Stille, blendende Aussicht in schwindelnder Höhe und die Konkurrenz im Rücken – so sieht es bei einem Segelflugwettbewerb aus. Der Freiburger Kai Lindenberg fliegt seit 35 Jahren im Breisgauverein für Segelflug und hat schon jede Menge Wettkampferfahrung gesammelt. Und neulich holte der 50-Jährige nun die
Bronzemedaille beim internationalen Segelflug Grand Prix in La Cerdanya in Katalonien.

 

„Bei dem sechstägigen Grand Prix habe ich zwei Tagessiege eingefahren. Das war natürlich super. Am vorletzten Tag musste ich allerdings eine Außenlandung auf einem Feld in den Pyrenäen vornehmen. Ich konnte einfach keinen Bart – wie wir den Aufwind beim Segelfliegen nennen – mehr erwischen. Tja, da habe ich meinen Riesenvorsprung leider verdaddelt. Zum Glück ist mir nichts passiert. Meine Freundin Caroline hat mich und mein Segelflugzeug dann abgeholt.

Kai Lindenberg

 

Trotzdem habe ich am letzten Tag noch ein ziemlich sattes Polster gehabt und wusste schon in der Luft, dass ich es aufs Treppchen schaffe. Zum Glück! Denn die drei Ersten kommen zum Grand Prix Finale. Dieser Wettkampf hat Weltmeisterschaftsstatus und es wird hart gefightet.

 

In diesen heißen Phasen, wo es um jede Sekunde geht, hat man leider keine Zeit nach links und rechts zu schauen. Aber sonst genieße ich die unglaubliche Kulisse, die sich einem da oben bietet. Oft denke ich: Wie geil, dass ich hier sein darf.

 

In den Pyrenäen gibt es überall Geier, wie bei uns Spatzen. Allerdings haben Geier die Größe von Adlern und die Ruhe von Pottwalen. Wenn die sprechen könnten, würde ich gerne mal mit ihnen nach der Landung ein Bier trinken und mich mit ihnen unterhalten. In der Luft hängen die oft mit mir ab. Manchmal kommen sie her, wenn ich den Bart zuerst entdeckt habe. Doch meistens ist es andersrum und ich und die anderen 14 Segelflieger, die mit mir ein Rennen bestreiten, folgen den Vögeln.

 

Die Kunst ist es, immer wieder einen Aufwind zu erwischen. Schon zu Beginn, nachdem wir von den Schleppflugzeugen auf eine Grundhöhe gebracht wurden, muss ich mir gleich einen Bart suchen. Dann wird die imaginäre Startlinie, die wir auf dem GPS-Gerät sehen, eröffnet. Das Rennen geht los. Die Aufgabe ist es, verschiedene Wendepunkte zu umrunden. Hin und wieder führt uns das dicht über einen Bergrücken. Da muss man sich verdammt konzentrieren. Immerhin haben wir manchmal knapp 300 Kilometer die Stunde drauf. Wer zuerst über die Ziellinie gleitet, gewinnt. Die Guten klopfen sich am Schluss um wenige Sekunden.

 

Hoffentlich habe ich in Zukunft noch viele weitere Adrenalin-Kicks, denn der Freiburger Flugplatz ist in Gefahr. Wenn das Fußballstadion wirklich dort gebaut wird, bedeutet das ein Abwürgen diverser Flugsportarten. Die einzige Ausweichmöglichkeit wäre Kirchzarten, aber dort reicht die Infrastruktur nicht aus. Für mich würden sich die Trainingsmöglichkeiten dadurch drastisch verschlechtern.“

 

Text: Maren Dürr / Foto: Laurent Ducros