Sie war 15 Jahre die Stimme von Tok Tok Tok, hat 13 Alben veröffentlicht, fünf German Jazz Awards eingeheimst und Konzerte rund um den Globus gegeben. Andere Künstler würden versuchen, an dem Erfolg festzuhalten. Andere Künstler sind nicht Tokunbo Akinro. Die Frontfrau beschließt im Herbst 2012, auf Solopfaden weiterzuziehen, die sie auch aus Freiburg weg führen, wo die Souldiva nach ihrem Studium zwölf Jahre gewohnt hat. Sie zieht nach Berlin und produziert im „Drei-Städte-Eck“ Berlin-Hamburg-Hannover ihr Album-Debüt „Queendom Come“.

Tokunbo hat Tok Tok Tok verlassen und tourt mit ihrem Solodebüt.

 

„Mit Tok Tok Tok haben wir alles ausgelotet“, sagt Tokunbo im Rückblick auf ihre Zeit bei der Freiburger Band. Zusammen mit ihrem Musikerkollegen Morten Klein probierte sie sich an Coverversionen von Rocksongs und eigenen Kompositionen, reduziertem Jazz-Songwriting und Orchesterliedern, englischen und deutschen Texten. Doch nach 15 Jahren zieht die Sängerin einen Schlussstrich: „Ich wollte andere musikalische Einflüsse reinbringen, mich weiterentwickeln, Geschichten aus meinem Leben erzählen.“

Ist es mutig, gar verrückt, so ein Erfolgsprojekt einfach hinter sich zu lassen? „Es ist der freie Fall“, gibt Tokunbo zu, „aber ich bin, was so etwas angeht, nicht ängstlich.“ Die aufstrebende Solokünstlerin packt die Umzugskartons und macht sich auf die Suche nach ihrem ganz eigenen Sound.

Ein Sound, den sie in Freiburg nicht gefunden hätte? „Ich habe mich in die Stadt verliebt“, schwärmt sie, „aber alles hat seine Zeit.“ Berlin sei mit den verschiedenen kulturellen Einflüssen eine Inspirationsquelle. Umso mehr, als dass auch sie selbst von zwei Kulturen geprägt wird: Ihr Vater ist Nigerianer, ihre Mutter Deutsche – Tokunbo wächst mit zwei Heimatorten auf.

„Wenn man zwischen zwei Kontinenten pendelt, hinterlässt das Spuren“, erzählt die Halbafrikanerin. Spuren, die sich auch auf ihrem Debütalbum finden lassen, denn die Songs sind Menschen und Episoden aus ihrem Leben gewidmet. Das Ergebnis ist ein zutiefst persönliches und intimes Album. „Ich habe mich nach einem Ausdruck gesehnt, mit dem ich mein Innerstes preisgeben kann“, erklärt die Soulsängerin ihre berührende Musik, „so habe ich Musik von meinem Vater kennengelernt: als etwas, das tief ins Mark geht.“

Zu Tokunbos Mischung aus Soul, Folk und Poesie gesellt sich eine wehmütige, melancholische Note.

 

Doch was tun, wenn man kein Genre findet, mit dem man genau das erreicht? Ein Neues schaffen. Und so begründet die Sängerin mit der mintgrünen E-Gitarre den „Folk Noir“ – klassischer Singer-Songwriter-Folk mit Gesang und Gitarre, ergänzt durch dunkle E-Gitarren-Klänge und veredelte Lo-fi-Akustik. „Ich habe mich dabei von alten Erinnerungen leiten lassen“, erzählt sie, „wie die Musik von Simon und Garfunkel, die mich als Kind begleitet hat.“

Doch zu Tokunbos Mischung aus Soul, Folk und Poesie gesellt sich eine wehmütige, melancholische Note. Entspricht das dem Wesen einer Sängerin, die während eines Interviews ausgelassen erzählt und herzlich lacht? „Die Musik spiegelt nur eine Seite von mir wider“, so die Queen des Folk Noir, „ich bin auch ein sehr geselliger Mensch, der gerne eine gute Zeit hat.“ Dass auf ihren schwarzen Folk auch mal ein fröhliches Tanzalbum folgt, will sie also nicht ausschließen.

Zwar habe sie schon einige neue Songs geschrieben, ein Nachfolgealbum ist jedoch noch nicht in Arbeit. Denn zunächst geht es bis Ende Mai auf Deutschlandtour, bei der natürlich auch die „alte Heimat“ nicht fehlen darf.

Text: Tanja Bruckert

Tokunbo spielt am 25.Mai, 20 Uhr, im Jazzhaus.
Weitere Infos: www.tokunbo.de oder www.jazzhaus.de