Das Votum der 15-köpfigen Jury unter Vorsitz der renommierten isländischen Architektur-Professorin Jórun Ragnarsdóttir war einstimmig: Christoph Ingenhoven hat mit seinem Büro ingenhoven architects den besten Entwurf für ein neues Rathaus im Stühlinger vorgelegt. Der Düsseldorfer, der auch Stuttgart 21 bauen soll, hat den Architektenwettbewerb der Stadt Freiburg mit einem spektakulären Entwurf gewonnen.

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Ingenhovens Plan, mit dem er sich gegen 15 Mitbewerber durchsetzte, erinnert an drei unterschiedlich große Arenen. Luftig und leicht kommen sie in einem Park daher, oval und nach allen Seiten offen. „Freiburg will das Super-Rathaus“ hatte das chilli im September 2011 getitelt. Architektonisch kann es das werden.

In dem Trio auf dem Gelände des Technischen Rathauses sollen mal 1300 städtische Angestellte Raum zum Arbeiten finden. „Dieser erste Preis passt sehr gut zu Freiburg und ist ein Gebäude mit großer Originalität und Strahlkraft“, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon nach der Entscheidung. „Diese städtebauliche Idee wird vom Preisgericht als Beitrag zur Identität des Stühlinger gewürdigt – Verwaltungszentrum und Freiraum verbinden sich zu einer inspirierenden Gesamtheit, die in sinnvollen, jeweils baulich abgeschlossenen Schritten realisiert werden kann“, heißt es in der Begründung der Jury.

Die drei Baukörper sind natürlich als Green Buildings konzipiert und zeigen an den Fassaden viel Holz und Glas. Der erste Bauabschnitt soll auf der Fläche des heutigen Pavillonbaus angegangen werden. Im Erdgeschoss sind das Bürgerservicezentrum und ein Raum für bürgerschaftliche Nutzung geplant, in den fünf Etagen darüber Büros für 830 Menschen.
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Ragnarsdóttir sprach von einem Glücksfall für Freiburg: „Es wird ein Haus für die Bürgerschaft sein, in dem man aber auch hervorragend arbeiten kann. Zudem definiert der Entwurf einen hervorragenden und einladenden öffentlichen Raum.“ Baubürgermeister Martin Haag sprach von einem Modell mit viel Charme: „Es ist sehr aufgelockert, das Grün des Eschholzparks fließt quasi zwischen den Gebäuden durch. Der Entwurf verbindet Architekturqualität mit einem nachhaltigen Gebäudekonzept.“

Ingenhoven hatte im vergangenen Jahr den Preis für das nachhaltigste und innovativste Hochhaus in Sydney 1 Bligh Street gewonnen. Das neue Verwaltungszentrum sei „ein Gebäudekomplex von hoher Authentizität und ein attraktiver Anziehungspunkt für die Bürgerschaft“, ließ der Architekt mitteilen. Einen zweiten Preis gab es nicht, einen der beiden dritten Preise holten sich Sacker Architekten aus Freiburg.
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Die Rathausspitze wird dem Gemeinderat nun am 30. April den Sieger zur Realisierung vorschlagen. Ende des Jahres – nach Entwurfsplanung und Kostenberechnung – soll das Gremium den Baubeschluss fassen. Im vergangenen Mai hatte der Gemeinderat beschlossen, die Planungen fürs neue Behördenzentrum aufzunehmen. Beim Technischen Rathaus besteht aufgrund der „maroden Gebäudesubstanz des Flachbaus“ (Pressemitteilung der Stadt) dringender Handlungsbedarf. Im neuen Super-Rathaus sollen nahezu alle Ämter und Dienststellen der Stadtverwaltung untergebracht werden. Diese ist derzeit auf 16 Standorte im gesamten Stadtgebiet verteilt, so dass hohe Miet-, Energie- und Unterhaltungskosten anfallen. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung hatte ergeben, dass ein Festhalten am Status Quo nachteiliger wäre als die Konzentration der Ämter: Allein das Gebäude am Fahnenbergplatz, in dem etwa das Finanzdezernat untergebracht ist, kostet die Stadt monatlich über 100.000 Euro Warmmiete.

Das neue Verwaltungszentrum wird nach dem Umzug der Ämter für Investoren spannende Immobilien in guten Lagen freimachen. chilli-Informationen zufolge kalkuliert das Rathaus bei einem Verkauf des Gebäudes Basler Straße 2 und der Karlskaserne am Siegesdenkmal mit mehr als 20 Millionen Euro Erlös. Die reinen Baukosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich auf rund 48 Millionen Euro. Ende 2014 könnten die ersten Bagger anrollen. Zusätzlich sind im direkten Umfeld des neuen Rathauses noch Bauflächen für Wohnen, ergänzende Dienstleistungen, eine Volkshochschule und kleinteiliges Gewerbe geplant.

Text: Lars Bargmann / Visualisierung: Büro Ingenhoven / Fotos: ns