Café, Hocker, Comics, Suppe“ kündigt ein Schild vor dem „huber“, dem neuen Ladengeschäft mit Café in der Wentzingerstraße an. Das Konzept ist praktisch: Wem die Keramik-Kaffeetassen des Freiburger Kunsthandwerkers Markus Klausmann, in denen hier auch dampfender Kaffee serviert wird, gefallen, kann die hernach ebenso mitnehmen wie die hohen Holzhocker des Cafés, die Bilder an der Wand oder die Graphic Novels, in denen man hier stöbern kann.


Einigen wird sowohl das Laden-Café-Konzept als auch das ein oder andere Möbelstück bekannt vorkommen. Kein Wunder – noch vor einem Jahr konnte man sich im selben Raum bei einer Tasse Cappuccino mit Antipasti und Schnittblumen eindecken. „Amirs Café“ scheiterte jedoch am Baurechtsamt, das hier zwar einen Laden, aber kein Café erlaubte. Als dann im Juli vergangenen Jahres doch noch die offizielle Genehmigung kam, sei Amir mit seiner Kraft am Ende gewesen, meint Nachfolgerin Annette Huber.

Und so gibt es jetzt statt Antipasti belegte Brötchen, Kuchen, Quiches und Suppen – alles von Huber persönlich und in bester Bio-Qualität herstellt. „Ich will nicht versprechen, dass nicht auch mal eine Bio-Butter vom Discounter im Kuchen landet, aber generell verwende ich hochwertige Zutaten vom Markt, Demeter oder dem Bioladen nebenan“, erklärt die 45-Jährige. Umso erstaunlicher sind die Preise: Den Kaffee von einer kleinen Rösterei in München gibt es für zwei Euro, einen Cappuccino für 2,50, die Preise der Kuchen (2,60) und belegten Brötchen (3) entsprechen denen großer Bäckereiketten.


Noch ist das Laden-Café eine One-Woman-Show, in der Huber von Montag bis Samstag von 7 bis 18 Uhr auf der Bühne steht. Spätestens im Mai wird sich das jedoch ändern, wenn sie ihre kleine Bühne gegen weitaus größere tauscht und als Schauspielerin und Sängerin mit dem Theater Pan.Optikum auf Tournee geht. „Bis hier mal alles läuft, werde ich schon das meiste selbst machen, und auch während der Tournee bin ich nur übers Wochenende weg“, erläutert Huber.

Schauspiel, Gastro und Einzelhandel – wie passt das zusammen? „Seit ich zwölf Jahre alt bin, arbeite ich in der Gastronomie. Damals sind wir aufs Land gezogen und ich wollte Geld für Fahrten in die Stadt verdienen“, blickt Huber zurück. „Seitdem habe ich in Küchen, im Service, in Nachtclubs und Bars gearbeitet und mir so meine Schauspielausbildung finanziert. Und durch meine Einzelhandelslehre habe ich zudem die Liebe zum Verkauf entdeckt.“

Bei all den wechselnden Jobs war der eigene Betrieb ihr großer Wunsch: „Ich wollte einen festen Platz, an den ich nach der Tournee zurückkehren kann.“ Ein Wunsch, der sich jetzt zwischen Keramiktassen, Comics und Spinatquiche verwirklicht hat.


Text: Tanja Bruckert / Fotos: Felix Groteloh