Brot, Freiheit, Bildung

Kostas Charitos hat mal wieder Pech: Die Regierung hat ihm und seinen Kollegen von der Athener Mordkommission die Gehälter eingefroren. Und da Griechenland die Euro-Zone verlassen hat, werden sie, wenn überhaupt, in Drachmen ausgezahlt. Die Krise zwingt den Kommissar, mit Bus und Bahn oder im Streifenwagen die Spur eines Täters zu verfolgen, der drei Persönlichkeiten umbringt.

Immer wenn er am Tatort eintrifft, erklingt aus einem Prepaid-Handy des jeweiligen Opfers eine als Klingelton gespeicherte Botschaft: „Brot, Freiheit, Bildung“. So lauteten früher die Forderungen von Studenten der „Generation Polytechnikum“. Diese hatten nach dem Ende der Militär-Diktatur 1974 Junta-Anhänger und Rechte fortgejagt um es sich auf ihren Posten bequem zu machen. Charitos findet heraus, dass die Opfer – ein Finanzdirektor, ein Gewerkschafts-Führer und ein Strafrecht-Professor – in Wirklichkeit keine ruhmreichen Widerstandskämpfer waren, sondern Kollaborateure des Regimes der Folterknechte.

Wie in „Faule Kredite“ und „Zahltag“ spielt der Autor auch in seinem neuen Roman Szenarien durch, wie das griechische Volk reagieren könnte, wäre es nicht durch Angst, Enttäuschung und Depression gelähmt. In seiner Trilogie des Scheiterns stellt er den Heuchlern und Schmarotzern Figuren gegenüber, die mit Einfallsreichtum, Mut und Humor ein besseres Land aufbauen wollen.

Text: Sebastian Bargon

 

"Abrechnung" von Petros Markaris

 

 

Petros Markaris
Abrechnung
336 Seiten, gebunden
Diogenes, 2014
22,90 Euro