Ein Kaleidoskop unserer Gesellschaft: Vor dem Freiburger Amts- und Landgericht müssen sich auch in der kommenden Woche wieder Menschen verantworten, die bei Straftaten erwischt wurden. Die chilli-online-Redaktion gewährt mal einen Überblick.

 

Am kommenden Montag beginnt vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 21-jährigen Albaner, dem der Staatswanwalt vorwirft, im Frühjahr 2011 aus den Niederlanden nach Freiburg mindestens zwei Päckchen mit jeweils 500 g Heroin und/oder Kokain eingeführt zu haben. In Freiburg habe der Angeklagte die Drogen gewinnbringend an unbekannte Abnehmer, vermutlich ebenfalls albanischer Abstammung veräußert. Auch am Montag  wird verhandelt über die Berufungen der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten gegen ein Urteil des Amtsgerichts Breisach vom November 2011, durch das der Angeklagte wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Der 39-jährige Deutsche habe im Dezember 2010 in der Wohnung seiner Lebensgefährtin in Vogtsburg-Achkarren eine umgebaute ehemalige Schreckschusspistole aufbewahrt, ohne im Besitz der erforderlichen Erlaubnis zu sein. Ferner habe er 90 passende Patronen besessen. Außerdem habe er noch weitere Munition unberechtigt aufbewahrt. Sämtliche Gegenstände seien ohne jegliche Sicherung in der Wohnung gelegen.

 

Am selben Tag muss sich auch ein 44 Jahre alter Deutsche wegen Drogenbesitzes verantworten. Dieser habe zwischen Januar 2011 und Mai 2012 teilweise in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken mit seinem getrennt strafverfolgten Bruder aus seiner Wohnung in Freiburg und der seines Bruders in der March unerlaubt umfangreichen Handel mit Ecstasy, Amphetaminen, Methamphetamin, Kokain und Cannabis betrieben.  Er habe von Verkäufern in Holland Rauschgift für bis zu 80.000 Euro gekauft.

 

Und schließlich kommt am Montag auch noch ein 68 Jahre alter Rentner deutscher Staatsangehörigkeit wegen Nachstellung dran. Der mutmaßliche Stalker sei ein früherer Arbeitskollege der Geschädigten gewesen, die in Freiburg wohnte. Zwischen den beiden habe sich eine freundschaftliche Beziehung entwickelt, aufgrund derer man sich über Jahre alle paar Monate privat getroffen habe. Bereits im Jahr 2011 habe der Angeklagte, der gegen die Geschädigte eine Geldforderung in Höhe von 12.000 Euro geltend gemacht habe, sie gegen deren ausdrücklich erklärten Willen aufgesucht, obwohl sie die Freundschaft mit ihm zwischenzeitlich für beendet erklärt hatte. Er habe sie immer häufiger und wiederholt angerufen. Sein Verhalten habe sich im Verlaufe des Jahres 2012 zu strafrechtlich zu mißbilligendem nachstellendem Verhalten gesteigert. Die Geschädigte, die mit ihrer Tochter allein lebe, sei dadurch in ihrem privaten und beruflichen Leben erheblich beeinträchtigt gewesen. Sie leide an Herzrasen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Kopfschmerzen und Migräneanfällen, habe daher regelmäßig Schmerzmittel und Beruhigungsmittel einnehmen müssen und befinde sich in psychologischer Behandlung. Für den Festnetzanschluss habe sie sich ein Sicherheitspaket einrichten lassen. Für ihre Bekannten und Verwandten sei sie kaum zu erreichen. Sie lasse ihre Tochter nicht mehr aus den Augen und gehe nur noch selten und dann in Begleitung aus.

 

Im Namen des Volkes: Auch in der kommenden Woche geht es vor Gericht hoch her. Foto: dapd/Daniel Maurer

Im Namen des Volkes: Auch in der kommenden Woche geht es vor Gericht hoch her. Foto: dapd/Daniel Maurer

 

Der Dienstag beginnt der Prozess gegen einen 70 Jahre alten deutschen Rentner, der sich wegen Kindesmissbrauchs seiner Enkelin verantworten muss. Einzelheiten ersparen wir unseren Lesern. Zeitgleich wird verhandelt gegen einen 31 Jahre alten verheirateten Jordanier wegen versuchter räuberischer Erpressung. Dieser habe im Januar 2012 in Freiburg den Geschädigten mit einer Hand gepackt und mit der anderen Hand ein Messer an den Hals gesetzt. Hierbei habe er gedroht, ihn umzubringen, falls er ihm nicht 2.000 Euro überlasse. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine ausstehende Kaufpreiszahlung aus einem früheren Geschäft mit Betäubungsmitteln.

 

Auch am Mittwoch sehen die Richter dann etwa einen 48-jährigen Drogendealer, der im vergangenen August im Zug von Köln nach Basel bei einer Kontrolle in Höhe Bad Krozingen in seinem Körper 16 Behältnisse mit insgesamt 156 Gramm Kokainzubereitung mit sich geführt hatte, die er am Tag zuvor im belgischen  Antwerpen von einer nicht ermittelten Person übernommen habe, um sie in Zürich zu verkaufen.

 

Oder sie verhandeln gegen einen 29 Jahre alten deutschen Koch, der im vergangenen September in das Erdgeschoss eines Anwesens in Emmendingen durch ein gekipptes Fenster eingestiegen und dabei mit einem Nylonstrumpf maskiert gewesen sei. In der Küche habe er den 92-jährigen Geschädigten getroffen, der am Tisch saß und Zeitung las. Auf die Forderung nach Herausgabe von Geld, habe der Geschädigte geäußert, er habe keines. Der Angeklagte habe ihn mit den Worten bedroht: „Wenn du die Polizei benachrichtigst, bringe ich dich um!“ Der Angeklagte wollte dann unter anderem 59 Armbänder, Ohrstecker, Fingerschmuck und Ketten im Wert von 6.630 Euro entwenden. Allerdings hatte die Frau des Bedrohten zwischenzeitlich die Polizei angerufen, die den Räuber noch am Tatort festnahm. Nur zwei Wochen später soll der der Mann in ein Anwesen in Endingen eingedrungen sein, aus dem er etwa 1.200 Euro Bargeld und eine Taschenuhr entwendet. Der Angeklagte sei durch den heimkehrenden Geschädigten überrascht worden.

 

Am späten Mittag sitzt dann ein 58-jähriger Deutscher vor dem Kadi, der nördlich von Freiburg einen Reiterhof mit etwa 100 Pferde hat. Der Angeklagte sei wegen Problemen mit der Entsorgung der anfallenden Gülle schon mehrfach wegen fahrlässiger Bodenverunreinigung verurteilt worden. Im Juli 2012 sei die Jauchegrube erneut überfüllt gewesen, weshalb Gülle auf das benachbarte Wiesengrundstück lief und es in großem Umfang verunreinigt habe.

 

Der Donnerstag bringt dann einen 52 Jahre alten ledigen Deutschen ins Gericht, der in einem Fax an eine Freiburger Rechtsanwältin diese als „eiskalt, skrupellos, gerissen, misstrauisch, unversöhnlich und verbittert“ bezeichnet. Sie sei eine „Botschafterin des Hasses, der Feindseligkeit und der Unversöhnlichkeit“. Er unterstellte ihr „Verleumdungen, Unterstellungen, Anstiftungen zur uneidlichen Falschaussage, vielfache Verdrehungen und Übertreibungen“. In einem an dieselbe Rechtsanwältin gerichteten Brief vom Oktober 2011 habe er die Mandantin der Rechtsanwältin als „kleines, trotzig schmollendes Mädchen“ bezeichnet, das sich in „narzistischer Selbstbezogenheit“ abwende und sich wie eine „dumme kleine Gans“ benehme.

 

Und zum Schluss kommt noch ein 30-jähriger Tunesier auf die Anklagebank, der im März 2011 in Freiburg eine ihm unbekannte Frau angessprochen hatte und diese dann  am Betreten ihrer Wohnung gehindert und sie ans Gesäß und an die Brust gefasst hatte. Im Treppenhaus habe er die Geschädigte aufgefordert, sich auf den Boden zu setzen. Hierbei habe er seinen Gürtel geöffnet. Als die Geschädigte sich geweigert habe und versuchte wegzulaufen, habe er ihr mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie an den Haaren gezogen.

 

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