Kaum zeigen sich im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen, werden die Bierbänke nach draußen gestellt, die Krüge durchgespült und die Fässer angehängt: Die Biergartensaison hat eröffnet! Eltern entspannen auf der harten Holzbank, während ihre Kinder auf dem Spielplatz toben, Studenten zwitschern mittags um 12 Uhr eine Halbe vor der ersten Vorlesung und Touristen, für die Deutschland gleich Bayern ist, erkunden die deutsche Kultur bei Weißbier und Weißwurst. chilli-Autorin Tanja Bruckert hat getestet, ob die Freiburger Biergärten auch in diesem Jahr halten, was sie versprechen – und wie viele Biergärten man eigentlich an einem Tag besuchen kann. Ein Selbstversuch.

 

Biergarten am Seepark

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Hefeweizen und Weißwürste zum Frühstück – ein perfekter Start in den Biergartentest. Noch ist es an diesem sonnigen Sonntagvormittag ruhig im Biergarten. Der Mittzwanziger am Zapfhahn hat deshalb noch Zeit und Muße für ein Schwätzchen – auch wenn er darüber den Kaffee des älteren Herren vergisst, der eigentlich vor uns dran war.
Zu den Early Birds zählen vor allem Familien, deren kleine Kinder jeden Ausschlafversuch zunichte machen. Spielplatz, Minigolfplatz und Kasperletheater – welches Kind zieht da schon das Bett dem Seepark vor? Und auch die ersten Rentner, die die senile Bettflucht aus den Federn getrieben hat, machen hier nach ihrem Morgenspaziergang eine Kaffeepause.
Blick auf den See, Schatten unter Kastanien, nettes Personal – hier passt alles. Einzig der Bierpreis ist mit 3,70 Euro für den halben Liter der höchste von allen getesteten Biergärten, wie wir am Ende der Tour feststellen werden.

 

 

Biergarten am Seepark
Gerhart-Hauptmann-Str., 79110 Freiburg-Betzenhausen
www.biergartenseepark-freiburg.de
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Kastaniengarten

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Wir lassen die Räder am Schwabentor stehen und machen uns an den Aufstieg auf Freiburgs Innenstadtberg. Die Lage des Kastaniengartens ist unschlagbar – wer oben ankommt, hat garantiert Durst und Hunger. Und klar, der Blick ist auch nicht zu verachten, auch wenn sich das Münster Unserer Lieben Frau mal wieder nicht oben ohne blicken lässt, sondern seine Reize sittsam verhüllt hält.
Für Touristen ist der Höhen-Biergarten dennoch „the place to be“, um uns herum hören wir englisch, französisch und einige Klänge, die wir nicht identifizieren können – möglicherweise von Einwohnern der Tuniberggemeinden, die einen Ausflug in „die Stadt“ machen.
Die Speisekarte ist mit Putensteaks, Wurstsalat, Pommes & Co. reichlich bestückt, die Vegetarierin unserer Gruppe freut sich vor allem über den Tomate-Mozzarella-Flammkuchen. Der wird bei Bestellung frisch zubereitet – damit wir uns nicht die Füße in den Bauch stehen müssen, bekommen wir ein rotes Gerät mit, das wenig später wild anfängt zu blinken. Dazu gibt‘s eine Halbe für 3,60 Euro.

 

 

Kastaniengarten
Schlossbergring 3, 79098 Freiburg-Altstadt
www.kastaniengarten-freiburg.de
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Feierling Biergarten

Feierling
Für den Feierling Biergarten gibt es ein Argument, das sich nicht wegdiskutieren lässt: das Inselhopf. Dem naturtrüben Bier schmeckt man an, dass die Familie Feierling 120 Jahre Erfahrung sammeln konnte, um solch ein grandioses Bier zu brauen. Das übrigens mit 3,60 Euro den anscheinend stadtweit geltenden Bierpreis einhält.
Bier gibt es am Ausschank, wer Hunger hat, überquert die Gasse, um sich im Gasthaus mit Vespergerichten einzudecken. Für den Biergarten gibt es die Speisekarte lediglich in einer abgespeckten Version – im wahrsten Sinne des Wortes, der Schwarzwälder Schinken fehlt nämlich beispielsweise.
Dafür könnte die Karte unter dem Motto Bayern meets Baden stehen: Radi, Münchner Weißwürste, Presssack und Obatzter treffen auf Bibeleskäs, Bauernwürste und Elsässer Wurstsalat. Wer findet, dass sich die Autorin, die Weißwürste zum Frühstück hatte, nicht über diese Bayernifizierung beschweren darf, hat sicherlich recht. Daher enthalte ich mich hier eines Kommentars und lobe lieber noch einmal das fantastische Bier.

 

 

Hausbrauerei Feierling
Gerberau 46, 79098 Freiburg-Altstadt
www.feierling.de

 
Café Extrablatt an der Dreisam

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Zugegeben: Ein paar Tische an der Dreisam machen noch keinen Biergarten im engeren Sinn, aber wir wollen den Begriff mal weiter fassen, denn noch mehr Bier geht einfach nicht! Wir brauchen dringend eine Abwechslung. Und die bietet das Extrablatt am Ufer: fruchtig-sahnige Cocktails, aus der Mode gekommene Modedrinks à la Hugo, Eiskaffee, Smoothies. Und auch die Bierliebhaber kommen hier mit 3,60 Euro (hallo Innenstadttarif!) auf ihre Kosten.
Zum Drink gibt’s Leckeres zum Knabbern wie Pizzaschnecken oder Bruschetta und Leckeres zum Schauen. Tipp für die Mädels: Vorher checken, an welchem Tisch ihr von dem Kellner mit den hellblausten Augen in ganz Freiburg bedient werdet. Es lohnt sich – auch, wenn sich die Tischwahl an einem Sonntagnachmittag nicht ganz einfach gestaltet: Für ein lauschiges Plätzchen an der Dreisam heißt es hier schon mal Schlange stehen.

 

 

Café Extrablatt
Schreiberstr. 1, 79098 Freiburg-Altstadt
www.cafe-extrablatt.com

 
Mundenhof

Mundenhof
Begeisterungsschreie im Tierpark: Die Meerschweinchen haben Nachwuchs! Wir machen einen Bogen um kreischende Menschenkinder, die versuchen, verschreckte Tierkinder zu streicheln und begeben uns dahin, wo sich der Mundenhof von seiner schönsten Seite zeigt – in den Biergarten. Zwar heißt es an diesem frühen Sonntagabend erstmal Schlange stehen, doch der Mittzwanziger an der Kasse macht ordentlich Dampf und so sitzen wir schon wenige Minuten später mit je einer Halben für 2,90 Euro – Freiburg-Rekord! – wieder am Biertisch.
Die Karte, die an die Wand geschrieben weithin sichtbar ist, verspricht eine große Auswahl von den obligatorischen Pommes bis hin zu Salat mit Putenstreifen oder Fleischküchle. Wer denkt, dass wir nach Weißwürsten, Flammkuchen, Wurstsalat und Bruschetta endlich satt wären – weit gefehlt: Eis geht immer. Vor allem das Hofeis, das – wie übrigens auch der Kuchen und das Brot – direkt auf dem Mundenhof hergestellt wird. Unser Fazit (das wir nach fünf getesteten Biergärten tatsächlich kreativ finden): Tier + Bier = herrlich hier!

 

 

Hofwirtschaft Mundenhof
Mundenhof, Haus 15, 79111 Freiburg-Rieselfeld
www.mundenhof.de

 

 

 

allgemein
Wir haben die großen Biergärten in Freiburg durch und unsere Bierbäuche können sich sehen lassen. Doch so schön es ist, wir machen schlapp. Da es in Freiburg aber noch weitere lauschige Plätzchen gibt, in denen man im Sommer ein kühles Bierchen trinken kann, werden wir auch in den nächsten Tagen fleißig weiter testen.

 

 

Waldsee

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Waldsee – klar, das ist die Location, in der man montags gediegen abzappeln kann. Doch wer sich hier mittags einfindet, trifft keine schweißdurchtränkten Partypeople, sondern Familien und Pärchen, die gemütlich auf der Terrasse am See sitzen. Und tatsächlich: Wenn keine elektronische Musik aus den Lautsprechern schallt, ist es hier richtig idyllisch.
Die Karte kann sich sehen lassen: Es gibt sowohl die Vesper-Klassiker wie Wurtsalat, Flammkuchen und Rindfleischsalat als auch Ausgefalleneres wie gegrilltes Lachsforellenfilet mit hausgemachter Café-de-Paris-Butter, Rosmarinkartoffeln und Salat vom Buffet.
Das Bier ist hier für den kleinen Durst, das 0,4-Liter-Glas kommt mit 3,30 Euro daher. Wer etwas Neues probieren will, greift zum Vollmondbier von Ganter. Das Etikett verrät, dass das Bier ausschließlich in Vollmondnächten gebraut wurde, und jaha, man schmeckt das! Wirklich!

 

 

Waldsee Gaststätte
Waldseestr. 84, 79117 Freiburg-Waldsee
www.waldsee-freiburg.de

 
S’Wirtschäftle am Tunisee
Der Name ist Programm: Es ist eine Wirtschaft, sie ist klein und sie liegt am Hochdorfer Tunisee. Soviel dazu. Was der Name noch nicht verrät: Es gibt nicht nur die für einen Badesee fast schon obligatorischen paar Tische, an denen man Pommes und Eis essen kann, sondern zudem eine große Terrasse, auf der auch „richtiges“ Essen serviert wird. Und das Beste: Diese Terrasse liegt auf der vom See abgewandten Seite, so dass einem zu Sommerbeginn keine winterbespeckten, käseweißen Körper den Appetit verderben.
Das wäre auch zu schade, denn die Speisekarte macht Hunger. Versprochen wird unter anderem Deftiges vom Grill, auch wenn der leider nicht zu sehen ist. Doch egal, ob tatsächlich vom Grill oder aus der Pfanne, der „Tunisee Teller“ mit den Schweinemedaillons ist absolut zu empfehlen. Und auch der Vegetarier muss nicht hungrig heim, sondern kann sich die Wampe mit Spaghetti, Käsespätzle oder den Salaten vom Büffet vollschlagen.

 

 

S’Wirtschäftle am Tunisee
Seestr. 30, 79108 Freiburg-Hochdorf
www.tunisee.de

 
Waldrestaurant St. Valentin

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Tipp 1: Hochlaufen ist schöner als hochfahren. Deswegen das Auto am besten unterhalb des Klosters St. Lioba abstellen oder die Straßenbahnlinie 2 nehmen und immer dem Weg nach oben folgen.
Tipp 2: Für den Rückweg Fackeln oder Taschenlampen mitnehmen und sich Gruselgeschichten ausdenken. Ein einsamer Wald bei Nacht ist die ideale Kulisse für unheimliche Erzählungen.
Tipp 3: Dienstag ist Gambas-Tag. Wer auf die rosa Meerestiere steht, kann sich hier den Bauch vollschlagen, bis nichts mehr geht (All you can eat für 13,50 Euro). Da das leider kein Geheimtipp mehr ist, unbedingt vorher einen Platz reservieren (Tel. 0761-7077748).
Tipp 4: Der Heidelbeerwein ist wunderbar süffig – aber Achtung, er steigt auch schnell zu Kopf. Wer sich lieber ans Bier hält, ist mit 3,20 Euro für die Halbe dabei.
Tipp 5: Kein St. Valentin ohne Pfannkuchen. Die dicken, lockeren Eierfladen sind vor allem in der süßen Variation mit Apfel oder Heidelbeeren ein absolutes Muss.

 

 

Waldrestaurant St. Valentin
Valentinstr. 100, 79100 Freiburg-Günterstal
www.sanktvalentin.eu

 
Gasthaus zum Stahl

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Der Biergarten in einem Wort: Ambiente. Die Tische schmiegen sich an das 400 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude mit dem spitzen Giebel und den grünen Fensterläden, eine dicht bewachsene Mauer hält die Straßengeräusche draußen und im Hintergrund erhebt sich der Schlossberg. Wie beliebt der Biergarten ist, zeigt sich an der Vielzahl von Fahrrädern, die sich vor dieser Mauer dicht an dicht drängen.
Im lauschigen Innenhof sitzt man unter mehr als hundert Jahre alten Rosskastanien, Sommerlinden und Ulmen, was im Hochsommer oder nach einer schweißtreibenden Radtour die Kartäuserstraße hoch besonders angenehm ist.
Der Biergarten ist in zwei Teile unterteilt: An den meisten Tischen herrscht Selbstbedienung, hier holt man sich Currywurst, gegrillte Hähnchen oder Kräutersteaks an der Grillstation. Wer eine edlere Karte bevorzugt, wählt einen der Tische, die vom Restaurant aus mit feinen badischen Gerichten bedient werden.

 

 

Gasthaus zum Stahl
Kartäuserstr. 99, 79104 Freiburg-Oberau
www.zum-stahl.de
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Rappen am Münsterplatz

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Sie liegt einfach herrlich, die Freiterrasse vorm Hotel Rappen am Münster. Vorne sitzt ein französisches Pärchen, neben uns erfreuen sich Einheimische am Grauburgunder, andere lassen sich ein kühles Ganter (0,4 für 3,70 Euro) bringen, zwei ältere Damen sitzen noch (oder schon wieder?) vor Kaffee und einem Stück Kuchen.
Die Sonne taucht das Münster in warmes Licht, das Glockenspiel übertönt Gespräche, die Marktbeschicker bauen ihre Stände ab, Menschen schlendern Arm in Arm mit neuen Einkaufstaschen übers alte Kopfsteinpflaster – beim Rappenwirt Nino Ebner sitzt man stets in der ersten Reihe. Die Bedienung strahlt auch, „gerne“ bringe sie noch ein Bierchen, ob es für die Dame auch etwas sein dürfe. Am Mittag gab es für 18 Euro ein Dreigang-Menü etwa mit Flädlesuppe, Rinderschmorbarten an hausgemachten Tagliatelle und  Schokoladenmousse. Auf der Abendkarte stehen gebackene Garnelen im Kartoffelmantel oder auch badische Ochsenbrust, die mit einem Viertele Roten herrlich schmeckt. Wer gar nicht mehr nach Hause will, kann auch einfach bleiben. Der Rappen bietet 18 frisch gemachte Zimmer. Frühstück inklusive.

 

 

Hotel Rappen
Münsterplatz 13, 79098 Freiburg im Breisgau
www.hotel-rappen-freiburg.de