Neue Freiburger Stadtpläne werfen Fragen zu Stadtteilgrenzen auf

Zu welchem Stadtteil gehört die Beurbarung? Wer sich zwei neue Freiburger Stadtpläne genauer anschaut, wird stutzig. Im April veröffentlichte der Verein „Kinderstadt Freiburg“ die dritte Auflage seines Kinderstadtplans. Seit September gibt es den interkulturellen Freiburger Frauenstadtplan, der von der Freiburger Stadtverwaltung verantwortet wird. Beide Dokumente widmen sich auf einer Doppelseite der Gegend Brühl/Beurbarung (Kinder) beziehungsweise Brühl-Beurbarung (Frauen). Schon die unterschiedliche Schreibweise signalisiert Unstimmigkeit. Unzufrieden mit der Darstellung im Kinderstadtplan ist vor allem der Bürgerverein Brühl/Beurbarung: In einem kritischen Schreiben an die Kinderstadt wirft man dem Verein fehlerhafte Darstellung vor. Und man will im neuen Jahr bei der Stadt Freiburg Schritte einleiten, damit endlich zusammenwächst, was zusammen gehört. Im Rathaus haben die Verantwortlichen daran allerdings kein intensives Interesse. Für den Jugend- und Stadtteiltreff Brühl-Beurbarung ist das „ein Rückschlag im Versuch, dem Stadtteil ein Gesicht zu geben“.

Vorsitzende ohne Stadtteil: Wolfgang Keffer und Christian Himmelsbach.


Wer hat nun Recht? Keiner. Weder Kinderstadtverein, noch Bürgerverein, aber auch nicht die Stadt selbst, die im Frauenstadtplan durch Evelyn Gierth vom Büro für Migration und Integration vertreten wird, liegen mit ihrer Darstellung hundertprozentig auf der korrekten Linie.

„Auch wenn der Bürgerverein die Beurbarung in seine Arbeit mit einbezieht – die offiziellen Stadtteilgrenzen laufen anders“, stellt Thomas Willmann klar. Und der muss als Vizechef des Amts für Bürgerservice und Informationsverarbeitung wissen, welcher Stadtbezirk zu welchem Stadtteil gehört. Seit 1990 ist er für die Statistiken der Stadt zuständig und betreibt somit die „Pflege der kleinräumigen Gliederung“, wie es im Beamtenhochdeutsch heißt. „Der Stadtteil heißt Brühl und ist im Kinderstadtplan ja auch so eingezeichnet“, sagt Willmann, „der andere Stadtteil heißt Stühlinger und dazu gehört auch der Bezirk Beurbarung.“ Hier liegt also der Fehler des Vereins, der im Seitenkopf eben Brühl/Beurbarung geschrieben hat, obwohl nur Brühl zu sehen ist.

Die Schreibweise mit dem Schrägstrich ist indes kein Zufall, wie die Vereinsvorsitzende Michaela Moser erklärt: „Das haben wir bewusst so gemacht, weil ein Bindestrich ja signalisieren würde, dass die zwei zusammen einen Stadtteil bilden.“ Dass die Beurbarung im Stadtteil Brühl zum Teil in der abgesofteten Version zu sehen ist, gesteht sie als unglückliche Darstellung ein: „Wir hätten in der Seitenkopfbezeichnung ‚Beurbarung’ einfach weglassen sollen.“

Zurück zum Bindestrich respektive zum Freiburger Frauenstadtplan. Dort heißt es in der Anleitung: „Im ersten Teil gibt es Karten, die jeden Stadtteil Freiburgs mit den für Frauen wichtigen Punkten zeigt.“ Auf den Seiten 12 und 13 wird dann Brühl-Beurbarung präsentiert. Um einen Stadtteil, wie weiter vorne angekündigt, kann es sich dabei allerdings nicht handeln. Wie kommt diese Bezeichnung dann in ein offizielles Dokument der Stadt?

„Statistisch gesehen gibt es Brühl-Beurbarung jedenfalls nicht“, sagt auch Hannelore Stockert, die Leiterin des Vermessungsamtes. Sie hat aber eine Erklärung, wie es dazu kommen konnte, dass beide Pläne sich unterscheiden, obwohl beide schließlich aktuelles Kartenmaterial aus ihrer Abteilung bezogen haben. „Die Kartengrundlagen kommen von uns, allerdings lautete die Anfrage in beiden Fällen unterschiedlich“, erläutert sie. Die Kinderstadt habe nach stadtteilbezogenem Kartenmaterial gefragt, die vom Migrationsbüro nach bürgervereinsbezogenem.“ Also ist im Frauenstadtplan lediglich die Bezeichnung in der Anleitung falsch.

Thomas Willmann: „Das würde die Statistiken ja völlig durcheinanderbringen.“


Allerdings betont Stockert auch, dass Grenzen, die von Bürgervereinen gezogen werden, nicht immer ganz so eindeutig zu definieren sind: „Die stecken die Vereine unter sich ab, aber manchmal gibt es da auch Überlappungen. Soweit die Grenzen bekannt sind, sind sie öffentlich – aber manche sind bis heute nicht klar abgestimmt.“

Quasi täglich sind auch in der lokalen Presse Nachrichten über und aus dem Freiburger Stadtteil Brühl-Beurbarung zu lesen. Für Wolfgang Keffer, den Vorsitzenden des Bürgervereins Brühl/Beurbarung (man beachte den Schrägstrich im offiziellen Namen), ist das so auch richtig. Und in Zukunft soll es noch richtiger werden: „Wir sind der Stadtteil Brühl-Beurbarung und werden auch versuchen, da bei der Stadt aktiv zu werden und etwas zu ändern.“ Den Stein des Anstoßes habe schlussendlich der Kinderstadtplan gegeben: „Wir haben bislang ja nicht daran gerüttelt, aber jetzt wollen wir es schon versuchen.“

Die Chancen, dass es in der Sache demnächst eine Änderung geben könnte, sind aber laut Willmann eher gering. „Zugehörigkeitsgefühle sind das eine, organisatorische Zuordnungen das andere. Kurzfristig ändert sich an Stadtteilgrenzen aber nichts, außer es gibt riesige Neubaugebiete wie zuletzt in der Vauban oder im Rieselfeld.“

Zu einem neuen Bezirkszuschnitt könnte es in Freiburg aber schon bald kommen – beim geplanten Neubaugebiet Haslach-Gutleutmatten: „Da sollen 500 Wohneinheiten entstehen, da wird man sicher über die Erstellung eines neuen Bezirkes nachdenken.“ Dass Brühl und Beurbarung zusammenwachsen, sei schon aus wissenschaftlichen Gründen wenig willkommen: „Wir haben kein Interesse da etwas zu ändern – wir wollen die Entwicklung ja über die Zeit hinweg vergleichen, und so würden wir die Statistiken ja völlig durcheinanderbringen.“

Also wird in der Beurbarung wohl auch weiterhin ein Unterschied zwischen der gefühlten und tatsächlichen Stadtteilzugehörigkeit bestehen. Das bedauert insbesondere Christian Himmelsbach in seiner Funktion als Vorsitzender des Trägervereins des Jugend- und des Stadtteiltreffs Brühl-Beurbarung: „Für uns ist das ein Rückschlag im Versuch, dem Stadtteil ein Gesicht zu geben. Das ist hier ohnehin schon schwer genug. Es ist einfach schade, dass die Identität des Stadtteils so in Zweifel gezogen wird.“

Text & Fotos: Felix Holm