Sie windet bis zu sechs Meter lange Schlangen um ihren Körper, jongliert mit Feuer und geht über Scherben. Persia – oder Felicitas Noorollah Zadeh, wie sie im bürgerlichen Leben heißt – verleiht Hochzeiten, Weihnachtsfeiern, Straßenfesten oder Festivals einen orientalischen Touch. Das chilli hat sie bei „Heras rollender Tierschau“ auf einem kleinen Gelände am St. Georgener Dorfbach besucht, wo die Schlangen in einem Schauwagen leben.

Schlangen_1
„Die meisten Schlangen sind Tierschutzfälle, die in zu kleinen Terrarien oder bei der falschen Temperatur gehalten wurden. In einem besonders extremen Fall war der Besitzer auf Kur, das Terrarium kaputt und die Schlange ist frei durch die Wohnung gekrochen. Hera, gelernte Tierpflegerin, nimmt sich solcher Fälle an und hält sie artgerecht in dem Schauwagen und im Keller ihres Hauses – bei 30 Grad und in großen Terrarien. Bevor ich vor zwei Jahren mit meinen Shows angefangen habe, habe ich bei Heras Tierschau assistiert und sie mit Akrobatik ergänzt. Obwohl ich mich durch meine Hypermobilität – eine Bänderschwäche – stark verbiegen kann, liegt der Schwerpunkt bei meinen eigenen Shows nicht auf der Akrobatik. Im Vordergrund stehen orientalischer Bauchtanz mit oder ohne Schlangen, Feuershows mit Feuerfächern und Feuerspucken oder Fakirshows, bei denen ich mit bloßen Füßen über Glas laufe.

Schlimme Zwischenfälle hat es glücklicherweise noch nicht gegeben. Wir sichern uns aber auch gut ab. Die Feuershows mache ich etwa nur bei Windstille oder in geschlossenen Räumen mit genügend Abstand zum Publikum, und bei den Schlangenshows ist immer ein kräftiger Mann dabei – falls doch mal eine Schlange ausbüchsen sollte. Die größte Schlange, mit der ich auftrete, ist eine Albino-Tigerpython, die über 40 Kilo wiegt – die kann ich alleine gar nicht mehr halten.
Auch wenn große Schlangen natürlich die Hauptattraktion sind, kann man nicht mit jeder Schlange arbeiten. Anacondas sind etwa viel zu aggressiv und auch Netzpythons eignen sich nur selten. Als Tänzerin muss ich mich immer nach den Tieren richten, nicht andersherum. Auch Schlangen sind mal schlecht gelaunt oder aufgeregt – was man daran merkt, dass sie sehr viel schlängeln und züngeln –, dann lasse ich sie lieber im Korb und nehme eine andere.

Ich trete auch nicht mit Schlangen auf, die ich nicht kenne oder noch nie auf dem Arm hatte und trainiere daher regelmäßig auf dem Gelände der Tierschau. Zu Hause ist das Training momentan schwierig, da ich in einer Mietwohnung lebe, mein Mann und ich bauen aber gerade ein Haus in Bahlingen. Da werden die Nachbarn sicher staunen, wenn ich im Garten mit brennender Stahlwolle jongliere.“

Text & Foto: Tanja Bruckert