Es ist ein Gewerbegebiet, von dem die meisten Freiburger Bürger gar nichts mitbekommen: Aber der Gewerbepark Breisgau ist die Ausweitung der Freiburger Industriezone. Das Rathaus beteiligte sich vor 20 Jahren zusammen mit zehn weiteren Gemeinden und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald am Kauf der Fläche vom Bund und an der Erschließung.

 

Auf dem insgesamt 564 Hektar großen ehemaligen Militärgelände stehen mehr als 200 Fußballfelder (150 Hektar) Gewerbefläche zur Verfügung. Das interkommunale Wirtschaftsprojekt steht jetzt kurz vor der Fertigstellung. Mehr als 100 Hektar sind bereits verkauft, weitere 40 vorreserviert und gerade einmal zehn Hektar noch frei verfügbar. Ab 2017 ist der Park abbezahlt – dann können die Gewinne sprudeln. Allerdings denken die Park-Chefs bereits laut über eine grenzüberschreitende Erweiterung nach

 

Durchs schöne Markgräflerland vorbei an Spargel- und Getreidefeldern führt der Weg in Freiburgs entferntestes Industrie- und Gewerbegebiet. Freiburg? Jawohl: Die gut 20 Kilometer entfernt Stadt zahlte bei der Gründung 1994 rund 30 Prozent oder 1,8 Millionen Mark in den Investitionstopf für Grundstück und Erschließung, aus dem sie erst seit 2013 – also nach dem Abbau der Verbindlichkeiten – dank der erwirtschafteten Gewerbesteuer nun partizipiert.

 

Aus anhaltendem Platzmangel auf der heimischen Gemarkung suchte man bereits in den 90ern nach Möglichkeiten, dennoch von den Ansiedlungen von Unternehmen zu profitieren, die sich in der Nähe der Stadt niederlassen wollten. Initiator des gesamten Projekts war der damalige Freiburger Oberbürgermeister Rolf Böhme, wie sich Rathaussprecher Walter Preker erinnert: „Wir hatten hier in Freiburg nach der militärischen Konversion ja eine ähnliche Situation: Die Soldaten haben riesige Flächen wie etwa die Vauban hinterlassen, was für eine Stadt wie Freiburg natürlich ein Geschenk des Himmels war.

 

 

Böhme, der im Ankauf solcher Flächen daher bereits erfahren war, wurde beim damaligen Wirtschaftsminister Dieter Spöri und später bei den Bürgermeistern der Umlandgemeinden vorstellig. Gemeinsam und mit Unterstützung durch zinslose Darlehen vom Land gründete man den Gewerbepark Breisgau. „Es ging für Freiburg vor allem darum, großflächigen Industrieansiedlungen, die unter Umständen auch Krach oder Müll machen, einen Platz zu bieten“, erklärt Preker.

 

Tower

 

 

Insgesamt wurden in das Projekt seit 1994 mehr als 50 Millionen Euro investiert. Heute ist der Park eine echte Boom-Town: Auf dem Gelände haben sich allerhand große Konzerne und Firmen mit Global-Player-Charakter angesiedelt: General Aerospace (Zulieferer für Boeing und Airbus), Eon, Foto Cewe Color, Lidl, General Logistics (GLS) – sie alle werden hier zu Nachbarn.

 

Heute stehen dort, wo früher Jagdflugzeuge des Typs „Phantom II“ starteten und landeten, etwa 180 Betriebe, die fast 2000 Menschen Arbeit geben. Bis 2015 sollen es 200 Firmen mit 2500 Mitarbeitern sein.

 

So langsam kommt dieser Boom auch bei den Geldgebern an: Bereits im vergangenen Jahr schüttete die Gewerbepark Breisgau GmbH erstmals 500.000 Euro an die elf beteiligten Gemeinden und den Landkreis aus. Spätestens im Mai 2017 sollen die ehemals 21 Millionen Euro Schulden abbezahlt sein. „Noch läuft da nicht besonders viel“, lässt Preker im Hinblick auf die Einnahmen durchblicken, dass die Stadt Freiburg, die mit 30 Prozent den größten Anteil am Zweckverband hält, sich in Zukunft noch einiges mehr erwartet, „im Moment ist das eher ein Nullsummenspiel.“

 

Das dürfte sich allerdings bald ändern, die Entstehungsphase ist so gut wie abgeschlossen. Mehr als 90 Prozent der Fläche sind bereits verkauft und nimmt man die Marke aus dem vergangenen Jahr als Anhaltspunkt – alleine in 2013 veräußerte die Gewerbepark GmbH 16,7 Hektar Fläche – könnte man wahrscheinlich noch viel mehr Industrie hier ansiedeln. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagt der Geschäftsführer der Gewerbepark GmbH, Markus Riesterer, daher auch mit ein wenig Bedauern. „Wir haben fast keine Flächen mehr und werden das Ergebnis von 2013 nicht wiederholen können.“  Erste Priorität haben daher in naher Zukunft infrastrukturelle Maßnahmen: So soll ein Hotel mit 60 Betten entstehen, Tankstellen sollen gebaut und neue Fernwärmetrassen verlegt werden.

 

Gewerbepark

 

Ein wenig Wachstumspotential ist noch im angrenzenden Umland vorhanden: Maximal 50 Hektar Erweiterungsfläche könnten dort noch erworben werden. Diese würde aber höchstens Platz für 20 Hektar Gewerbefläche bieten. Das liegt auch im eigenen Charakter der Wirtschaftszone begründet: Gut Dreiviertel des Parks dienen als Naturschutz- oder Ausgleichsfläche. „Dieser Parkcharakter soll erhalten bleiben“, stellt Harald Kraus fest, Eschbacher Bürgermeister und zugleich der Vorsitzende des Gewerbepark-Zweckverbandes, „denn unser Gelände wird von vielen auch als Naherholungsgebiet genutzt und bietet auch vielen Tieren eine Heimat. Und tatsächlich: Fährt man durch den Park, hat man kaum das Gefühl, in einem Industriegebiet unterwegs zu sein.

 

Bis im Jahr 2017 Schuldenfreiheit herrscht, könnte bereits das nächste Projekt in den Startlöchern stehen: Wenn das Atomkraftwerk in Fessenheim – wie von Frankreichs Präsident Francoise Hollande angekündigt – 2016 endgültig seine Brennstäbe abklingen lässt, wollen die Parkbetreiber angeführt von Kraus und Riesterer möglicherweise sogar Grenzen überschreiten: Auf dem knapp 100 Hektar großen linksrheinischen Gelände, auf dem derzeit noch der Strom mit dem schlechten Gewissen produziert wird, soll ein mit dem Gewerbepark Breisgau verbundener binationaler Rheinpark entstehen. „Für mich ist das nicht nur eine Vision“, bekräftigt Kraus, „ich sehe darin eine echte Chance.“ Anfang Mai gab es bereits das erste Treffen mit vier französischen Bürgermeistern der Nachbargemeinden. Es deutet vieles auf eine weitere Ausweitung der Industriezone hin.
Text: Felix Holm / Bilder: Axel Killian

 

Gewerbepark Breisgau in Zahlen:

 

Gründung: 1994

Fläche: 564 Hektar (davon 250 Hektar Industrie- und Gewerbegebiet und flugaffine Fläche)

Firmen: 180

Mitarbeiter: 2000

Durchschnittspreis pro Quadratmeter: 65 Euro  (1997: 75 Mark)

Gewerbesteuereinnahmen 2013: 1,9 Millionen Euro (nach Abgaben)