Es ist eine kerngesunde Bilanz, die die Geschäftsführer des Bauvereins Breisgau (BVB), Reinhard Disch und Doris Reiprich, unlängst vor Journalisten präsentierten. Das Bilanzvermögen wuchs um 6 auf 232 Millionen Euro, das Anlagevermögen um 5 auf 188, das Eigenkapital um knapp 5 auf 78,9 Millionen Euro. Unterm Strich blieb ein Überschuss von 3,9 Millionen Euro, 732.6000 Euro werden als vierprozentige Dividende an die Mitglieder ausgeschüttet, der Rest wandert in die Reserven.

 

Der Sommerhof in Denzlingen: Eines der zahlreichen Projekte des Bauvereins. Foto: BVB

Der Sommerhof in Denzlingen: Eines der zahlreichen Projekte des Bauvereins. Foto: BVB

 

Weil der vor 115 Jahren gegründete BVB heute so gesund ist, konnte er die Investitionen in den Bau neuer bezahlbarer Mietwohnungen (im Sommerhof in Denzlingen, in der Bechererstraße in Emmendingen, in Stegen, Ehrenkirchen oder auch Am Keltenbuck in Kirchzarten) um sechs auf mehr als zehn Millionen Euro fast verdoppeln. Zusammen mit der Bauträgertätigkeit und der Modernisierung der 4900 eigenen Wohnungen waren es 19,5 Millionen, die 2013 aus der gut gefüllten Genossenschaftskasse bezahlt wurden. Bis 2017 will die Genossenschaft weitere 70 Millionen Euro in den Neubau und die Modernisierung stecken.

 

Aktuell im Bau sind 140 Miet- und Eigentumswohnungen, für 175 weitere läuft die Bauvorbereitung: dazu zählen in Freiburg die Projekte im Uni Carré (140 Wohnungen) und am Carl-Sieder-Weg (34 und fünf Einfamilienhäuser). Zudem bauen die Genossen etwa in Gundelfingen (9 Mietwohnungen und 2300 Quadratmeter bei der Erweiterung der Ortsmitte) und in Umkirch, wo 29 Einheiten zur Miete erstellt werden. „70 Millionen Euro sind ein großer wohnungswirtschaftlicher Beitrag“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Seemann, „den wir in Freiburg und der Region angesichts des angespannten Wohnungsmarktes für unsere Mitglieder leisten und auch zukünftig leisten wollen.“

 

Diese Mitglieder haben mit ihren Mieten in Höhe von 30,1 Millionen Euro (plus eine zum Vorjahr) den Löwenanteil zum Umsatz beigesteuert. Die Zahl der Genossen wuchs um 814 auf 18.201, darunter sind mit 1842 so viele wie noch als aktuell wohnungssuchend gemeldet. Bemerkenswert: 80 Prozent davon sind Ein- oder Zweipersonenhaushalte. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt beim BVB derzeit bei 5,80 Euro pro Quadratmeter – im Neubau bei 6,55 Euro – und damit deutlich unter dem Freiburger Mietspiegel (7,53 Euro).

 

Mit großem Bedauern musste Disch erklären, dass der BVB derweil bei der städtischen Vergabe der Grundstücke im Neubaugebiet Gutleutmatten „bisher“ nicht zum Zug gekommen ist. Im Stadtteil Haslach werden in den nächsten Jahren mehr als 500 neue Wohnungen gebaut. Der Bauverein hatte sich mit einem Generationen-Konzept beworben, das deswegen nicht zum Zug kam, weil die Genossen sich nicht länger als 25 Jahre auf eine Mietpreisbindung der öffentlich geförderten Wohnungen einlassen wollten. Wie andere Bewerber, die nicht auf eine 115-jährige Erfahrung im Wohnungsbau zurückblicken können, das wirtschaftlich darstellen können, muss dem Laien schleierhaft bleiben. Womöglich ist die Frage, wer das in 25 Jahren noch kontrolliert. Vielleicht, so hofft Disch, punktet der BVB noch bei der Vergabe für ein Punkthaus entlang der Eschholzstraße.

 

Text: Lars Bargmann