Die Bundestagswahl ist bereits eine Weile her, das Ergebnis ist bekannt (oder auch nicht: Stichwort Koalitionsverhandlungen). Dennoch legt das Freiburger Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung jetzt eine Analyse vor, die die Wahl der Freiburger mit der im restlichen Bundesland vergleicht – und die Ergebnisse enthält, die den einen oder anderen Freiburger erstaunen dürften:

 

1. Was dem Bundesbürger wichtig ist, ist den Freiburgern egal – und andersherum.

 

Das bundesweite Topthema „Arbeitslosigkeit“ belegt in Freiburg bei der Wahlentscheidung den letzten Platz. Was von den Bundesbürgern hingegen als am unwichtigsten erachtet wird, erreicht in Freiburg Platz zwei: Das Thema „Umwelt, Klima und Energiewende“. An erster Stelle steht in Freiburg übrigens das „soziale Gefälle“.

 

2. Stadt wollte Erler, das Land von Marschall.

 

Nach 1994 (Sigrun Löwisch) gelang es mit Matern von Marschall erstmals wieder einem CDU-Kandidaten, das Direktmandat im Wahlkreis 281 (Freiburg) zu erringen. Soweit nichts Neues. Wenn es nach der Stadt Freiburg ginge, wäre jedoch auch in diesem Jahr wieder ein SPD-Mann in den Bundestag eingezogen: Gernot Erler lag mit 31,5 Prozent knapp vor von Marschall (29,9 Prozent). Doch die Umlandgemeinden haben es rausgerissen – hier erzielte der CDU-Mann 20 Prozentpunkte mehr als Erler.

 

3. Es haben mehr Freiburger gewählt als noch 2009 – ein gutes Ergebnis ist das dennoch nicht.

 

Die gute Nachricht zuerst: Die Wahlbeteiligung ist gegenüber der vorherigen Wahl um zwei Prozentpunkte gestiegen. Jetzt die schlechte Nachricht: Nur dreimal hat in der Geschichte der Bundestagswahlen ein geringerer Anteil der Wahlberechtigten sein Stimmrecht wahrgenommen: 2009 (74,1%), 1957 (75,1%) und 1949 (72,9%).

 

4. Mehr Männer als Frauen kämpfen auf verlorenem Posten.

 

Wer bei der letzten Bundestagswahl etwa FDP oder AfD gewählt hat, hat seine Stimme „verloren“. Diese „verlorenen Stimmen“ gehören deutlich mehr Männern als Frauen. Bei den Männern entfallen nur 83,3 Prozent der gültigen Stimmen auf die vier im Bundestag vertretenen Parteien, während 88,1 Prozent der Frauen für CDU, SPD, Linke oder Grüne votiert haben.

 

Text: tbr