Die Gesundheit ist im Südwesten der Jobmotor. Zwischen 2004 und 2011 stieg die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Sektor um 23 Prozent auf knapp 23.000. „Mit über 20 Prozent der Beschäftigten in der Gesundheitsbranche steht Freiburg bundesweit an der Spitze“, sagt Bernd Dallmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH (FWTM), die nicht zuletzt die beiden Clusterinitiativen BioValley (trinational) und HealthRegion (regional) auf den Weg gebracht hat. Es geht um mehrere hundert Millionen Euro und es geht auch ums Ankurbeln von mehr Gesundheitstourismus.

 

Allein die Freiburger Uniklinik will nach einem neuen Masterplan in den nächsten Jahren 400 Millionen Euro unter anderem in Neubauten für Krebsmedizin, Kinderheilkunde und Chirurgie investieren. Das RKK-Klinikum (Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser) hat rund 100 Millionen Euro für die Erweiterungen der verschiedenen Krankenhäuser budgetiert (allein in die Erweiterung des Josefskrankenhauses flossen knapp 62), und auch das evangelische Diakoniekrankenhaus investiert 18 Millionen in Bestand und Erweiterung.

Die Branche boomt und hat auch das nötige Kleingeld: Neben dem Biotech-Park in der Engesserstraße wächst ein von der FWTM gerne als „InnovationsCenter Freiburg-Nord“ bezeichnetes Areal heran, in das schon bald auch das SGS Institut Fresenius einziehen wird. Der Umkircher Medizintechnik-Hersteller KLS Martin plant derzeit einen Neubau am Freiburger Flugplatz, wo Oncotest, Cellgenix und Komtur Pharmaceuticals ebenfalls Erweiterungen planen. „Am Flugplatz entsteht ein neues Zentrum im Bereich Life Sciences für den Standort Freiburg“, berichtet Dallmann. Das Medizinische Versorgungszentrum Clotten hat an der Merzhauser Straße einen Neubau hingestellt, die Erich-Lexer-Klinik – die erste deutsche private Klinik für plastisch-ästhetische Chirurgie mit direkter Anbindung an ein Universitätsklinikum – floriert nicht nur, weil viel russische Kundschaft an der Breisacher Straße Hand an sich legen lässt. Zudem wird auch der Medizintechniker Stryker seine Freiburger Produktions- und Entwicklungsstätte erweitern. Und schließlich mischt die Stadttochter Freiburger Kommunalbauten munter mit und verpasste dem Keidel-Mineralthermalbad in den vergangenen Jahren für zehn Millionen Euro eine Frischzellenkur. Im Frühjahr gab es dann noch die Gründung des neuen Universitäts-Herzzentrums Freiburg/Bad Krozingen, die nicht nur regional zur Kenntnis genommen wurde und die durchaus Magnetwirkung für Patienten von außerhalb haben kann.

 

 

„Sensationelles Image“
Mit dem Zuwachs an Arbeitsplätzen soll auch der Gesundheitstourismus wachsen. Die Initiative „Health Region Freiburg“ will diesen vorantreiben und hat dafür bis 2014 knapp 200.000 Euro vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bekommen. Mitte Januar schickte die Initiative eine kleine Delegation auf die „Arab Health“ nach Dubai. Im März wird sie auf der MITT in Moskau für den südbadischen Gesundheitsstandort werben. Auch auf der Freiburger Gesundheitsmesse „Fit for Life“ (siehe Bericht über die cft-Freizeitmessen) wird die Health Region ein erstes Gastspiel haben. „Die Kombination aus Spitzenmedizin und gelebter Gesundheitskultur mit höchster Lebensqualität in der Region Freiburg ist ein Alleinstellungsmerkmal, das bundesweit seinesgleichen sucht“, sagt Rüdiger Wörnle, der stellvertretende Vorsitzende der Initiative. Mehr als 30 führende Einrichtungen aus der Gesundheitswirtschaft und dem Tourismus sind dem Verein bereits beigetreten. Der Leiter der Clusterinitiative Thilo Jakob: „Diese Region hat in Sachen Gesundheit ein sensationelles Image, auch weil die Menschen im Südwesten am ältesten in Deutschland werden.“

Text: Lars Bargmann / Fotos: Joergens.mi – wikipedia.com, Gerhard Eisenschink – STG