Ein Blick aus der Vogelperspektive: Die Diskothek Cräsh, das dunkle Loch, ist doch ziemlich niedrig verglichen mit der angrenzenden Industrie- und Handelskammer. Die Häuser in der Belfortstraße, die in der sogenannten Gründerzeit gebaut wurden, unterscheiden sich von denen, die nach dem Zweiten Weltkrieg oder in den Achtzigerjahren entstanden, durch die Dächer: Je älter das Haus, desto steiler die Giebel. Und überhaupt: Wie hat sich denn die Bahnhofsachse in den vergangenen Jahren verändert? Was ist denn da alles hinzugekommen?

 

Handarbeit: Zweidimensional kann ja jeder – der Verein Stadtmodell Freiburg hat noch eine Dimension draufgepackt, den Stühlinger (oben) schon nachgebaut und am Rand der Innenstadt auch schon mal das Colombi-Schlössle (rechts) in Szene gesetzt.

 

Wir sind nicht in einem Flugzeug hoch über Freiburg, sondern im Architekturbüro Horbach in der Wiesentalstraße. Im zweiten Stock arbeitet Martin Hermel, der Leiter der Abteilung Modellbau des Büros. Hermel werkelt an einem nicht alltäglichen Auftrag. Auftraggeber ist zur Abwechslung kein Bauherr oder Stadtentwickler, sondern der Verein Stadtmodell Freiburg, der 2012 gegründet worden ist und derzeit rund zwei Dutzend Mitglieder zählt – hauptsächlich Architekten.

 

»Wir wollen ein Modell der gesamten Stadtfläche Freiburgs errichten, vom Rieselfeld bis Ebnet, vom Vauban bis Zähringen. Und das alles im Maßstab 1:1000«, sagt der Vereinsvorsitzende Benno Burgey. 80 Teilstücke, maximal einen Quadratmeter groß, sollen es irgendwann einmal sein. Freiburg wird auf eine Modellfläche von acht mal zwölf Metern schrumpfen. Pro Platte fallen Kosten von 5000 bis 15.000 Euro an – je nach Komplexität des Stadtteils und nach Aufwand der digitalen Aufbereitung.

 

Im Oktober präsentiert der Verein das erste Teilstück, das die Stadtteile Stühlinger und Sedanquartier mit insgesamt 800 Gebäuden zeigt, erstmals öffentlich.

 

Bis dahin muss Martin Hermel noch einige kleine Häuser aus Birnenholz herstellen, einige Miniaturbäume aus Schaumgummi pflanzen. Die Platte, auf der Erhebungen wie der Colombi-Park leicht auszumachen sind, ist aus Birkensperrholz. »Die Plandaten, also die Höhenlinien, die Höhe der Gebäude, die Neigung der einzelnen Dächer, bekommen wir vom Vermessungsamt der Stadt zur Verfügung gestellt«, berichtet Burgey. Diese Daten werden dann für Hermel aufbereitet, damit er möglichst exakt arbeiten kann.

 

 

Das Modell sieht aus wie eine Spielzeuglandschaft, das Kind im Manne erwacht beim Betrachten. »Sicher, das ist spannend für Touristen und für Kinder«, sagt Burgey. »Doch mit diesem Modell wollen wir auch ein effektives stadtplanerisches Werkzeug haben, an dem die Entscheider und alle an einem Planungsprozess Beteiligten diskutieren können.«

 

Wie soll die Stadt wachsen? Wo soll und könnte nachverdichtet werden? Wie wird das neue Stadion sich ins Stadtbild integrieren? Wie könnte eine Renaturierung der Dreisam aussehen? Burgey hofft, dass mit dem Modell eine lebhafte kulturelle und öffentliche Debatte beginnen möge. Ein Modell aus Holz sei eben etwas Haptisches, etwas, das die Dimension von Bauprojekten auch ungeschulten Augen näher bringe. Das 3D-Modell der Stadt, das derzeit ebenfalls entwickelt wird, sei etwas anderes, meint Burgey.

 

Vorbilder hat der Verein viele: Stadtmodelle gibt es etwa in der Schweiz in Zürich und in Basel. Dort hat die öffentliche Hand viel Geld zugeschossen. »Unser Vorbild ist aber Münster«, sagt Burgey. »Dort ist durch viele private Spenden und bürgerschaftliches Engagement ein interessantes Modell entstanden.«

 

Text: Dominik Bloedner / Fotos: Stadtmodell Freiburg

 

Info:
Am Samstag, 10. Oktober, zeigt der Verein Stadtmodell Freiburg von 10 bis 14 Uhr im Ausstellungsraum des Café Hermann am Bahnhof (vormals Café Mobile) das 1:1000-
Modell des Sedanquartiers und Stühlingers.
Weitere Infos via Benno Burgey, erster Vor-
sitzender: kontakt@stadtmodellfreiburg.de,

www.stadtmodellfreiburg.de

 

Spenden sind willkommen auf das Konto 13292946 bei der Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau (BLZ 68050101).