Das Ende des Schweigens

Thomas Mann hält Rückschau. In schlaflosen Nächten, während langer Spaziergänge durch die Umgebung des Züricher Vororts Küsnacht, wo er seit drei Jahren im Exil lebt. In diesem Januar 1936 steht ihm die nach seinem Empfinden schwerwiegendste Entscheidung seines Lebens bevor: Soll er, wie es seine Frau Katia, seine Tochter Erika und emigrierte Schriftstellerkollegen mehr oder weniger offen fordern, endlich öffentlich gegen „die Lumpen in Berlin“ Stellung beziehen? Oder soll er länger schweigen – damit seine Bücher auch weiterhin in Deutschland erscheinen können?

Der Zauberer zaudert: Nach seiner Überzeugung soll ein Dichter wirken, nicht handeln. Und er fürchtet, dass das letzte Stück Heimat verloren gehen könnte, dass auch seine Werke in der Bücherverbrennung zu Asche werden. Nach zähem Ringen mit sich selbst fasst er den Entschluss: Er schickt den bereits verfassten Brief ab …

Der gebürtigen Freiburgerin Britta Böhler ist eine sehr lesenswerte, sensible Annäherung an das Widersprüchliche, von Eitelkeit keineswegs freie Innenleben des Nobelpreisträgers gelungen, der seine intimsten Gedanken lieber dem Feuer anvertrauen würde als seiner Frau. Allerdings nicht dem Feuer der Nazis.

Text: Erika Weisser

Der-Brief-des-Zauberers_1
Der Brief des Zauberers
von Britta Böhler
224 Seiten, gebunden
Aufbau Verlag 2014
Preis: 18,99 Euro