Probebohrungen fertig, jetzt Gespräche mit den Eigentümern

Die Stadt Freiburg plant angesichts der Wohnungsnot einen neuen Stadtteil für rund 5000 Wohnungen. Die vorbereitenden Untersuchungen laufen, die ersten 70 Probebohrungen in St. Georgen-West und Dietenbach sind erledigt. Die Ergebnisse standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

 

Mit den Untersuchungen hat die städtische Projektgruppe Dietenbach die Firma „HA Stadtentwicklungsgesellschaft” aus Wiesbaden beauftragt, die zahlreiche Untersuchungen und städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen, zuletzt in Frankfurt-Riedberg, umgesetzt hat. Die beiden Flächen sollen gegeneinander abgewogen werden, das Ergebnis Ende des Jahres vorliegen. Darin werden Aussagen zur Eignung der Flächen und zur Finanzierbarkeit gemacht sowie private und öffentliche Belange gegeneinander abgewogen. „In jedem Fall werden Einzelinteressen, die absolut le- gitim sind, dem Interesse des Allgemeinwohls entgegenstehen. Das muss gut abgewogen werden und wird sicherlich nicht alle zufrieden zurücklassen“, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon. Verwaltung und Gemeinderat würden sich dieser Auseinandersetzung stellen und hoffen, „mit einer guten und transparenten Entscheidung möglichst viele Menschen mitnehmen zu können“. Für die Entscheidung des Gemeinderats, auf welcher Fläche tatsächlich Freiburgs neues Stadtviertel wachsen soll, wird auch die zügige Umsetzung wesentlich sein.

Der Kandidat für einen neuen Stadtteil aus der Vogelperspektive: Das Dietenbachgelände grenzt, wie oben links zu sehen, ans Rieselfeld.

 

Die Eigentumssituation ist hüben wie drüben gleich-ermaßen komplex, und es gibt jeweils ein Haupthindernis. Bei Dietenbach ist es der Hochwasserschutz: Weil dieses Gebiet momentan als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen ist, besteht ein Bauverbot. Die Verwaltung prüft mit Hilfe eines Gutachters, ob das Bauverbot aufgehoben werden kann.

 

In St. Georgen-West steht unter anderem die Regionalplanung entgegen. Sie sieht auf dem Plangebiet eine Grünzäsur sowie eine Festsetzung als Landschaftsschutzgebiet vor. Sollte beides bleiben, könnten hier nur rund 2500 Wohneinheiten gebaut werden. Hinzu kommt, dass hier mehrere landwirtschaftliche Betriebe oder Gartenbaubetriebe und Gebäude liegen. Für beide Gebiete müssen außerdem andere Kriterien wie Natur- und Umweltbelange, Verkehrserschließung, Kosten, Betroffenheit der Nutzer oder stadtstrukturelle Aspekte geprüft werden. Die Ergebnisse zu beiden Gebieten werden in einer Analyse über die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken gegenübergestellt.

 

Die städtische Projektgruppe Dietenbach ist im Gespräch mit den Landwirten der Flächen, um deren Betroffenheit und Bedarfe zu erheben und nach Ersatzflächen zu suchen. Die Träger öffentlicher Belange sind einbezogen. Es bestehe ein regelmäßiger Austausch mit den Bürgervereinen St. Georgen und Rieselfeld.
Damit das Instrument einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme eingesetzt werden kann, muss das Rathaus jeden Eigentümer nach seiner Mitwirkungsbereitschaft fragen – bislang haben nur vereinzelte der Verwaltung ihre Flächen zu dem laut Wertgutachten festgesetzten Preis von 15 Euro pro Quadratmeter angeboten. Ab Mitte September will die Verwaltung nun mit allen Eigentümern sprechen.

 

„Freiburg ist attraktiv und das soll es auch bleiben – nicht nur für Menschen mit viel Geld“, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon. „Dafür brauchen wir bezahlbare Wohnungen.“ Nach seiner Schätzung braucht Freiburg bis 2030 6000 bis 7000 zusätzliche Wohnungen. Die seien allein mit der Innenentwicklung nicht zu stemmen. „Wir brauchen“, so Baubürgermeister Martin Haag, „eine spürbare Entlastung des Wohnungsmarktes, die sobald wie irgend möglich umsetzbar ist.“

 

Text: Lars Bargmann / Foto: Neithard Schleier