Großer Auftrieb: Die Badenova-Chefetage mit den Vorständen Thorsten Radensleben und Maik Wassmer, Sparkassenchef Marcel Thimm und Abteilungsleiter Ingmar Roth, Windpionier Andreas Markowsky, die baden-württembergische BUND-Vorsitzende Brigitte Dahlbender und der Ex-Sparkassen- und neue Genossenschaftsvorstand (sic!) Horst Kary präsentierten unlängst eine neue Offensive für die Energiewende: Für bis zu 300 Millionen Euro will die neue BadenovaWIND GmbH & Co. KG mit Beteiligung der Genossenschaft Windbündnis bis zu 80 Anlagen mit einem jährlichen Ertrag von rund 500 Millionen Kilowattstunden (Strom für 140.000 Dreipersonenhaushalte) im Südwesten bauen. Aus der Genossenschaftsszene gibt es Gegenwind.


Ja, blas mir doch in den Schuh, mochte sich Wassmer, der Initiator des wegen der BUND-Beteiligung bundesweiten Pioniermodells, gedacht haben.Nachhaltigkeit, Bürgerbeteiligung, regionale Wertschöpfung und sichere Rendite – all das hatte er zusammengeführt. Radensleben nannte das Konzept „sensationell“. Und das einzige, was seit jenem 13. Dezember passiert ist, ist das Lautwerden von Kritik des Genossenschaftsexperten Burkhard Flieger und des Vereins Fesa.

Das Modell: Wer Wind machen will, braucht – gerade im Schwachwindländle – geeignete Standorte. Wassmer glaubt, dass das innovative Konzept bei deren Vergabe im Wettbewerb überzeugt, „weil es ein nachhaltiges Angebot für Region und Bürger ist.“ Die Anlagen werden mit dem Knowhow der Ökostromgruppe von Markowsky gebaut. Mit mindestens 25, höchstens 34 Prozent kann sich das Windbündnis unter Karys Vorstandsvorsitz und Dahlbenders Aufsichtsratsvorsitz beteiligen. Anleger können zwischen 250 und 3000 Euro investieren. „Wir wollen die kleinen Leute mit auf den Weg nehmen“, sagt Kary. Es gibt garantiert 3,5 Prozent Rendite, in einem normalen Windjahr können es fünf, in einem guten auch sechs sein, sagte Markowsky. Auch die Rathäuser an den Standorten können investieren. Die Finanzierung übernimmt die Sparkasse. Thimm: „Mit diesem Modell garantieren wir eine optimale regionale Wertschöpfung.“

Die Nachhaltigkeit: Ein mit dem BUND erarbeitetes Konzept soll im März verabschiedet werden. „Unser zentrales Ziel ist der naturverträgliche, nachhaltige Ausbau der Erneuerbaren Energien. Mit dieser Kooperation wollen wir zeigen, dass die Windkraft naturverträglich und zum Nutzen der Bürger ausgebaut werden kann“, so Dahlbender. Zudem legen Badenova und Sparkassen (mit je 25.000 Euro) einen Natur- und Artenschutzfonds auf, der sich nach einer Anlaufphase aus den Erträgen der Anlagen speisen soll. Aus diesem Fonds werden Projekte gefördert, die die Windkraft in Einklang mit Umwelt- und Naturschutz bringen. Welche das sind, entscheidet die Genossenschaft.

Gruppenbild mit Dame: BUND-Chefin Brigitte Dahlbender will beim Ausbau auch Naturschutz.


Die Kritik: Alles super? Nein. Im Gespräch mit der BZ kritisierte Flieger, der mit seiner Innova seit Jahren Genossenschaftsgründungen begleitet, diese Art der Genossenschaft sei eine „Pseudobeteiligung“, die als „reines Finanzierungsinstrument“ diene. Das als Genossenschaft zu verkaufen, sei „beinah schon Missbrauch“. Vielmehr müssten die Genossen Träger und Betreiber der Anlagen sein. Der Verein Fesa meldete, dass die Rechtsform der Genossenschaft „falsch eingesetzt“ wäre, um neben der rein finanziellen Beteiligung „Hoffnungen auf Transparenz und Mitbestimmung zu wecken“.

Eine rein auf finanzielle Beteiligung ausgerichtete Genossenschaft widerspreche dem Genossenschaftsgesetz, feste Renditeversprechungen seien unzulässig, da allein die Genossen beschließen müssten, ob und in welcher Höhe Gewinne ausgeschüttet würden. Und schließlich würde der notwendige demokratische Prozess „ausgehebelt“, wenn die Posten im Vorstand und Aufsichtsrat schon vergeben sind. „Wir geben das Geld der Genossenschaft, was die damit macht, ist deren Sache“, entgegnet Wassmer. Der Partizipation seien Tür und Tor geöffnet, die Posten nach einer gewissen Zeit demokratisch gewählt, zudem werde es Bürgerinformationen geben: „Die Energiewende klappt nur, wenn sie wirtschaftlich ist. Und die Genossenschaftsidee ist dabei vom linken Spektrum längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Text: Lars Bargmann / Fotos: Christoph Gremm, Badenova