Wer in den vergangenen Jahrzehnten in Freiburg gelebt hat und gerne Currywurst, Frikadellen, Kartoffelsalat oder Spätzle mit Soße vom Pappteller isst, wird früher oder später bei Rosi aufgeschlagen sein. Rosi heißt eigentlich Roswitha Thoma. Sie hat über 40 Jahre den „Imbiss am Güterbahnhof“ geleitet. Am 16. August hat sie zum letzten Mal die Türen der fast schon historischen Wellblechhütte abgeschlossen. Mitte September kehrt sie aber an anderer Stelle zurück an den Grill.

Roswitha Thoma vorm ehemaligen "Imbiss am Güterbahnhof"

 

„Ich will langsamer machen und endlich mal Feierabend haben, wenn Feierabend ist“, erklärt die Frau, deren Leben um die Wurst geht: An einem Freitag in den 70ern habe sie ihren letzten Schultag gehabt, am darauffolgenden Montag hier als Aushilfe angefangen. Ihre Chefin war damals ihre Mutter. Im Lauf der Jahre wurde sie selbst Chefin und stand zuletzt mit ihrer eigenen Tochter am Grill, um den vorwiegend männlichen und immer hungrigen Kunden ihre großen Portionen zu servieren.

Der Imbiss war eine Institution: Zu Zeiten, als am Güterbahnhof noch viel mehr Liefer- und Speditionsverkehr herrschte, gingen hier bis zu 300 Würste und 90 Kilo Pommes am Tag über den Verkaufstresen. „Viele von den LKW-Fahrern sind heute in Rente, die kommen aber immer noch und klagen mir ihre Wehwehchen“, erzählt die zierliche Geschäftsfrau, die für jeden ein freundliches Zwinkern übrig hat. 40 Jahre Imbiss: „Das war halt mein Leben“, verdrückt sie zum Abschied von der kultigen Bude eine Träne.

Allerdings darf sich die Trauer an dieser Stelle in Grenzen halten: Die Grande-Dame der Freiburger Curry-Wurst verschwindet nicht von der Bildfläche. Auf der anderen Straßenseite eröffnet die Metzgerei Reichenbach aus dem Glottertal Ende September im Pavillon vor dem Zollhof den Imbiss „Die Wurst“ – mit Rosi in leitender Festanstellung am neuen Lavasteingrill. „Wenn man so will, bleibt da alles gleich“, verspricht ihr zukünftiger Chef Ulrich Reichenbach, „auch die Preise.“

Text & Foto: Felix Holm