Freiburger Wölfe geben sich erst geschlagen, wenn die Schlusssirene ertönt. Das war gleich beim ersten Heimspiel gegen die Erding Gladiators zu sehen, als die Fans nach dem 0:4 die Köpfe schon hängen ließen, bevor sie sich nach dem 4:4 durch den neuen Deutsch-Kanadier Jeffrey Szwez völlig losgelöst in den Armen lagen. Die Aufholjägerqualitäten des EHC haben sich mittlerweile ligaweit herumgesprochen. Das erste Drittel der Hauptrunde ist jetzt gelaufen, der Oberliga-Aufsteiger steht im Mittelfeld, hat in der vergangenen Meistersaison 140.000 Euro Überschuss erzielt – und darf sich schon mal leise auf eine neue Eishalle freuen.

Kampf um den Puk: Wenn die Wölfe die Playoffs erreichen, wäre das sensationell, findet EHC-Vize Dirk Philippi.

 

 

Nach dem guten Auftakt in Füssen (5:3) war das junge Team von Coach Thomas Dolak bisher nur im Spiel beim Angstgegner in Regensburg (0:5) völlig chancenlos. Nach dem 5:4-Auswärtssieg in Klostersee (natürlich nach Rückstand) am 2. November behaupteten die Freiburger Kufencracks bei Redaktionsschluss Rang sieben. „Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft, die Jungs wollen unbedingt Punkte, und sie tun alles, um die zu holen“, sagt Dolak. Rang sieben am Ende der Hauptrunde wäre sehr gut. Das oberste Ziel aber ist der Nichtabstieg. Werden die Wölfe mindestens Achter, kommen sie in die Playoffs. Die Teams auf den Rängen neun bis elf hingegen spielen einen Absteiger aus. „Dezember und Januar sind die wichtigen Monate, da werden wir sehen, wohin wir es mit unserer jungen Mannschaft schaffen können“, sagt der Mann an der Bande. „Wenn wir es auf Anhieb in die Playoffs schaffen, wäre das sensationell“, findet der zweite Vorsitzende Dirk Philippi.

Thomas Dolak hat erst einmal den Klassenerhalt im Visier.

 

Da das Budget im Ligavergleich keineswegs üppig ist, müssen die Freiburger den Weg über den eigenen Nachwuchs gehen. Wie hoch der Etat in der laufenden Runde ist, wollte Philippi nicht verraten: „Wir mussten den aber im Vergleich zur Regionalliga-Saison fast vervierfachen, das war ein Kraftakt, der ohne Sponsoren nicht möglich gewesen wäre.“ Der Club hat mit 900 Fans kalkuliert, vernünftiger als noch vor einigen Jahren, als die Einnahmen aus den Ticketerlösen im Plan stets höher als in der Realität waren. Die für die Vereins-philosophie sehr wichtige U20 spielt äußerst erfolgreich in der Bundesliga-Süd (bei Redaktionsschluss auf Platz zwei), muss sich aber das Eis mangels zweiter Eisfläche im Training mit anderen Jugendteams teilen – ein Kuriosum in der Eliteklasse.

So war es dem Vorstand um den Ende Oktober wiedergewählten ersten Vorsitzenden Werner Karlin und Philippi bei der Runde durch die Ratsfraktionen besonders wichtig, die absolute Notwendigkeit einer zweiten Eisfläche aufzuzeigen. „Wenn wir die heute hätten, dann wäre die auch schon zu hundert Prozent belegt“, erzählt Philippi.

 

Die Weichen werden in diesen Tagen gestellt: Sportbürgermeister Otto Neideck wird dem Sportausschuss am 16. November die detailliert ausgearbeiteten Alternativen Sanierung oder Neubau vorlegen. Zwar wollte er sich im Gespräch mit dem chilli noch nicht in die Karten schauen lassen, es spricht aber dennoch vieles dafür, dass er einen Neubau favorisiert – und zwar an anderer Stelle. „Das gäbe uns die Möglichkeit, das Areal mit der Eishalle und dem Parkplatz neu zu ordnen und für den Wohnungsbau zu öffnen“, so Neideck.

 

Das Rathaus und die Heiliggeiststiftung könnten aus Grundstücksverkäufen viele Millionen Euro einnehmen. Einen Teil könnte Neideck in eine neue Eishalle stecken. Zur Debatte stehen noch Grundstücke im Gewerbegebiet Längenloh in Zähringen, an der Hermann-Mitsch-Straße oder bei der Kleingartenanlage Hettlinger – die auch auf der Flächenliste für ein neues Fußballstadion steht. Beides zusammen wird dort aber nicht gehen. Stand der Eishockeysport in Freiburg in den vergangenen Monaten durchaus mal auf der Kippe, ist jetzt schon sicher, dass er eine Zukunft haben wird. Das Rathaus versucht derzeit nach chilli-Informationen, die auf Ende 2013 befristete Nutzungserlaubnis für die betagte Franz-Siegel-Halle zu verlängern. Warum? Um ausreichend Zeit für den Neubau zu haben.

Text: Lars Bargmann / Fotos: Neithard Schleier