Am EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg fliegt die Chefetage weiter von Rekord zu Rekord. Im vergangenen Jahr zählten Direktor Jürg Rämi und sein Vize Vincent Devauchelle erstmals mehr als 6,5 Millionen Passagiere, ein Plus von elf Prozent – fast doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt (5,6 Prozent). Die Zahl der Flüge nahm derweil nur um zwei Prozent auf 89.000 zu. Grund: Die Airlines fliegen mit größeren Flugzeugen, und diese sind besser ausgelastet. Wie hoch Umsatz und Gewinn sein werden, ist noch nicht bekannt.

Ein besonderes Ereignis: Während der OSZE-Konferenz landeten am 4. Dezember 2014 15 Staatsflugzeuge am EAP, unter anderem die Airforce 2 der Amis.

 

Dass Rämi und Devauchelle kurz nach der jüngsten Rekordbilanz – für die Öffentlichkeit überraschend – ihren Rückzug bekanntgaben, habe nichts mit Turbulenzen hinter den Kulissen zu tun, sagt Marketingdirektor Mario Eland: „Das war intern schon lange geplant.“ Der Schweizer Rämi geht nach zwölf Jahren Ende Juli mit 60 in Pension, der Franzose Devauchelle nimmt Ende Juni nach 13 Jahren seinen Hut. Weil der EAP beiden Ländern gehört und ein französischer Vize automatisch einen neuen Schweizer Direktor bedeuten würde. Das Duo hat erfolgreiche Arbeit geleistet.

 

2014 sind gleich elf neue Destinationen im Linienflugverkehr ans Rollfeld gegangen, zudem beflügelt das neue, 21.000 Quadratmeter große „Pharma-Terminal“ mit lückenloser Kühlkette den Frachtverkehr, der im Vergleich zu 2013 mit 98.175 Tonnen um fünf Prozent zulegte, aber noch viel stärker wachsen wird: 19 Prozent sind für 2015 geplant, zudem drei Prozent mehr im Passagierverkehr.

 

Auch die Investitionen sind auf hohem Niveau: Rund 38 Millionen Euro steckte der EAP unter anderem ins Cargo-Terminal, in eine 24.000 Quadratmeter große neue Stationierungsfläche, in Sanierungen, die Renovierung des Personalrestaurants oder fünf neue Läden. 2015 geht die Qualitätsoffensive weiter: Die Gepäcksortieranlage wird aufgedoppelt (12 Mio.), das Restaurant im Dachgeschoss neu eröffnet, ein fünfstöckiges Parkhaus mit 2500 Plätzen gebaut (28 Mio. Euro), das alte Expressfrachtgebäude saniert (3 Mio.), neun neue Schneeräumungs- und vier neue Flug- hafenfeuerwehrfahrzeuge angeschafft (7,1). Das Gesamtvolumen liegt in diesem und teilweise im kommenden Jahr bei 55 Millionen Euro. Und die kommen mittlerweile nach dem Abbau von neunstelligen Verbindlichkeiten aus der Bordkasse.

 

Trüb ist die Sachlage indes weiter beim Steuerstreit (wir berichteten): Ende Oktober hatten sich François Hol- lande und Corina Casanova in Paris getroffen, noch im März soll es aber eine Einigung geben.

 

Die Swiss wird im Mai ihren Flugbetrieb am EAP komplett einstellen, aus „strategischen Gründen“, sagt Eland. Gerüchten zufolge ist die Swiss in Basel mit nicht wettbewerbsfähigen Flugzeugen (vier Turbinen mit 97 Plätzen gegenüber zwei mit 180 der Konkurrenz) am Start, unter anderem weil Bombadier mit neuen Fliegern drei Jahre im Verzug ist. Von den 6,5 Millionen Passagieren transportierte die Swiss ohnehin nur 263.000 und war damit nur auf Rang sechs.

 

Zudem wartet die Bahnanbindung weiter auf die Gleissetzung: Die Franzosen sperrten sich bisher – mutmaßlich wegen des Steuerstreits – gegen ihren Finanzierungsanteil an der Planung, wobei es da nicht einmal um 100.000 Euro geht. Die Loslösung des Franken vom Euro wird laut Eland indes keine „nachfragedämpfenden Auswirkungen haben“.

 

Text: Lars Bargmann / Foto: EAP