Jenseits vom Bollenhut

Auf dem Cover prangt die Kuckucksuhr. Natürlich. Wo es um den Black Forest geht, da darf der Kitsch nicht fehlen. Und wenn es dann noch heißt „111 Orte im Schwarzwald, die man gesehen haben muss“, denkt man unweigerlich an den nächsten überflüssigen Reiseführer.

Mitnichten! Denn das, was die beiden Journalisten Daniela Gierok und Ralf Dorweiler (der zudem erfolgreicher Autor zahlreicher Regio-Krimis ist) zusammengetragen haben, verlässt die ausgetreten Pfade zwischen Bächle, Münsterturm und Bollenhut.

Sicher: Dass es im Glottertal eine TV-Klinik gibt, dass die Donau in Donaueschingen (oder doch in Furtwangen?) entspringt oder dass die Sauschwänzlebahn in Blumberg schnauft – all das hat man schon gelesen. Wirklich originell sind vor allem Tipps und Anekdoten, die selbst Einheimische zum Staunen bringen. In Freiburg wird etwa nicht das Münster besungen, sondern das schmalste Haus der Stadt. In Oberndorf am Neckar geht es nicht ums Idyll, sondern um die Ballermann-Rüstungsindustrie. Den grünsten Ort in der Region kennt man: das Öko-Spießer-Viertel Vauban. Aber welcher ist der schwärzeste? Das ist die CDU-Hochburg Seebach im Acherntal, die Black City im Black Forest. Dabei ist es um Seebach herum ziemlich grün. Eine von 111 schönen, schön bebilderten Geschichten.

Text: Dominik Bloedner


Daniela Gierok und Ralf Dorweiler
111 Orte im Schwarzwald, die man gesehen haben muss
240 Seiten
Emons Verlag, 2012
14,95 Euro