Seit gut einem Jahr ist Oliver Heintz als Geschäftsleiter des Keidel-Bads und der Regio Bäder GmbH (RBG) der neue Bäderchef von Freiburg. Im Gespräch mit den chilli-Redakteuren Lars Bargmann und Tanja Bruckert erzählt der 47-Jährige, wie sich das Keidelbad im Wettbewerb behaupten soll, was er von einem Freibad im Westbad hält und die große Wirkung von Kleinigkeiten.

Außenbereich des Eugen-Keidelbad

 

chilli: Sie waren für spektakuläre, bis zu 100 Millionen Schweizer Franken schwere Projekte zuständig, warum sind Sie ins vergleichsweise kleine Freiburg gekommen?
Heintz: Das waren wirklich super Jobs, aber ich wollte wieder nach Freiburg, weil meine Frau hier ist, unsere Tochter, viele Freunde. Und in der Schweiz bleibst du einfach ein Ausländer.

 

chilli: Welche Ziele haben Sie mit Freiburgs Bädern?
Heintz: Mein Ziel ist die strategische Neuausrichtung auf der einen und die Weiterentwicklung des Bestehenden auf der anderen Seite. Wir machen eine strategische Marketingplanung, Events, Veranstaltungen, ich mache die betriebswirtschaftliche Steuerung, das Qualitätsmanagement …

 

chilli: Eine konkrete Besucherzahl im Keidel, sagen wir 2017, ist kein Ziel?
Heintz: Ich muss nicht eine Million Besucher haben, wenn ich mit denen Verlust einfahre. Wir müssen Gewinne erwirtschaften. Und dafür müssen wir erst einmal unsere Gäste weiter für uns begeistern. Wir haben im Einzugsgebiet von 30 Minuten vier Thermalbäder. Die Menschen gehen dahin, wo was passiert.

Bäderchef Oliver Heintz

 

chilli: Was passiert im Keidel?
Heintz: Das Thermalbad muss sich zu einer Freizeiteinrichtung entwickeln, in der viele Zielgruppen Spaß haben können, in der man was erleben kann. Ich möchte einen Platz schaffen, wo die Leute hinkommen, wo sie sich mit Freunden verabreden. Wo du nicht nur im Wasser bist, sondern auch Spaß hast. Wo du Gesundheit erfährst als Kernkompetenz, aber auch Genuss findest. So wie man sich früher am Dorfbrunnen getroffen hat, wie man heute gemeinsam ins Restaurant oder ins Kino geht, muss man auch gemeinsam in Keidel kommen können und sich hier wohlfühlen. Es muss Konzerte geben, wir müssen die wunderbare Natur rund ums Keidel noch mehr einbinden. Das Keidelbad muss bei den Menschen für Gesundheit, Genuss und Lebenslust stehen.

 

chilli: Mit Bad Bellingen, Badenweiler und Bad Krozingen gibt es drei erfolgreiche Konkurrenten …
Heintz: Mittelfristig wollen wir die Nummer eins werden.

 

chilli: Bei den Besucherzahlen dürfte Bad Krozingen mit rund einer halben Million vorne liegen …
Heintz: Noch. Wir sind bei 470.000, also nicht weit weg.

 

chilli: Liegen in Frankreich und der Schweiz noch Potenziale?
Heintz: 35 Prozent unserer Gäste kommen jetzt schon aus Frankreich und 5 Prozent aus der Schweiz. Ich glaube dass vor allem der Anteil der Franzosen noch wachsen kann, deswegen werden wir auch verstärkt dort in den Markt gehen.

 

chilli: Ins Keidel sind schon in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro gesteckt worden.
Heintz: Das war auch nötig. Wir haben in die Hardware investiert, jetzt aber muss auch die Software kommen.

 

chilli: Es sieht so aus, als ob derzeit viel in ein jüngeres Publikum investiert wird.
Heintz: Wir haben viele Zielgruppen, aber ja, im Keidel wollen wir ganz klar auch die Jüngeren ansprechen. Bei der Fitness-Night neulich hatten wir sehr viele 20-Jährige. Es kommt eben auf die Angebote an.

 

chilli: Zahlt der 20-Jährige knapp 20 Euro, damit er im Keidel entspannen, saunen und erleben kann?
Heintz: Ich sage ja. Wir sind mittlerweile Trend geworden. Tagsüber haben wir viele Patienten und ältere Gäste, gegen Abend haben wir eine erhebliche Verjüngung. Wir haben ganze Gruppen, die Mitte zwanzig sind und sich das mittlerweile gönnen.

 

chilli: Gehen die 20-Jährigen nicht eher ins Badeparadies nach Titisee?
Heintz: Dahin geht man, wenn man Action haben will. Bei uns gibt es Genuss und Lebenslust. Und bei uns gibt es die Heilwirkung des Mineralthermalwassers. Heute sind ja auch die jungen Leute gestresst und müssen mal abtauchen.

 

chilli: Die Freibäder erlebten angesichts dieses „Sommers“ einen rekordverdächtigen Besucherschwund um mehr als 100.000 auf knapp 331.000. Hat das Keidel profitiert?
Heintz: Eindeutig. Auch das Haslacher Hallenbad. Wir haben davon unabhängig im Keidelbad auch im Sommer spezielle Angebote geschaffen. Und viele wichtige Kleinigkeiten gemacht, die aber sehr wichtig sind. Wir haben etwa neue Liegen gekauft, weil die alten so schwer waren, dass man die kaum bewegen konnte. Und wenn du aufstehst, hast du auch kein Muster mehr auf dem Rücken. Wir haben eine Boule-Anlage gebaut, weil unsere Gäste ja nicht den ganzen Tag nur im Wasser sind – und weil wir viele Franzosen haben. Da kamen dann ganze Gruppen an, die sich sinnbildlich die Kugel gegeben haben. Was hat das für eine Konsequenz? Irgendwann kriegen die mal Hunger und Durst. Wie gesagt, es geht darum, den Menschen Erlebnisse zu ermöglichen.

 

chilli: Mit den Frei- und Hallenbädern hat die RBG 2013 rund 150.000 Euro erwirtschaftet, da ist kein so großer Spielraum.
Heintz: Bei denen machen wir ja auch nur das Management für die Stadtwerke. Hier können wir nur kleinere Sprünge machen.

 

chilli: Wie die Minigolfanlage im Strandbad oder das geplante Beachvolleyballfeld im Haslacher Bad?
Heintz: Ja, die Golfanlage ist sehr cool geworden. Damit, wie auch mit den neuen Aquacyclingangeboten oder Aquazumba, wollen wir ständig neues Publikum in die Bäder holen. Es geht ums Gesamtpaket: Ich kann baden, schwimmen, eine Runde Erlebnisminigolf spielen und hinterher was essen. Wir sind wieder am Punkt: Gemeinsam etwas Schönes erleben.

 

chilli: Ein Dauerthema in Freiburg ist das seit Jahren geschlossene Freibad im Westbad.
Heintz: Das wäre sicher eine Bereicherung, aber das kostet viel Geld. Das muss die Stadt entscheiden. Wir nicht.

 

chilli: Was macht Oliver Heintz, wenn er sich nicht um die Bäder kümmert?
Heintz: Dann geht er tauchen, biken, macht Dinge mit der Familie. Am Wochenende nehmen wir ein Zelt, gehen auf den Campingplatz. Einfach draußen sein und genießen.

 

Zur Person: Oliver Heintz
Der gelernte Sportphysiotherapeut, Sport- und Tourismusmanager und Europaökonom wurde im Mai 1967 in Neustadt/Weinstraße geboren. Er betreute von 1990 bis 2001 deutsche National- und die Atlanta-Olympiamannschaft (Rad, Rudern, Ski Nordisch), war von 1992 bis 1999 Abteilungsleiter Therapie und Sauna im Keidel, von 1999 bis 2001 Betriebsleiter der Cassiopeia-Therme in Badenweiler und arbeitete dann bis 2007 als Geschäftsführer, Kur- und Tourismusdirektor für die Balinea Thermen und die Bade- und Kurverwaltung GmbH in Bad Bellingen.
In Bern konzipierte er die exlusivste Freizeitanlage der Schweiz und führte bis 2010 die Geschäfte am Bern-aqua. Mit der aquabaselia eröffnete er dann die vielfältigste Wasserwelt der Schweiz. Und schließlich arbeitete er als Projektleiter für Andermatt Swiss Alps, eines der größten Tourismusprojekte Europas.