„Hilfe! 1000 Kilometer weit weg von zu Hause – auf einer Insel – allein unter Pissetrinkern!“, so Suzannes Verzweiflungsmail an die Familie. Dabei hat sich die 25-jährige New Yorkerin die Sache selbst eingebrockt: Wie konnte sie ihrer angebeteten Lehrerin auch so blauäugig zu einem zweimonatigen Yoga-Retreat ins ferne Bali folgen? Nun hockt die überzeugte Atheistin, Kaffeetrinkerin und Wohlstandshysterikerin inmitten einer Gruppe angehender Erleuchteter im Nirgendwo und versucht tapfer, ihre fünf Sine zusammenzuhalten.

 

Was folgt, ist ein Selbsterfahrungstrip voller Irrungen und Wirrungen, eine fieberhafte Suche nach sich selbst, bei der Suzanne immer weniger weiß, ob sie ihr altes Ich überhaupt loswerden will. Schnoddrig-rotzig, mit ungeschönter Authentizität und Verletzbarkeit erzählt sie in diesem Tagebuch von ihren Erfahrungen und Erlebnissen – und schafft dabei den Spagat zwischen Transzendenz, Auseinandersetzung und Bodenhaftung.

 

So ist ihr Buch einerseits scharfzüngige Esoterik-Satire, andererseits philosophische und psychologische Expedition in unbekannte Seelengebiete. Auf jeden Fall aber spannende Lektüre mit Tiefgang, bei der es jede Menge zum Lachen und Wiedererkennen gibt.

 

Text: Marion Klötzer

 

Cover_Erleuchtet

 

 

Suzanne Morrison

Bin ich schon erleuchtet?

368 Seiten, Tb

Fischer, 2013

9,99 Euro