vier Mehrfamilienhäuser mit bis zu sechs oberirdischen Geschossen. Ob das gesetzlich zulässig ist, muss nun das städtische Baurechtsamt beurteilen. Dass es für das Gebiet keinen Bebauungsplan gibt, macht die Sache nicht leichter.

 

 

Heute Wildwuchs, morgen Bauland? Auf diesem Grundstück sollen bald vier hohe Häuser gebaut werden. Foto: chilli

Heute Wildwuchs, morgen Bauland? Auf diesem Grundstück sollen bald vier hohe Häuser gebaut werden. Fotos: chilli

 

Als die Anwohner der Mercystraße und des Kapellenwegs Anfang Februar Post bekamen, schrillten bei ihnen die Alarmglocken.  In einem mit dem Betreff „Nachbarbeteiligung“ versehenen Schreiben teilte ihnen das Baurechtsamt mit, dass auf dem ehemaligen Steinbruchgelände des Lorettobergs gebaut werden soll. Die Landesbauordnung Baden-Württemberg schreibt eine solche Beteiligung der Anwohner vor, die dann innerhalb eines Monats ihre etwaigen Bedenken gegen Bauprojekte, die sie tangieren, vorbringen können.

 

Im Falle des Lorettobergs wollen die Anwohner von diesem Recht Gebrauch machen. „Das Gebiet ist bisher sehr zurückhaltend bebaut“, sagt der Freiburger Rechtsanwalt Alexander Simon, der mittlerweile zehn Anwohner vertritt. Für Simon ist klar: „Wenn die Anträge durchkämen, würde sich die Struktur des Lorettobergs innerhalb von sehr kurzer Zeit dramatisch verändern.“ Stein des Anstoßes ist eine Bauvoranfrage der LF Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG, die die Chancen für ein Projekt auf Freiburgs noblem Villengipfel ausloten möchte.

 

Im Raum stehen vier Mehrfamilienhäuser mit bis zu sechs oberirdischen Geschossen. Die Baupläne, die dem Stadtmagazin chilli vorliegen, zeigen zwei weitere unterirdische Geschosse, vermutlich für Garagen und Kellerräume. Wie die Gebäude im Detail aussehen sollen, ist derzeit noch unklar. Der verantwortliche Architekt Wolfgang Frey war trotz wiederholter Nachfragen nicht für ein Gespräch erreichbar.

 

Sind sechs Geschosse – gerade in Zeiten akuter Wohnraumnot – noch vertretbar oder verschandeln sie schon die Landschaft? Auch darüber wird sich das Baurechtsamt in den nächsten Wochen Gedanken machen müssen. Die Bauvoranfrage befinde sich derzeit „in der Ämteranhörung und Nachbarbeteiligung“, bestätigt die städtische Pressestelle. Das „Angrenzer-Benachrichtigungsverfahren“ laufe noch; Einwände lägen vor. Zu deren Inhalten will sich die Behörde nicht äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

 

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Gesprächiger ist man, was das Aussehen der Gebäude angeht. Demnach sind drei Gebäude mit sechs oberirdischen Geschossen geplant (vier Vollgeschosse und zwei zurückversetzte Penthouse-Geschosse). Die beiden Untergeschosse würden angefüllt, damit sie „talseitig zur Straße hin aufgrund der extremen Topografie nicht in Erscheinung treten“, erklärt Rathaussprecherin Martina Schickle. Das vierte Gebäude bestehe dagegen lediglich aus vier oberirdischen Geschossen und einem Untergeschoss, das talseitig voll in Erscheinung trete. Komplizierter wird die Sache dadurch, dass für das betroffene Areal lediglich ein Straßen- und Baufluchtenplan vom 30. April 1902 existiert. Er setzt eine straßenseitige Bauflucht mit Abstand von 15 Metern zur Straße fest. Mehr nicht. Ein konkreter Bebauungsplan wurde nie aufgestellt.

 

Ganz frei entscheiden kann das Baurechtsamt trotzdem nicht. In einem solchen Fall, so schreibt es Paragraf 34 des Baugesetzbuchs vor, müssen sich Bauvorhaben an der vorhandenen Umgebung orientieren. Obwohl diese Regelung einen gewissen Spielraum zulässt, ist für Anwohneranwalt Simon die Sache klar: Mit „kleinteiliger Bebauung“ – wie es sie momentan gebe – habe ein sechsstöckiges Gebäude nichts zu tun.

 

Auf der anderen Seite des Lorettobergs, im Bereich Kreuzkopfsteige, ist man schon weiter. Für das 6,5 Hektar große Gelände soll demnächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden  – so hat es der Gemeinderat am 8. Mai 2013 beschlossen (Drucksache BA-13/021). In der Beschlussvorlage sind mehrere Kernziele vorgegeben – unter anderem die „Sicherung der vorhandenen Gebietsstruktur“ und der „Erhalt der stadt- und landschaftsbildprägenden Qualitäten“. Von maximal zulässigen Gebäudehöhen ist allerdings dort nichts zu lesen.

 

Text: Steve Przybilla