„Ich dachte selber, das kann nicht wahr sein“, kommentierte Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) die „geniale Idee“, aus der B31 zwischen der A5 und der Gemarkungsgrenze nach Kirchzarten auf 17,5 Kilometern eine „A-irgendwas“ (Baubürgermeister Martin Haag) zu machen und damit den „gordischen Ganterknoten“ (CDU-Stadtrat Hansjörg Sandler) zu lösen. Kritik gab es von der Landrätin für den Breisgau und den Hochschwarzwald, Dorothea Störr-Ritter (CDU).

Mindestens 300 Millionen Euro wird auf dieser Trasse der 1,7 Kilometer lange Stadttunnel kosten, der indes frühestens 2025 ausgebaggert wird. Seine grundsätzlichen Chancen auf Realisierung sind aber nach dem Coup von Bundesverkehrsministerium, Landes-Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne), dem Regierungspräsidium und dem Freiburger Rathaus durchaus größer geworden. Regierungspräsidents-Vize Klemens Ficht: „Autobahnen haben immer eine höhere Priorität als Bundesstraßen.“ Wenn aus der Bundesstraße durch einen juristischen Schachzug eine Autobahn wird, kann der Stadttunnel (verbindet unterirdisch den Autobahnzubringer an der Kronenbrücke mit dem Schützenalleetunnel) in Höhe der Ganter-Brauerei einen Vollanschluss bekommen und bleibt trotzdem in Baulast und Unterhalt beim Bund. Mit einer Bundesstraße wäre nur dann ein Halbanschluss – die Autofahrer hätten bei Ganter nur nach Osten hinein- und auf der anderen Seite nach Westen hinausfahren können – möglich gewesen, wenn das Freiburger Rathaus die Zeche selber zahlt – was nie zur Debatte stand.

Tunnelmund zur neuen Stadtautobahn: Nach Recherchen des Regierungspräsidiums
wird die neue Autobahn als A 860 unter Freiburg laufen.



Wer am Ende die Idee zu diesem Coup hatte, das wollten Salomon, Ficht und Baubürgermeister Martin Haag nicht sagen. Es ist wohl so, dass diese Idee bei einem gemeinsamen Gespräch im Bundesverkehrsministerium geboren wurde. Landrätin Störr-Ritter zeigte sich nach der Verkündung wenig amüsiert: Wenn Freiburg eine Stadtautobahn bekomme, befürchte sie mehr Verkehr im Landkreis, nicht zuletzt auf der B31 am Nadelöhr Falkensteig, an dem der Landkreis ebenfalls um einen Tunnel kämpft. Gegenüber der Badischen Zeitung äußerte sie den Verdacht, dass das RP den Falkensteigtunnel extra teuer plane, um die Wahrscheinlichkeit eines Baus niedrig zu halten – Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte übrigens Ende April einen Bau in den nächsten 30 Jahren ohnehin ausgeschlossen.

„Die Kritik der Landrätin ist unbegründet. Kein Planer würde teurer planen als nötig“, sagt RP-Sprecher Joachim Müller-Bremberger. Ficht hatte vor Journalisten erzählt, der Landkreis sei vorher in der Angelegenheit unterrichtet worden.

Zum Vorteil eines Vollanschlusses gibt es indes keine zwei Meinungen: Einer Prognose nach fahren 2025 täglich 65.400 Fahrzeuge auf der Strecke, mit Vollanschluss verschwänden davon zwei Drittel im Tunnel, ohne nur die Hälfte. Für die FDP jubilierte Stadtrat Sascha Fiek: „Das ist ein großer Schritt für Freiburg. Jetzt ist langsam Licht am Ende des Tunnels zu sehen.“

Gerüchten zufolge haben sich Salomon, Haag und Ficht übrigens bereits jetzt darauf geeinigt, bei der ersten gemeinsamen Fahrt auf der A 860 einen alten Kraftwerk-Hit zu singen: Fahrn fahrn fahrn auf der Autobahn.

Text: Lars Bargmann / Foto: Felix Holm / Montage: chilli