Der jüngste Gutachterbericht der Stadt Freiburg brachte das, was viele schon lange wissen, auch mit harten Daten aufs Tapet: 2012 wurden in Freiburg mehr als 400 neue und alte Eigentumswohnungen weniger verkauft als 2011. „Diese Entwicklung liegt nicht an der Nachfrage, sondern am Angebot“ erklärt Thomas Schmidt, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft der Sparkasse Freiburg. Auf der anderen Seite zogen die Quadratmeterpreise für Wohnungen im Neubau um 19 Prozent, im Bestand um 6,6 Prozent an. Als Geschäftsführer des größten Maklers in der Region mit tiefer Markteinsicht ausgestattet, wartet Schmidt noch mit drastischeren Zahlen auf: Wer 2007 als Vergleichsjahr heranziehe, komme auf satte 43 und 26,3 Prozent Teuerungsrate. Und: Durch die um 40 Prozent gestiegene Grunderwerbssteuer und die seit August im Durchschnitt um 20 Prozent erhöhten Notargebühren ist das Kaufen derzeit so teuer wie nie.

 

„Und trotzdem sind wir schon im vierten Jahr des Nachfragebooms“, sagt der Geschäftsführer. Der Boom wäre keiner, wenn ein dementsprechendes Angebot dagegen stünde. So aber sind nicht nur die Immobilienpreise, sondern auch die Mieten am oberen Limit, wenngleich bei ihnen das Ende der Fahnenstange wohl langsam erreicht ist. Im Rieselfeld etwa ist es für Eigentümer nicht leicht, in einer Vierzimmerwohnung für 11,50 Euro auf den Quadratmeter überhaupt Mieter zu finden. „Der Super-Hype nach Mietflächen hat sich beruhigt“, sagt Schmidt.

 

Porträt_Schmidt-S-Immobilien

 

Kurz vor der Bundestagswahl hat natürlich auch die Politik die Wohnungsnot als Wahlkampfthema entdeckt. Schmidt liest die Programme und findet wenig Hilfreiches zur Ankurbelung des Neubaus. Anreize zum Bau von Mietwohnungen und Maßnahmen zur raschen Umsetzung von Baugebieten müsse es geben. So seien vor der Abschaffung der Eigenheimzulage und der steuerlich degressiven Abschreibungsmöglichkeiten sieben von zehn neu gebauten Wohnungen solche zur Miete gewesen: „Seither ist dieser Markt im freien Fall, eine Folge der verheerenden Wohnungspolitik der Regierung.“

 

Dabei herrschten die besten Voraussetzungen für die Bekämpfung der Mietwohnungsnot: das Geld sei da, es könnte in Immobilien kanalisiert werden, zudem gibt es billiges Baugeld. Allein „das Baulandthema tritt in Freiburg auf der Stelle“. Die Verlautbarungen über verkürzte Genehmigungsverfahren oder gar ein Baubeschleunigungsgesetz gebe es nur „pro forma“. Auf dem Platz sehe das deutlich anders aus.

 

Auf dem eigenen Platz kann Schmidt zufriedener sein: Die S-Immo liegt mit ihren Umsätzen jetzt schon 70 Prozent über dem Vorjahr – was aber an drei größeren Vermittlungen liegt, die für 13 Millionen Euro den Besitzer wechselten.

 

Mehr Sorgenfalten regen sich bei dem Mann, wenn es um die ständig neuen Energieeinsparverordnungen geht. Dem Prinzip „Dämmen ohne Ende“ steht nicht nur Schmidt skeptisch gegenüber. Wenn in die CO²-Bilanzen der Passivhäuser auch die Emissionen in den Dämm-Material-Fabriken mitgezählt würden, wenn die Laster mit den voluminösen Dämmstoffen mitgerechnet würden, die Produktion der Kleber und am Ende noch die Entsorgung des (Sonder-?)Mülls, sähe die Bilanz anders aus.

 

Der Freiburger Gemeinderat müsse aufpassen, dass er die Standards nicht noch höher legt. Man rede gerade in Freiburg viel über bezahlbare Wohnungen, fälle aber Entscheidungen, die das Bauen immer teurer machen. Die „Dämmwut“ sei bedenklich, die ENEV 2013 hält Schmidt mittlerweile für „ökonomisch und ökologisch unvernünftig“. Wir sind, sagt er, kein Volk der Dichter und Denker mehr, sondern der Abdichter und Dämmer.

 

Text: Lars Bargmann