Mehr als 75 Millionen Fahrgäste (plus 631.000) und damit zum vierten Mal in Folge Rekord. Das verkündete die Freiburger Verkehrs AG (VAG) bei der Vorlage der Bilanz fürs vergangene Jahr. Die deutlich interessantere Zahl ist jedoch: 228 Millionen Euro. Diese Rekordsumme an neuen Krediten hat der Gemeinderat jetzt aufgegleist. Denn so viel Geld will die VAG bis 2020 an Krediten aufnehmen, um vier neue Tramtrassen und neue Fahrzeuge zu finanzieren. Die FDP – als Rotteckring-Kritikerin – stimmte wie die Grüne Alternative Freiburg mit nein. Alle anderen Fraktionen mit ja. Weil ihnen die Leistungsfähigkeit des Öffentlichen Nahverkehrs in einer wachsenden Stadt so wichtig ist. Auch wenn die Zahlen „natürlich erschrecken“, wie Oberbürgermeister Dieter Salomon zugab.


In die neuen Strecken durch den Rotteckring (40 Millionen Euro), durch Zähringen, zur Messe (je 28) und durch die Waldkircher Straße (8) fließen – ohne Zinsen – 104 Millionen Euro. 85 Prozent werden nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zwar von Bund und Land bezuschusst, „allerdings müssen wir diese 85 Prozent zwischenfinanzieren, da die Zuschüsse zeitversetzt fließen“, sagt die VAG-Vorstandsassistentin Julia Holzer. Die Höhe der Zinsen für diese Zwischenfinanzierung sei noch nicht bekannt. Offen die Frage, warum der Bund erst zeitversetzt zahlt, was die Kosten für die Projekte in die Höhe treibt.

Der 2011er Jahresfehlbetrag von 8,7 Millionen Euro entspricht einem Kostendeckungsgrad von rund 86,6 Prozent – was im Branchenvergleich ein sehr guter Wert ist, wie die VAG-Vorstände Helgard Berger und Stephan Bartosch betonten. Der durchschnittliche Kostendeckungsgrad vergleichbarer Verkehrsunternehmen lag 2010 bei 77 Prozent. Die Umsatzerlöse lagen mit 50,1 Millionen Euro um 779.000 Euro über 2010. Besonders erfreulich: Die Schauinslandbahn hatte mit knapp 238.500 Fahrgästen (plus 43.000) ihr bestes Ergebnis seit sechs Jahren und brachte 151.000 Euro mehr Erlöse ein als geplant – die Gondeln tragen also keine Trauer.

Um die VAG und die Arbeitsplätze zu sichern, hatten die Verkehrsbetriebe im Jahr 2005 mit dem Rathaus vereinbart, dass der betriebliche Aufwand bis Ende 2010 gegenüber dem Jahr 2003 um 3,9 Millionen Euro, bis 2013 um weitere 1,5 Millionen Euro verringert werden sollte. Das bis 2010 gesteckte Ziel ist erreicht worden.

Text & Foto: Daniel Weber