Facebook-Follower wissen es schon seit gestern: chilli-Volontärin Tanja Bruckert ist mit Vertretern der Freiburger Handwerkskammer zu einem viertägigen Aufenthalt in Freiburgs Partnerstadt Padua. Auf unserer Facebook-Seite liefert sie seither in loser Folge kleine Informations-Häppchen. Hier kommt nun das erste längere Stück von Bruckert.

 

Es soll für sie „The job of my life“ werden: Rund dreißig junge Menschen aus Padua waren heute bei einer Informationsveranstaltung der Handwerkskammer Freiburg in der norditalienischen Stadt. Sie alle haben das selbe Ziel – eine Ausbildung in einem Handwerksbetrieb in Südbaden zu bekommen.  Freiburg ist meine Traumstadt“, schwärmt Alessandra Stievanin. Die 29-Jährige hat Architektur studiert und an der Universität in Padua viel von der deutschen Stadt gehört, in der die Themen Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien eine zentrale Rolle spielen sollen.

 

Alessandra Stievanin: "Freiburg its meine Traumstadt. Foto: tbr

Alessandra Stievanin: “Freiburg ist meine Traumstadt. Foto: tbr

 

Und in genau diese Richtung möchte sie sich weiterbilden. Ob Sie Angst davor hat, in einer Stadt zu leben, die sie nur von Bildern kennt und wo sie bisher kein einziges Wort der Sprache versteht? „Nein, ich habe keine Angst davor wegzugehen“, sagt sie entschlossen, „ich habe Angst davor hierzubleiben.“ Seit anderthalb Jahren suche die studierte Architektin einen Job in der Region Veneto – bisher ohne Erfolg.

 

So wie ihr geht es zur Zeit vielen jungen Italienern. Wirtschaftskrise, hohe Jugendarbeitslosigkeit, geringe Chancen auf einen Ausbildungsplatz – es ist eine Situation, die nicht nur im südlichen Landesteil, sondern auch im Norden anzutreffen ist. Aus diesem Grund stellen die Handwerkskammer (HWK) Freiburg und die Kammer aus Padua (UPA) heute rund dreißig jungen Italienern das Programm „The job of my life“ vor. Nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch bei einem Ausbildungsunternehmen folgen ein zweimonatiger Sprachkurs in Padua und ein dreimonatiges Praktikum in Südbaden. Bei diesem Praktikum kann der Bewerber einen Betrieb kennenlernen, ausprobieren, ob ihm der Ausbildungsberuf zusagt oder nach Bedarf weitere Berufe kennenlernen.

 

 

Die Basilika des Heiligen Antonius in Padua ist eines von weltweit acht internationalen Heiligtümern. Foto: tbr

Die Basilika des Heiligen Antonius in Padua ist eines von weltweit acht internationalen Heiligtümern. Foto: tbr

 

„In Freiburg wird Ihnen die ganze Berufspalette vorgestellt“, verspricht HWK-Hauptgeschäftsführer Johannes Burger. Denn in den einzelnen Berufe gebe es teils gravierende Unterschiede zwischen Italien und Deutschland. Kammerpräsident Paul Baier macht das an einem einfachen Beispiel deutlich: Dem Maler. Der sei in Deutschland „nicht nur Anstreicher“, sondern auch für die Wärmetechnik, Gestaltung oder Altbausanierung zuständig – während es in Italien sogar verboten sei, dass er die Vorbereitungen für die Malerarbeiten mache.

 

Kunst im Restaurant: Schnappschuss aus Padua. Foto: tbr

Kunst im Restaurant: Schnappschuss aus Padua. Foto: tbr

 

Hat der Praktikant seinen Wunschberuf gefunden und sind sowohl er als auch der Arbeitgeber zufrieden, kann die Ausbildung beginnen. Eine Win-Win-Situation sowohl für den Azubi als auch für die Handwerksbetriebe, die so dem Fachkräftemangel entgegenwirken können. „Wir haben es schwer, in Freiburg gute Auszubildende zu finden“, weiß Dachdecker Heiko Jenne, der zusammen mit der HWK nach Padua gereist ist. „Meine letzten fünf Bewerber hatten zusammen einen Notendurchschnitt von 36.“ Er könne von den hochmotivierten italienischen Bewerbern zwei in seinem Dachdecker- und Blechnerbetrieb ausbilden.

 

Für Baier ist das ein wichtiger Schritt zu einem gemeinsamen Europa, den das Handwerk hier gestaltet: „Ich bin überzeugt, dass wir die Probleme in Europa nur in den Griff kriegen, wenn wir alle zusammenarbeiten und uns nicht als Deutsche oder Italiener, sondern als Europäer fühlen.“

 

Fürs chilli berichtet Tanja Bruckert aus Padua.