Gleich reihenweise fielen vergangenes Jahr beliebte Freiburger Events ins Wasser, weil sich die Organisatoren vom städtischen Amt für öffentliche Ordnung (AfÖ) gegängelt fühlten. Um die ausufernde Festkrise zu beenden, beschloss der Gemeinderat die Stabsstelle Veranstaltungsmanagement zu installieren. Am 1. Juli nahm die auserwählte Mitarbeiterin ihren Dienst auf. Das chilli wollte sie interviewen. Doch beim AfÖ wollte man, wegen einer „Schonfrist“, nicht einmal ihren Namen preisgeben. Ein Novum. Stattdessen stellt sich Amtschef Walter Rubsamen den Fragen von Steve Przybilla – und gibt sich trotzig.

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chilli: Herr Rubsamen, warum wurde die Stabsstelle Veranstaltungsmanagement geschaffen?
Walter Rubsamen: Es gibt in Freiburg jährlich rund 350 Veranstaltungen, vom Kindergarten-Konzert bis zum Open-Air der Toten Hosen. Je nach Größe sind eine Vielzahl von Akteuren beteiligt: Polizei, Rettungsdienste, Anwohner und die Verwaltung. Dazu gehören die Ämter für öffentliche Ordnung, für Garten- und Tiefbau, für Brand- und Katastrophenschutz, für Baurecht und Umweltschutz, um nur die wichtigsten zu nennen. Die neue Stelle wird die Verwaltungsverfahren bündeln.

chilli: Was heißt das konkret?
Rubsamen: Veranstalter müssen nicht mehr von Amt zu Amt laufen, sondern haben einen zentralen Ansprechpartner. Dort erhalten sie alle Informationen, die sie benötigen – natürlich nach einer gewissen Anlaufzeit. Die Stelle hat ja zum 1. Juli erst ihren Dienst aufgenommen.

chilli: Welche Entscheidungsbefugnis hat die neue Stabsstelle?
Rubsamen: Sie ist personell schlank aufgestellt und bei der Amtsleitung angesiedelt. Es handelt sich um eine Mitarbeiterin, die von einer Sachbearbeiterin unterstützt wird. Sie soll die Fachkompetenz der externen und internen Stellen nicht ersetzen, sondern die jeweiligen fachlichen Prüfungen koordinieren. Wir erwarten, dass die Genehmigungsabläufe verkürzt werden, weil wir jederzeit einen Überblick über den aktuellen Verfahrensstand haben.

chilli: Anträge werden also in Zukunft schneller bearbeitet?
Rubsamen: Wir werden auf jeden Fall mit klaren Fristen arbeiten. Mindestens vier Wochen vor Beginn der Veranstaltung soll der Genehmigungsbescheid rausgehen. Das gibt sowohl uns als auch den Veranstaltern eine bessere Planungssicherheit.

chilli: Nach unseren Informationen war die Veranstaltungsmanagerin bisher für Asylanträge zuständig. Genügt das als Qualifikation?
Rubsamen: Das ist eine Fehlinformation. Die Mitarbeiterin hat ihr Staatsexamen an der Verwaltungshochschule Kehl abgelegt und nimmt seit acht Jahren Führungsaufgaben wahr. Als Leiterin des Publikumsteams in der Ausländerbehörde hat sie große Kompetenzen in Bezug auf den Bürgerservice.

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chilli: Und die fachliche Kompetenz?
Rubsamen: Gerade bei Großveranstaltungen gibt es natürlich Risikoaspekte, die ein spezifisches Fachwissen erfordern. Da sehe ich aber kein Problem, weil schon bisher die spezielle Sachkunde der Polizei, der Feuerwehr oder des Leitenden Notarztes gefragt waren. Selbstverständlich muss sich eine neu eingerichtete Stelle in das Thema einarbeiten. Das wird aber schnell gehen. Der Großteil ihrer Aufgabe besteht darin, die verschiedenen Akteure unter einen Hut zu bringen.

chilli: Ist das ein Eingeständnis, dass im AfÖ bisher einiges schiefgelaufen ist?
Rubsamen: Wenn Menschen zusammenarbeiten, passieren auch Fehler. Da bildet das Ordnungsamt keine Ausnahme. Wichtig ist, diese Fehlerkultur zu akzeptieren. Dramatisch wäre es nur, wenn der gleiche Fehler immer wieder gemacht würde. Aber da kann ich Sie beruhigen: Das ist bei uns keineswegs so.

chilli: Warum fallen dann massenhaft Traditionsveranstaltungen aus, weil sich die Organisatoren von Ihnen gegängelt fühlen?
Rubsamen: Diese Kampagne ist von einzelnen Personen lanciert worden, die ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen. Wir brauchen das nicht noch einmal aufzuwärmen, aber die Verfahrensabläufe bei der Downtown Streetparty und dem Schlossbergfest sind absolut korrekt abgelaufen.

chilli: Bei der Downtown Streetparty sollte der Veranstalter stündlich melden, wie viele Besucher sich gerade in der Stadt aufhalten. Das soll keine Gängelei sein?
Rubsamen: Es gab keineswegs Auflagen, die eine Veranstaltung unmöglich gemacht hätten. Die Feuerwehr hatte Bedenken, dass bei einem Notfall die Rettungsfahrzeuge nicht in die überfüllten Altstadtgassen kommen. Deshalb sollten die Besucher vom Sicherheitspersonal gezählt werden – allerdings nur einmal am Tag.

chilli: Der Gemeinderat hat Ihnen eine neue Stabsstelle vor die Nase gesetzt. Empfinden Sie das als Majestätsbeleidigung?
Rubsamen: Überhaupt nicht. Tatsächlich haben wir diese Bündelungsfunktion schon Ende der 90er-Jahre thematisiert. Für Veranstalter ist es oft schwer, sich im Dickicht des Behörden-Dschungels zurechtzufinden. In anderen Städten läuft die Koordination schon. Freiburg tut gut daran, nachzuziehen.

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chilli: Die Pläne lagen zehn Jahre lang in der Schublade? War erst massive Kritik nötig, damit sie hervorgeholt wurden?
Rubsamen: Ich denke, dass auch die schreckliche Tragödie der Love Parade in Duisburg eine große Rolle gespielt hat. Man hat gesehen, wie schnell die Verantwortlichkeit des Veranstalters, der für die Verkehrssicherung zuständig ist, aus dem Blick gerät. Dann sind die Behörden im Fokus.

chilli: Stimmt es, dass die Stabsstelle zuerst nicht beim AfÖ angesiedelt werden sollte?
Rubsamen: Man hätte sie natürlich auch bei einer anderen Dienststelle ansiedeln können. Mein Eindruck nach der Gemeinderatsdebatte im letzten Jahr war aber, dass die Stelle entweder bei uns oder gar nicht eingerichtet werden würde. Nach der Kampagne der letzten Jahre hatte auch kein anderes Amt daran Interesse.

chilli: Die Personalkosten betragen jährlich rund 70.000 Euro. Werden Anträge nun teurer?
Rubsamen: Eine EU-Richtlinie gibt vor, dass die Kosten für Genehmigungsverfahren nach dem jeweils notwendigen Aufwand wieder hereingeholt werden – das ist auch richtig so. Gerade bei Großveranstaltungen kann es daher in Zukunft zu einer Verteuerung kommen. Bei kleinen Veranstaltungen werden sich die Gebühren wohl kaum verändern.

chilli: Sie haben sich mit einigen namhaften Gastronomen in Freiburg überworfen. Wie wollen Sie das Verhältnis wieder kitten?
Rubsamen: Ein Ordnungsamt kann es nie allen recht machen. Wir haben aber keine Probleme mit den genannten Personen. Unsere Tür steht offen.

Fotos: Steve Przybilla, Jakob Koerdt Photgraphy, Veranstalter