Erst die Pleite, dann der Skandal – die Passage 46 hat in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Nachdem das Theater Freiburg finanziell mit einem blauen Auge davongekommen war, ist der Betrieb in der Bar mit einer ersten großen Party wieder angelaufen. Veranstalter war Jan Ehret – vorerst neuer kreativer Kopf der Passage. Eine Club-Lizenz für regelmäßige Partys aber fehlt immer noch.

 

Dunkle Bässe und glasklare Elektro-Klänge bringen die Tanzmeute in Wallungen. Dynamisch bewegt sich das Party-Publikum über die Tanzfläche. An jenem Samstagabend im Februar öffnet die Passage 46 nach längerer Party-Abstinenz erstmals wieder ihre Pforten. Der Andrang ist groß. Jan Ehret, Partymacher und ehemaliger Schmitz-Katze-Betreiber, legt auf und zieht ein breit gefächertes Publikum an.

 

Jan Ehret ist neuer kreativer Kopf der Passage. Ende Februar hat er zu seiner ersten Party geladen.

Jan Ehret ist neuer kreativer Kopf der Passage. Ende Februar hat er zu seiner ersten Party geladen.

 

Grund für das Zusammentreffen unterm Theaterdach ist nicht nur seine Musik, sondern auch Ehrets künstlerische und multimediale Auseinandersetzung mit dem Verlust seines besten Freundes Oliver Rath. In der gesamten Party-Location sind Kunstwerke des Berliner Star-Fotografen mit Freiburger Wurzeln ausgestellt. Der Intendantin Barbara Mundel sei es „wichtig, dass die Veranstaltungen in der Passage 46 im Kontext mit dem Spielplan stehen“, erklärt Theater-Sprecherin Bettina Birk, „und Oliver Rath fotografierte das gesamte Junge Theater.“

 

Die Passage war in den vergangenen Monaten in die Kritik geraten: erst die Pleite der ehemaligen Pächter Henrik Springmann und Wulf Piazolo, dann der Skandal um den zusätzlichen Kredit von rund 145.000 Euro für den Umbau, den sich der Eigenbetrieb Theater Freiburg rechtswidrig an Gemeinderat und Rathausspitze über einen Pachtvorschuss besorgt hatte. Nun laufen wieder Veranstaltungen in Eigenregie. Trotzdem fehlt der Lokalität bis heute eine Club-Lizenz, denn ein Partybetrieb ist im ursprünglichen Bebauungsplan nicht vorgesehen. Baubürgermeister Martin Haag hat verlauten lassen, dass er eine Chance für die benötigte Änderung sieht. Nun sei das Theater mit der Stadt über eine Genehmigung im Gespräch. „Noch haben wir nichts beantragt“, sagt Birk.

 

Jan Ehret ist neuer kreativer Kopf der Passage. Ende Februar hat er zu seiner ersten Party geladen.

Jan Ehret ist neuer kreativer Kopf der Passage. Ende Februar hat er zu seiner ersten Party geladen.

 

Sitzt das Theater Freiburg die Situation aus, bis nach der Sommerpause der neue Intendant Peter Carp sein Amt antritt? Birk spricht von einer Übergangssituation und auch Ehret umschreibt die Planung von zukünftigen Events in der Passage nur vage: „Bis zum Sommer sind für diese Spielzeit noch einige kleinere Veranstaltungen geplant.“ Bis Ende Juli bestehe die Vereinbarung, dass Ehret Events in verschiedenen Spielstätten des Theaters leite.

 

Die frisch gegründete Interessengemeinschaft IG Subkultur befürwortet eine Club-Lizenz und kritisiert die generell restriktive Handhabung bei der Vergabe. „Sie gelten in Freiburg als der Heilige Gral“, beklagt Sprecher Nicolas Rogoll. Es sei aber die Voraussetzung dafür, dass ein Veranstaltungsort als sozialer und kultureller Treffpunkt fungieren könne.

 

Ohne eine Genehmigung darf nur einmal im Monat das Tanzbein geschwungen werden. So auch bei Ehrets Party. Um vier Uhr morgens ist dann Schicht im Schacht. In der Passage gehen die Deckenleuchten an. Ehret ist zufrieden mit seiner ersten Passage-Party. Wie es nach dieser Spielzeit weitergeht, lässt er offen. „Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Auskunft über eine weitere Zusammenarbeit mit dem neuen Intendanten Peter Carp geben.“ Und auch Tim Lucas, Carps Sprecher, schweigt sich aus. Bisher lässt sich keiner in die Karten schauen. Das Thema Passage 46 bleibt offen.

 

Text: Valérie Baumanns / Fotos: © Felix Groteloh