Lenkrad, Räder, Batterie: Kann so ein Gefährt Spaß machen? Ein Ehepaar in Gundelfingen glaubt fest daran: Seit einem Jahr bieten Birgit und Gerhard Luz in ihrer Freizeit geführte Segway-Touren an. Top oder Flop? Der chilli-Segway-Test bringt es ans Licht.

Einen Zündschlüssel gibt’s nicht, auch kein Motorengeräusch. Stattdessen steckt Gerhard Luz den Info-Key, eine Art Bordcomputer, an den Lenker. Nichts geschieht, aber der Segway-Experte versichert: „Jetzt ist er an.“ Ein paar Lämpchen blinken, dann justiert sich das batteriegetriebene Zweirad-Vehikel ganz von alleine – wie ein Hund, der sich aufs Gassigehen freut. „Na, dann steigen Sie mal auf“, sagt Luz, wohl wissend, dass sich die Bedienung „schneller lernen lässt als Fahrradfahren.“

Wirklich? „Fast“, entgegnet der Händler und überprüft seinen Schutzhelm – reine Vorsichtsmaßnahme, wie er beteuert. Zu hastig aufsteigen solle man aber nicht. Und schon gar nicht den Lenker ruckartig nach vorne drücken. „Dann saust er los und dreht sich um die eigene Achse.“ Es folgen weitere Instruktionen, verbunden mit Anekdoten, die gar nicht so lustig klingen: von Männern, die beim Wettrennen kurzerhand im Straßengraben landeten; von Damen, denen eine Bodenwelle zum Sturz verhalf. Das verschafft Respekt, denn gesehen habe ich Segways bisher fast ausschließlich im Fernsehen. Oder am Flughafen, wenn Polizisten damit durchs Terminal brausten. Immerhin: Die konnten es auch!

Auf Segway-Tour.
Wir befinden uns in Gundelfingen. In ihrer Privatwohnung betreibt das Ehepaar Luz seit einem Jahr eine Segway-Dependance. Hauptberuflich arbeitet er als Mechaniker, doch die wahre Erfüllung sucht Luz nach Feierabend. „Mich reizte schon immer das Unternehmerische“, erklärt der 46-Jährige, der mit seinem Zweitjob inzwischen 20.000 Euro jährlich umsetzt. Sobald er von der Arbeit kommt, holt er die Segways aus dem Keller: „Die Nachfrage hat uns selbst überrascht.“ Von April bis November gehe es fast jeden Tag ins Gelände.

Klingel, Lenker, Nummernschild: So sieht er also aus, dieser Zwitter aus Elektroauto, Fahrrad und Pferd. Ziemlich sportlich, aber auch irgendwie wackelig. Zum Glück ist eine Haftpflichtversicherung im Preis enthalten – ein Gefährt kostet fast 10.000 Euro. „Immer schön aufrecht bleiben“, ruft er, „genau wie im Leben.“ Dann schießt der hochgerüstete Rollator schlagartig nach vorne. Jetzt nur keine hektischen Bewegungen machen …

Ich gebe alles, stehe kerzengerade, weiche jedem Schlagloch aus, beschleunige wie Sebastian Vettel. Doch plötzlich ist Schicht im Schacht. Der Guide lacht: „Schneller als Tempo 20 wird’s nicht, da können Sie den Lenker noch so drücken.“ Macht aber nichts. Schon nach fünf Minuten haben wir das Wohngebiet verlassen, es geht quer durch den Wald – auf betoniertem Grund, wohl gemerkt. Sogar einen steilen Berg erklimmt der Segway, sodass wir kurz darauf das ganze Tal sehen können. Der Anblick ist toll, doch etwas anderes reizt noch viel mehr: Ich will weiterfahren! „Keine Sorge, wir drehen noch eine Runde“, versichert Luz. Bis zu 20 Kilometer sind die Touren lang, die das Ehepaar anbietet. Danach muss der Segway schleunigst wieder in den Keller – Schonzeit für die Batterien!

Text & Foto: Steve Przybilla

Segway-Touren:
Voraussetzungen: Wer Segway fahren möchte, muss mindestens 16 Jahre alt sein und über einen Mofa-Führerschein (oder höher) verfügen. Mehr als 115 Kilo sollte man nicht wiegen.

Kosten: Touren kosten je nach Länge zwischen 49 Euro (einstündige Schnuppertour) und 69 Euro (20 km) pro Person.
www.breisgau-seg.de