Die Baugenossenschaft Bauverein Breisgau hat ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 5,6 auf 37 Millionen Euro gesteigert. 30,5 Millionen Euro kamen aus der Vermietung von 4814 eigenen Wohnungen. Der Gewinn ließ dabei leicht um 200.000 auf 3,7 Millionen nach. Aus diesem schüttet der BVB eine vierprozentige Dividende in Höhe von 793.400 Euro an die Mitglieder aus. Deren Zahl lag Ende 2014 mit 19.082 (2013: 18.201) erneut auf Rekordniveau.

 

Die Führungsspitze um Doris Reiprich und Reinhard Disch hätte also allen Grund zum Lächeln. Doch nach dem eigenartigen Beschluss des Freiburger Gemeinderats, künftig bei nahezu jedem Bauvorhaben 50 Prozent sozialen Mietwohnungsbau vorzuschreiben, überwiegt die sorgenvolle Mimik: „Wir bauen im Uni-Carré von 140 Mietwohnungen 45 geförderte. Wenn wir 70 hätten bauen müssen, hätte das die Kalkulation über Bord geworfen“, sagt Disch. Die Finanzierungsgrundlagen vieler Bauvorhaben seien durch den Beschluss infrage gestellt. Disch sprach sogar von einem „massiven Eingriff in Eigentumsrechte“.

Bauvorhaben Carl-Sieder-Weg: Im Mooswald ist der Bauverein derzeit dabei, 34 Mietwohnungen und fünf Eigentumswohnungen zu bauen. Ganz ohne verordnete Sozialquote.

 

Die Investitionen in neue Wohnungen würden zurückgehen. Wenn jede zweite Wohnung im sozialen Mietwohnungsbau erstellt werden müsse, sei das ohne zusätzliche Zuschüsse aus dem Rathaus nicht möglich. Von den 1800 Menschen auf der BVB-Wohnungswarteliste hätte übrigens nur ein Viertel überhaupt die Berechtigung, in einer Sozialwohnung zu wohnen. Schließlich sei der Beschluss auch „sozial unausgewogen“, weil er die mittleren Einkommen völlig vergesse.

 

Der Bauverein, bei dem die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter mit 5,93 deutlich unter dem Mietspiegel (7,75) liegt, will bis 2019 für rund 150 Millionen Euro rund 550 weitere Wohnungen bauen: in Freiburg auf dem Uni-Carré, am Carl-Sieder-Weg, vor allem aber im Umland (Denzlingen, Kirchzarten, March, Emmendingen, Stegen, Bad Krozingen, Gundelfingen, Schallstadt). Nach dem Gemeinderatsbeschluss wird das Wirken der größten Freiburger Baugenossenschaft nun noch mehr aufs Umland ausgerichtet sein. Ein leichtes Kopfschütteln konnte die BVB-Kommandobrücke kaum unterdrücken.

 

Text: Lars Bargmann & Foto: © BVB