„Hört auf mit dieser Katzenmusik!“ So wurden wir ermahnt, wenn unsere improvisatorischen musikalischen Versuche zu schräg wurden. Und vor allem zu laut. Dabei sind Katzen doch leise. Dass man darunter einst „schauerlich misstönende nächtliche Konzerte“ verstand, die mancherorts immer noch fester Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Fastnacht sind, wussten wir damals nicht.

 

Aber heute: Im neuen Buch des Freiburger Volkskunde-Professors Werner Mezger über dieses alljährliche magische Schauspiel erfahren wir, dass die Katzenmusik im Mittelalter Charivari hieß und dass beim Musizieren alles erlaubt ist, was als Geräuschquelle taugt. Und wo sie gespielt wird – außer in Endingen, rosenmontags, in aller Herrgottsfrühe.

 

Und warum Krachorgien überhaupt zur Fastnacht gehören. Freilich erfahren wir noch viel mehr über dieses Fest, das Tausende in Häs und Larve schlüpfen lässt und ganze Städte in Narrennester verwandelt: Unterhaltsam und fundiert schreibt Mezger über den Ursprung der Fasnet, ihre Geschichte, die Bedeutung der Masken, der Vermummung und der närrischen Attribute. Und Ralf Siegeles faszinierende Fotos machen sichtbar, was nicht beschrieben werden kann: den emotionalen Zauber.

 

Text: Erika Weisser

 

Buch_Schwaebisch-alemannische-Fastnacht
Werner Mezger
Schwäbisch-Alemannische Fastnacht
288 Seite, gebunden
mit Bildern von Ralf Siegele
Theiss 2015
49,95 Euro