Kultur im Seniorenheim – da fällt den meisten außer Tanztees und Bridgenachmittagen nicht mehr viel ein. Es sei denn, man war schon einmal bei einem – für alle öffentlichen – Konzert, einer Theateraufführung, Lesung oder Ausstellung im Augustinum Freiburg. Die Augustinum Wohnstifte sind deutschlandweit die einzigen Seniorenheime, die eigene Kulturreferenten beschäftigen. Darunter auch Dagmar Lohbreier, die bereits seit 17 Jahren für das Freiburger Kulturprogramm zuständig ist. Zum 30-jährigen Jubiläum in diesem Jahr fällt das besonders umfangreich aus.

 

275 Sitzplätze, zwei Logen, Künstlergarderoben und ein Steinwayflügel auf der Bühne – es gibt in Freiburg nicht viele Theatersäle, die mit solch einer Ausstattung glänzen dürfen. Schon gar nicht in einem Seniorenheim. Was viele nicht wissen: Die Kulturveranstaltungen – vom Jazzkonzert bis zum Musical – sind hier nicht nur für die Bewohner, sondern fast alle öffentlich. Und das werde auch gut angenommen, so Lohbreier, zum monatlichen Big-Band-Abend etwa kämen rund 70 Prozent der Besucher von außen. „Den Bewohnern ist das oft zu laut“, erzählt die Kulturreferentin, „deren Schwerpunkt ist die Klassik.“

Alles außer Rockkonzerte: Kultur im Seniorenheim Augustinum

 

Die zehn bis vierzehn Veranstaltungen im Monat sind fast alle für Körper- oder Hörgeschädigte geeignet. Und da die meisten kostenlos oder sehr günstig sind, werden sie auch von vielen Studenten besucht. So sitzt dann etwa bei Reisevorträgen der Student, der seine Semesterferien plant, neben dem Senior, der seine eigenen Reiseerlebnisse Revue passieren lässt. Eine perfekte Gelegenheit für einen Austausch zwischen Jung und Alt. „Unser Anliegen ist es, dass sich das Haus nach außen öffnet“, erzählt Lohbreier. So hat sie im vergangen Jahr gemeinsam mit dem Literaturbüro eine Schreibwerkstatt für Studenten und Senioren ins Leben gerufen, in der es um das Thema Liebesbriefe ging. Einige der Kontakte, die dort geknüpft wurden, halten bis heute.

 

Es gibt natürlich auch manches, was in einem Seniorenheim nicht funktioniert: ein Rockkonzert etwa oder auch Laientheater. Ohne ausgebildete Stimme sprechen die Schauspieler zu leise und zu undeutlich für ältere Ohren. An anderes führt Lohbreier die 300 Senioren des Stifts, die sie fast alle namentlich kennt, behutsam heran. So ist momentan in den Gängen eine Ausstellung über Computerkunst zu sehen, und für nächstes Jahr ist ein Projekt über Neue Musik mit dem Ensemble Recherche und der Volkshochschule geplant.

 

Lohbreier ist mit ihren Planungen immer ein Jahr voraus. Mit den Kulturreferenten der anderen Häuser legt die studierte Sozialpädagogin ein Jahresmotto fest, das dann jedes Heim auf seine Weise ausgestaltet. Einige Events ziehen sich auch durch mehrere Häuser, vor allem national bekannte Künstler wie Senta Berger, Caterina Valente oder Edgar Selge werden gleich für mehrere Häuser gebucht – das ist auch eine Kostenfrage. Denn selbst in einem Nobel-Wohnstift mit À-la-carte-Restaurant, Swimmingpool, Bibliothek & Co. ist das Kulturbudget endlich. „Ich komme mit dem Budget hin, aber einfach ist es nicht“, sagt die 63-Jährige. Manchmal haben auch die Bewohner gute Kontakte: Günter Grass war etwa durch seine Bekanntschaft mit einem der Senioren bereits in Freiburg. Wen Lohbreier selbst gerne mal begrüßen würde? „Mario Adorf“, sagt sie nach kurzem Überlegen, „aber der ist unbezahlbar.“

 

Highlights im Jubiläumsjahr
So., 14. Juni: Erster Augustinum Golf Cup
Sa., 4. Juli: Konzertfest am See
Di., 15. September: Eröffnung einer Ausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Augustinum Freiburg
Mo., 12. Oktober: Krimidinner mit dem Improtheater L.U.S.T.
Sa., 7. November: Klavierkabarett mit Felix Janosa

 

Text: Tanja Bruckert & Foto: Stella Krause