Der Freiburger Eishockeysport steht am Scheideweg: Nach der Insolvenz der Wölfe GmbH im Frühjahr 2011 und dem verordneten Zwangsabstieg der ersten Mannschaft von der zweiten in die vierte Liga hat die stark verjüngte Amateurtruppe aus der Ensisheimer Straße in der Regionalliga Südwest eine makellose Saison hingelegt. In 21 Spielen gelangen dem Team 21 Siege. Nachdem der EHC Freiburg im Playoff-Halbfinale beide Spiele gegen den ESC Hügelsheim gewonnen hat, wird er im Finale nun auf den Titelverteidiger aus Stuttgart treffen. Das Heimspiel der Badener gegen die Schwaben wird am 30. März um 20 Uhr angepfiffen. Auch hier gelten die Kufencracks als Favorit. Aber: Sowohl der Vize-Vorsitzende Dirk Philippi als auch Interimstrainer Peter Salmik wissen, dass der Grat zwischen Erfolg und Absturz ein schmaler ist. Wird die Mannschaft ihrer Favoritenrolle nicht gerecht, fällt sie wohl auseinander. Und dann ist da noch die Sache mit der maroden Franz-Siegel-Eishalle.

Zwei Männer, ein Ziel: Trainer Peter Salmik und Vize-Vorsitzender Dirk Philippi
wollen Profisport aufs Eis bringen.



„Man spielt nicht gerne in der vierten Liga“, erklärt der zweite Vorsitzende des Eishockey Clubs Freiburg, Dirk Philippi. Der Satz kommt ihm schwer über die Lippen. Beim EHC will man nicht überheblich wirken, der Absturz der Wölfe GmbH hat Spuren hinterlassen. Aber man möchte auch zeigen, dass Eishockey in Freiburg mehr ist als nur Amateursport. „Es war die richtige Saison, etwas Neues hier aufzubauen“, relativiert Philippi sein Unbehagen gegen die Unterklassigkeit und ergänzt: „Es ist eben unattraktiv für den Nachwuchs – ich hätte das Ganze lieber eine oder zwei Ligen höher gemacht.“ Eine Liga höher soll es jetzt gehen. Muss es, sagt der Vorsitzende: „Die Mannschaft ist zum Aufstieg verdammt – alleine um sich selbst eine Perspektive zu bieten.“

Und was, wenn es mit dem Aufstieg wider Erwarten doch nicht klappt? „Daran möchte ich gar nicht denken“, hat Philippi scheinbar selbst Angst vor der Antwort und flüchtet in Zweckoptimismus: „Auch weil es nicht passieren wird.“ Damit es nicht passiert, arbeitet Cheftrainer Peter Salmik fokussiert mit der Mannschaft. Er hat als Interimscoach für den erkrankten Thomas Dolak Anfang Dezember den Posten hinter der Bande übernommen. „Es ist kein Selbstläufer“, beschwört er das Mantra für die wegweisenden kommenden Wochen herauf. Auch wenn sein Team in dieser Saison noch keine Partie verloren hat, ist Salmik doch auf der Hut: „Strafzeiten, Verletzungen – solche Sachen können einem in einer kurzen Playoffserie ganz schnell einen Strich durch die Rechnung machen.“


Der Mann, der selbst schon als Spieler für den EHC in der zweiten Liga auf dem Eis stand, die Wölfe 2008 von der dritten in die zweite Liga führte und die Mannschaft dort 2010 noch einmal – auch damals als Interims-trainer– coachte, ist aber ebenfalls von der absoluten Notwendigkeit eines Aufstieges überzeugt: „So etwas wie das 19:1 gegen Bad Liebenzell, das ist doch deprimierend, da tun mir die Gegner leid und auch irgendwie die Fans. Es wird Zeit, dass es spannender wird.“

Wenig spannend ist derzeit auch die Frage nach der wirtschaftlichen und sportlichen Solidität, da die Antwort im Gegensatz zur turbulenten Vergangenheit klar positiv ausfällt. Die erste Mannschaft besteht laut Vorstand „ausschließlich aus Spielern, die in Freiburg das Eishockeyspielen gelernt haben“. Die A-Junioren, die für den Aktiven-Betrieb den so wichtigen Unterbau bilden, stehen in der Endrunde der letzten vier um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Nicht wenige der Junioren haben in diesem Jahr auch schon die kalte Luft auf dem Eis bei den Männern geschnuppert. Zudem ist die finanzielle Situation auch aufgrund des für Viertliga-Verhältnisse überdurchschnittlich hohen Zuschauerschnitts sehr solide, wie Philippi erklärt: „Der EHC ist schuldenfrei in die Saison gegangen und konnte auch dank der Zuschauer sogar kleine Rücklagen für das kommende Jahr bilden.“


So weit, so gut. Wäre da außer der unwahrscheinlichen Möglichkeit eines Playoff-Versagens nicht noch die unausweichliche Diskussion um die Franz-Siegel-Halle. Für die läuft noch bis 2015 die Gnadenfrist, dann darf unter dem maroden Hallendach aus Sicherheitsgründen keine Kufe mehr aufs Eis gesetzt werden. Damit der EHC danach nicht ohne Spielstätte dasteht, muss nach aktuellem Stand entweder für bis zu 13 Millionen Euro saniert oder für bis zu 15 Millionen neu gebaut werden.

Den EHC-Verantwortlichen wäre es zunächst einmal egal, welche Variante infrage kommt, wichtig ist nur, dass überhaupt etwas passiert, wie Philippi erklärt: „Es geht hier um eine neue Spielstätte oder das Ende des Eissports in Freiburg.“ Dabei sind die Ansprüche der EHCler klar umrissen. „Wir wollen keinen Superdome, sondern eine Arena, die unseren Ansprüchen genügt, also energieeffizient arbeitet und eine zweite Eisfläche bietet.“ Schon jetzt müsse man sowohl im Breiten- als auch im Profibereich zu viele Kompromisse eingehen. Dem pflichtet auch der Trainer bei: „Wenn man sieht, wie viele eigene Nachwuchsspieler hier spielen und wenn man diesen Weg weiterverfolgen will, braucht man die zweite Fläche.“ Dieser Weg, man hat ihn inzwischen auch im Rathaus erkannt und zu schätzen gelernt. Sportbürgermeister Otto Neideck will in den kommenden Monaten mit dem Thema Standortsuche für eine Eishalle in die Öffentlichkeit gehen: „Wir wollen nicht verkennen, welch großartige Leistung hier vom Verein geboten wird, und es geht schließlich auch um den Breitensport.“

Jetzt steht für die EHC-Männer aber erst einmal die erste Playoff-Runde an. Und die darf unter keinen Umständen verloren gehen, das wäre der Genickschuss. „Wir werden weder noch einmal so eine Mannschaft aufstellen können, noch würden in naher Zukunft wieder so viele Fans kommen“, sagt Trainer Salmik, wohl wissend, wie dünn das Eis ist, auf dem die Träume vom Profi-Eishockey in Freiburg ruhen.



Text: Felix Holm / Fotos: fho, ns