Zwei Jahre lang haben sie zusammen in einer Freiburger WG verbracht und noch immer trainieren sie gemeinsam am hiesigen Olympiastützpunkt: Die beiden Nordischen Kombinierer Fabian Rießle (22 Jahre) und Manuel Faißt (20) sind nach Ansicht von Stützpunkt-Leiter Hans-Ulrich Wiedmann „die jungen Wilden im deutschen Skisport“. Zum Zeitpunkt des Interviews mit chilli-Redakteur Felix Holm weilten beide im Trainingslager des Deutschen Skiverbandes im norwegischen Susjoen. Dort bereiten sie sich auf die morgen startende Weltcup-Saison vor, bei der beide vor allem ein Ziel haben: das Ticket nach Sotschi lösen.

 

chilli: Wie schätzen Sie die Chancen des jeweils anderen ein, bei Olympia dabei zu sein?

 

Rießle: Das deutsche Team ist natürlich richtig stark. In Anbetracht dessen, dass es nur fünf Plätze für Olympia gibt, wird das ein harter Kampf. Aber ich traue es ihm durchaus zu, das zu schaffen.

 

Faißt: Der Fabian war in den vergangenen Jahren auch aufgrund seines Altersvorsprungs im Laufen ein wenig besser als ich, meine Stärken liegen mehr im Springen. Wie das diese Saison läuft, wird sich in den ersten Wettkämpfen zeigen. Toll wäre es selbstverständlich, wenn wir es beide nach Sotschi schaffen würden.

 

 

Manuel Faißt

Medaille in Sicht? Kombinierer Manuel Faißt gilt als deutscher Hoffnungsträger. Bei den Deutschen Meisterschaften holte er Bronze im Einzel und zusammen mit seinem Ex-WG-Kollegen …

 

 

chilli: Und wenn, was dann?

 

Faißt: Wenn man tatsächlich dabei ist, möchte man selbstverständlich auch ins Team kommen. Und im Teamwettbewerb ist eigentlich immer eine Medaille möglich. Im Einzel wird es für uns wahrscheinlich noch etwas schwerer.

 

 

chilli: Sie machen als Sportsoldaten auch regelmäßig Schießübungen. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, zum Biathlon zu wechseln – allein schon, weil diese Sportart deutlich präsenter in den Medien ist?

 

Rießle: (beide lachen) Das Schießen bei der Bundeswehr ist ja doch noch mal ein wenig anders als beim Biathlon. Ich könnte es mir nicht vorstellen, dahin zu wechseln.

 

Faißt: Ich liebe die Nordische Kombination und den Mix aus Schnellkraft und Ausdauer. Die Biathleten trainieren ja ganz anders als wir, unser Fokus liegt viel mehr auf Schnellkraft und Kraft, weil wir das fürs Springen brauchen, die trainieren eher wie Langläufer. Wenn ich da jetzt Spezialist wäre, könnte man über einen Wechsel eher nachdenken. So kommt das aber eh nicht in Frage.

 

 

chilli: In Freiburg haben Sie zusammen in einer WG gelebt – was haben Sie aus der Zeit mitgenommen?

 

Faißt: Man ist den ganzen Tag zusammen, ständig im Austausch und kann sich beraten – das war sicher nicht schlecht.

 

Rießle: Ja, sehe ich auch so. Wir haben uns gegenseitig gepusht. Und als WG-Kollege hab‘ ich den Manuel auch gern gehabt. Das war halt eine typische Männer-WG, wo es manchmal auch ein wenig drunter und drüber ging.

 

Fabian Rießle

… Fabian Rießle reichte es im Zweier-Teamsprint gar zu Gold. Rießle ist in der Solowertung übrigens Deutscher Vizemeister.

 

 

chilli: Herr Faißt, Ihre Schwester Melanie hat als Skispringerin auch gute Chancen, sich für Olympia zu qualifizieren. Gibt es da einen familien-internen Wettstreit?

 

Faißt: Eher im Gegenteil. Was könnte es Schöneres geben, als wenn wir beide zu den Olympischen Spielen fahren würden. Es ist außerdem eher selten, dass wir beide zeitgleich zu Hause sind. Klar, wir sehen uns ab und zu unterwegs – dann merkt man das natürlich schon, wenn der eine besser war als der andere. Aber wetteifern tun wir nicht.

 

 

chilli: Apropos: Was nervt Sie mehr: Wenn Sie auf eine mögliche Olympiateilnahme angesprochen werden oder wenn man Sie nach den Playboy-Fotos Ihrer Schwester fragt?

 

Faißt: (lacht) Das nervt mich eigentlich beides nicht. Olympia ist der Traum von jedem Sportler. Und mit den Fotos habe ich auch kein Problem. Im Gegenteil: Ich habe ihr auch von Anfang an dazu geraten. Wenn man schon mal die Chance bekommt. Die fragen ja auch nicht jeden – auch so etwas muss man erst einmal erreichen.

 

 

chilli: Und Sie Herr Rießle, welches der beiden Themen würden Sie lieber kommentieren?

 

Rießle: (lacht ebenfalls) Ich sage dazu lieber nichts.

 

 

chilli: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg auf dem Weg nach Sotschi.

 

 

 

Text: Felix Holm/ Bilder: dpa, istockphoto.com, Uwe Ditz, Wiedmann/OSP