Samstagmittag mit dem BMW-Club an der Waschanlage

Es gibt ein Freiburg jenseits des autofreien Quartiers Vauban. Und für manche Bürger der Breisgau-Metropole ist das benzinschluckende Vierrad sogar mehr als nur ein unvermeidliches Fortbewegungsmittel – etwa für die Mitglieder des Tuningvereins BMW-Club Breisgau. Die treffen sich samstagmittags an der Waschstraße, besuchen gemeinsam Tuning-Messen und fahren auch schon mal zusammen nach Österreich, weil da ein seltener Gebrauchtwagen aufgetaucht ist. Anlässlich des zehnjährigen Clubjubiläums wollen die Autofreaks am 9. September auf dem Festplatz in Emmendingen im Rahmen eines großen Tuning-Treffens die Reifen quietschen lassen.

Es ist heiß. Durch den Kreisverkehr quetscht eine Mutter ihren silbernen Hochdachkombi, die Kinder quengeln auf dem Rücksitz. Ihr Ziel ist das nahe gelegene Einkaufscenter. Das Fachgeschäft, das mit Autoteilen handelt und in dessen Hinterhof eine großzügige KFZ-Waschanlage steht, wird von ihr nicht einmal wahrgenommen. Sie interessiert sich vielleicht – wie viele Menschen im alternativen Freiburg – eher für Reisen und Kultur. Aber eben nicht für Autos. Dabei öffnet sich hier zwischen Sträuchern und Lagerhallen jeden Samstagmittag ein eigener Kulturkreis, ja eine neue Welt: Die Anlage im Industriegebiet Haid ist inoffizieller Treffpunkt der örtlichen Tuningszene.

Rückspiegel im Carbon-Look liegen im Trend – und kosten eine Stange Geld.

 

Chrom blitzt, Lackierungen werden poliert, Carbon-Heckspoiler verglichen und nebenbei das eine oder andere Biermixgetränk geköpft. Im lauen Schatten am Rand der Szenerie haben es sich die BMW-Freunde gemütlich gemacht. Aus einer offenen Autotür kommt Radiomusik, jemand hat Campingstühle mitgebracht, es wird geraucht. Die aufgemotzten Fahrzeuge stehen blinkend in der Sonne. Im Sommer kann jeder endlich zeigen, was er im Winter geschafft hat. „Im Winter ist Umbauphase, da stehen viele Wagen oft monatelang in der Garage und werden gar nicht bewegt. Im Frühjahr fährt man dann zum TÜV und lässt eine Sammelabnahme machen. Und dann verändert sich in den kommenden Monaten erstmal nichts“, erklärt Vereinsvorstand Thomas Karl aus Freiburg den Saisonwechsel der Tuner.

An seinem E88-Cabrio sind in den vergangenen Monaten einige Carbon-Teile hinzugekommen, die den schwarzen Flitzer jetzt ein wenig aggressiver wirken lassen. „Und auch die Felgen und das Fahrwerk sind neu“, betont der 44-jährige Maschinenführer nicht ohne Stolz.

„Wir stehen rum und quatschen“, beschreibt Vereinssprecher Benjamin Gerspach, der einen von Alpina umgebauten 5er BMW sein Eigen nennt, treffend das, was sich allsamstäglich an der Waschanlage abspielt, „das Auto verbindet uns, aber wir sind hauptsächlich hier, um Spaß zu haben.“

33 Mitglieder zählt der Club, die besitzen zusammen 28 BMW. Gut zwei Drittel der Freiburger Tuner sind männlich. Die Frauen im Club sind vor allem Partnerinnen der Fahrer.

Denkt man an Tuner, hat man machohafte und tätowierte Asphalt-Rowdys vor dem inneren Auge, die Bier aus Zylinderköpfen trinken, während Bikinimodels ihre flammenverzierten Autos waschen. Die BMW-Clubberer sind da zurückhaltender, unauffälliger – genau wie ihre Autos. Dass die es dennoch in sich haben, merkt man erst beim genaueren Hinsehen. „Wir sind nicht die Hardcore-Tuner, bei uns geht es eher ums Dezente“, verrät Club-Mitglied Norman Ritter, „wir haben zwar schon auch Autos, die das Doppelte der Serienleistung bringen – aber es geht nicht darum, das Teuerste zu haben, wir sind ja nicht im Porsche-Club.“

Ingo Nägele hat seinem 328i einen M3-Motor im Wert von 4000 Euro eingepflanzt.

 

Nichtsdestotrotz steckt in manchen der hier geparkten Schlitten neben vielen Arbeitsstunden auch ein kleines Vermögen. Für den Kauf seines BMW 328i hat Ingo Nägele vor etwa zwei Jahren knapp 10.000 Euro auf den Tisch gelegt. Seither befindet sich der Wagen im Umbau. Neue Felgen, eine neue Musikanlage, ein Auspuff und ein neues Fahrwerk haben bislang etwa 6000 Euro verschlungen. Zudem hat sich der 25-jährige Anlagenmechaniker für weitere 4000 Euro einen M-Motor in das Fahrzeug einbauen lassen. Als Krönung soll irgendwann eine Lederausstattung folgen, die noch einmal 2000 Euro kosten würde. „Da gehört schon eine gewisse Portion Verrücktheit dazu“, schmunzelt der Freiburger, „vor allem in Zeiten, in denen Benzin und Versicherung immer teurer werden.“

Der 94er M3 von Dennis Weber ist ein Österreich-Import.

 

Und warum ausgerechnet die Marke mit dem blauweißen Wappen im Logo? „Die Autos gefallen mir halt. Lambo wäre vielleicht eine Alternative, aber Porsche? Nee.“ Mit dem Autohersteller aus Zuffenhausen scheint die Breisgauer-BMW-Crew eher auf Kriegsfuß zu stehen.
Wie weit die von Nägele angesprochene Verrücktheit gehen kann, lässt sich auch am Beispiel von Dennis Webers 1994er BMW E36 M3 erahnen. „Ich habe lange nach einem solchen Modell in gutem Zustand gesucht“, erklärt der stolze Besitzer mit der Basecap, „davon gibt es nämlich nur noch ganz wenige.“ Fündig geworden ist der 25-jährige Feinwerkmechaniker schließlich in Österreich. Und weil sich der Zustand aus der Entfernung schlecht beurteilen lässt, ist er zusammen mit vier anderen aus dem Club kurzerhand zu einer Spritztour ins Alpenland aufgebrochen.

Heute steht das schöne Stück in Freiburg – und ist inzwischen mit einigen Teilen aus der bauähnlichen aber etwas sportlicheren GT-Reihe aufgemotzt worden: Geänderte Nockenwellen, ein aufgespieltes Chipprogramm zur Leistungsverbesserung von 286 auf 325 PS, ein neuer Ansaugtrichter, eine Xenon-Scheinwerferanlage, weiße Felgen und eine im Motor verankerte Domstrebe lassen Tunerherzen höher schlagen. 15.000 Euro hat Weber für den Wagen vor wenigen Jahren bezahlt, für Tuning sind noch einmal knapp 10.000 dazu gekommen.
„Andere geben ihr Geld halt fürs Feiern oder für Fußball aus“, zuckt Ritter, Bäckermeister von Beruf, ein wenig entschuldigend mit den Schultern, „es ist eben ein Ausgleich, und ich bin froh, wenn ich nach einem Zehnstundentag im Geschäft weiß, dass es noch etwas anderes im Leben gibt.“

Die Waschanlage auf der Haid, wo Chromspoiler und Colabier zu Hause sind, ist für ihn und seine Freunde ein Refugium der Glückseligkeit. Für die Frau im silbernen Hochdachkombi, die sich gerade auf dem Heimweg befindet, ist es hingegen ein Ort, den sie wohl nie kennenlernen wird. Aber vielleicht ja eines Tages ihr Sohn. Der quengelt jetzt nicht mehr, weil er sich beim Einkaufen ein Spielzeug aussuchen durfte: Es ist ein Auto.

Text & Fotos: Felix Holm

Infos: www.bmw-club-breisgau.de