100 Jahre Gegensätze

Wenn er nicht gerade Neuere und neueste Geschichte an der Freiburger Universität lehrt, dann schreibt er – Geschichtsbücher. Oder besser: Er fasst die Ergebnisse seiner Forschungen so zusammen, dass sie auch für historische Laien gut lesbar sind. Nun hat Ulrich Herbert ein Buch veröffentlicht, das in eine Reihe gehört, die er selbst bei C.H. Beck herausgibt: „Nationalgeschichten des 20. Jahrhunderts“.

Deutschland von 1900 bis 1999: Das sind zwei Weltkriege, eine gescheiterte Demokratie, Hitler-Diktatur und Holocaust, 40 Jahre geteiltes Land. Das ist aber auch die längste Friedensperiode der Geschichte Europas, eine erfolgreiche Demokratie, Wirtschaftswunder und Sozialstaat, die Wiedervereinigung vermeintlicher Gegensätze. Herbert hat zwar eine schier unfassbare Fülle an Fakten zusammengetragen, diese aber sodann so klar strukturiert, dass sich die Leser mühelos darin zurechtfinden.

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Zeit muss man sich allerdings nehmen. Denn nicht nur wegen der 1450 Seiten ist das Buch unmöglich am Stück zu lesen: Es bietet einfach zu viele Anregungen zum Nachdenken über die großen Fragen der Geschichte. Besonders beeindruckend dabei ist die Herausarbeitung der Dynamik der Gewalt, die in den Holocaust führte.

Text: Erika Weisser

Ulrich Herbert
Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert
1451 Seiten, gebunden
Verlag C.H. Beck, 2014
39,95 Euro