Zwei Törchen und vier Punkte. Nach sechs Spieltagen war die Ausbeute des SC Freiburg in der neuen Saison als mäßig einzustufen. Die bescheidenen Auftritte und das Aus in der Euroleague-Qualifikation gegen den slowenischen Fußballzwerg NK Domzale, das mühsame 2:1 im DFB-Pokal beim Viertliga-Aufsteiger Germania Halberstadt, der durchwachsene Erfolg auf dem überhitzten Transfermarkt – der Rundenauftakt sorgte nicht nur bei den Fans für Stirnrunzeln. Dann kam der Sieg gegen Hoffenheim und die Mienen hellten sich wieder auf.

 

Raus mit der Freude: Caglar Söyüncü nach seinem 2:1 gegen Hoffenheim.

 

Nein, das mit „Humba“ und das mit „Täterätätä“ will nicht so richtig klappen. Caglar Söyüncü wird nach dem 3:2-Heimsieg gegen Hoffenheim – dem ersten Saisonsieg, zu dem er auch sein erstes Pflichtspieltor beigesteuert hat – lautstark von den Fans der Nordtribüne gefordert. Der 21-jährige türkische Nationalspieler, vergangene Saison aus Izmir gekommen, spricht schon recht passabel Deutsch, erzählt man sich. Er hat sich sogar zwei Mitspieler mit vor an den Zaun genommen.

 

Doch da steht er nun, stammelt etwas in das Megafon und wirkt das erste Mal an diesem sonnigen Nachmittag so etwas wie unsouverän. Die Fans hüpfen schließlich trotzdem, erleichtert und berauscht vom ansehnlichen Kick. SC-Trainer Christian Streich sagt zeitgleich in eine TV-Kamera: „Das tut uns gut.“ Und Florian Niederlechner, wie Pascal Stenzel Torschütze am 7. Bundesligaspieltag, freut sich vor einem Mikrofon, dass man sich endlich mal mit drei Punkten belohnt.

 

Ein Blick zurück: Oktober 2016, es ist der 7. Spieltag und der Gegner heißt ebenfalls Hoffenheim. Match-Loser in Sinsheim ist: Söyüncü. Er spielt in der ersten Halbzeit unbedrängt einen Katastrophenpass zu Torhüter Alexander Schwolow, TSG-Stürmer Sandro Wagner bedankt sich und schiebt ein. Der SC verliert 1:2, ist danach Tabellenelfter mit neun Punkten, der SC-Verteidiger erhält die kicker-Note 5. Das war einer der vielen Aussetzer und Wackler, die Söyüncü in seiner ersten Saison hatte. Und die er nun nicht mehr hat – sieht man mal von dem dämlichen Foul im August in Domzale ab, das zum Elfer führte und mitverantwortlich dafür war, dass der SC rausflog.

 

Söyüncü steht für das Modell SC Freiburg: An ihm sieht man zum einen, wie sich ein für vergleichsweise wenig Geld verpflichtetes Talent entwickelt, stabilisiert und zum Führungsspieler reifen kann. Zum anderen steht die Leistung des jungen Türken für die Entwicklung der gesamten Mannschaft: Viele Sachen klappen nach dem recht holprigen Saisonstart und teilweise besorgniserregenden Vorstellungen (etwa in Leverkusen) nun besser.

 

Es scheint so, dass die Innenverteidigung mit ihm und dem nur 50 Tage jüngeren Philipp Lienhart gefunden ist – auch wegen der Verletzungen des soliden Manuel Gulde und des zuweilen arrogant-pomadig wirkenden Marc-Oliver Kempf. Es scheint so, dass nun endlich auch die Standards – die nach dem Abgang von Vincenzo Grifo nach Mönchengladbach lange Zeit so gefährlich waren wie ein Herbstspaziergang im Kaiserstuhl – wieder funktionieren. Und es scheint so, als könnten die Neuen helfen. Das, was man etwa schon vom Engländer Ryan Kent und vom Franzosen Yoric Ravet sehen durfte, macht Lust auf mehr.

 

Lange Zeit, fast die gesamte Vorbereitung über, musste Christian Streich bis auf Lienhart ohne Neue trainieren. Trotz der 26 Millionen Euro, die für Grifo und Maximilian Philipp auf das Konto geflossen waren. Die Fans begannen zu murren. Auch Sportdirektor Klemens Hartenbach, der erst im September seinen Vertrag verlängert hat, räumte unlängst beim SWR ein, dass das Wissen um das viele Geld bei Vertragsverhandlungen mit potenziellen Spielern eher hinderlich gewesen sei. Aber er sagte auch, dass die Neuen immer schnell ran müssten. So sei das eben beim SC. Bestes Beispiel: Caglar Söyüncü.

 

Text: Dominik Bloedner / Foto: © Neithard Schleier