Der Freiburger VW- und Audi-Händler Baden Auto, der im vergangenen Jahr mit 200 Beschäftigten 70 Millionen Euro umgesetzt hatte, ist vorläufig insolvent. Betroffen waren zunächst die Automobilvertrieb Baden Holding GmbH sowie deren Komplementärin, die Automobilvertrieb Baden Verwaltungs-GmbH, sowie die Töchter Baden-Auto GmbH (VW und Audi) und Baden-Auto Vertriebs- und Service GmbH (Opel-Service). Diese vier will der Freiburger Insolvenzverwalter Thomas Kaiser retten.

Turbulente Zeiten: Die Zukunft der Baden-Auto-Gruppe ist derzeit völlig offen. Ab Juni müssen die Löhne wieder selbst gezahlt werden – wenn bis dahin kein Investor gefunden ist, wird es sehr schnell sehr eng werden.

 

Noch bis Ende Mai erhalten sie Insolvenzgeld – die Arbeitsagentur zahlt die Löhne. Wenn aber bis zum 1. Juni kein Investor gefunden ist, wird es eng: Denn dann müssen die Löhne wieder aus eigener Kraft gestemmt werden. Das gilt für ein weiteres Opfer des aus der Kurve geflogenen Traditionsunternehmens nicht mehr: Beim VW-Service- betrieb Kannenberg Automobile in Landwasser ist schon Ende Mai die Luft raus. Die Baden-Auto-Chefetage um Renate und Peter Szanto kommentiert die Vorgänge nicht. Insider berichten dem Wirtschaftsmagazin business im Breisgau von einer »ausgeprägten Betriebsrats- und Gewerkschaftskultur« bei Baden Auto. Das allein wird als Grund nicht ausreichen. Was mit den prominent gelegenen Grundstücken passiert, ist derzeit offen.

 

Am Stammsitz an der Basler Straße ist von der Insolvenz wenig zu sehen. Der Hof steht voller Neuer und Gebrauchter, ein paar Kunden schlendern hin und her, die Baden-Auto-Fahnen flattern im Wind, ein paar Meter weiter westlich wird am neuen, millionenschweren Freiburger Porsche-Zentrum gewerkelt – das im Prinzip derselbe Eigentümer baut. Aber die Porsche-Zentren in Freiburg und Lörrach sind von der Insolvenz der Automobilvertrieb Baden Holding nicht betroffen. Zu dieser Holding gehören in der verschachtelten Konzernstruktur die operativen Firmen Baden-Auto, Kannenberg Automobile und Fahrzeugvertrieb (Skoda, Suzuki). Nicht aber etwa die raumgreifenden Grundstücke an der Lörracher und der Basler Straße. Denn die wiederum gehören der Baden-Auto Holding, einer Dachgesellschaft der Firmengruppe, die Renate Szanto gehört. Deren Vermögen indes bleibt unangetastet.

 

Insolvente Autohäuser sind in diesen Zeiten keine Mangelware: Ob in Fulda oder Duisburg, in Wunstorf oder Stadthagen, in Meiningen oder Lübbecke, in Hildesheim oder Löbau – die Liste der unlängst in die Insolvenz gegangenen Händler ist lang. Der Druck der Hersteller auf die Händler, neue Autohäuser zu bauen und neue Aufgaben zu übernehmen, drückt kräftig auf die Margen – vor allem im Massensegment. Kurz nachdem die BZ erstmals über die Insolvenz von Baden Auto berichtet hatte, stellte dann die Offenburger Firma Auto-Bayer (Renault, Dacia), die 80 Beschäftigte und auch ein Haus in Freiburg hat, Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Bayer, der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 26 Millionen Euro, hatte 2009 wiederum den insolventen Freiburger Renault-Händler Riekert übernommen. Es ist mächtig was los in der Branche.

Unbeirrt im Bau: Das Porsche-Zentrum ist von der Insolvenz nicht betroffen.

 

Bei der Baden-Auto-Gruppe sind 200 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bangen um ihre Jobs. Audi hat nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags die Lieferverträge für neue Autos gekündigt und liefert auch keine Ersatzteile mehr. Es geht das Gerücht um, dass die Firma einfach abgewickelt werden soll, um die begehrten Grundstücke – in für Verkäufer sehr guten Zeiten – gewinnbringend am Markt zu platzieren. Nach Angaben von Kaiser ist das aber nicht der Plan der Eigentümer. Er habe die Zusage, dass ein Investor mindestens zehn Jahre lang vis-à-vis der BZ weiter Autos verkaufen und reparieren dürfe. Dass die Grundstücke aber einer anderen Holding mit anderen Interessen gehören, macht eine Lösung des Problems nicht leichter. Dennoch gibt es Interessenten: Nach BZ-Recherchen etwa den Autohändler BHG in Horb, der auch einen Sitz in Kehl hat.

 

Ein anderes Gerücht handelt von einem russischen Investor oder wahlweise auch davon, dass Klaus Mangold, einst im Daimler-Vorstand, Baden-Auto kaufen wolle. Die Verhandlungen seien gleichsam in letzter Sekunde gescheitert.

 

Kannenberg indes braucht wohl keinen Investor mehr: Wenn kein Wunder passiert, wird die vorläufige Insolvenzverwalterin Ann Krüger Ende Mai den Schlüssel umdrehen. Nachdem hier VW den Servicevertrag gekündigt hatte, brach der Umsatz ein. Die Familie Szanto hatte hier bis zum Redaktionsschluss keinen neuen Pachtvertrag in Aussicht gestellt.

 

Bessere Chancen hat aktuell die Fahrzeugvertrieb GmbH: Auch am Skoda- und Suzuki-Händler, derzeit vertreten durch die vorläufige Insolvenzverwalterin Angelika Geil, ist offenbar die BHG interessiert. Ein offenes Geheimnis ist, dass wohl nicht alle 20 Mitarbeiter ihre Jobs nach einer eventuellen Übernahme behalten könnten.

 

Ob es zu einer großen Lösung mit dem Kauf der ganzen Baden-Auto-Gruppe und den ebenfalls zum Verkauf stehenden Mercedes-Benz-Niederlassungen in Freiburg und Bad Säckingen kommt, ist bisher reine Spekulation. Mercedes hat keinerlei Zahlungsprobleme: Der Verkauf ist eine Entscheidung des Daimler-Managements in Stuttgart, das bundesweit 63 der 158 konzerneigenen Autohäuser und Werkstätten verkaufen und in die dann noch 95 eigenen 500 Millionen Euro investieren will. Für die 300 Mitarbeiter in Freiburg und Bad Säckingen gibt es nach Recherchen der BZ eine Arbeitsplatzgarantie bis 2023. Kein Gerücht ist indes, dass Bernhard Schmolck Interesse hat. Schmolck betreibt neben dem Mercedes-Zentrum in Emmendingen schon zwei weitere Autohäuser in Müllheim und Bischoffingen.

 

Text & Fotos: Lars Bargmann