In diesem Jahr stehen die vom Zwetajewa-­Zentrum der Universität Freiburg konzipierten Russischen Kulturtage Freiburg unter dem Motto „Spurensuche“ – und ganz im Zeichen des Ereignisses, das vor 100 Jahren Russland und die Welt erschütterte: Die Oktoberrevolution, die die politischen und sozio­ökonomischen Verhältnisse auf den Kopf stellte und die Geschichte des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte. Und die in den ersten Jahren der Kunst, der Literatur, der Musik, dem Theater neue Perspektiven eröffnete. Und besonders dem Film.

 

 

 

Deshalb gibt es heuer auch eine ganze Reihe von frühen sowjetischen Filmen zu sehen. Vorwiegend im Kommunalen Kino, wo außer einer Ausstellung mit Filmplakaten der russischen Avantgarde auch eine „Kino-Revolution“ stattfindet – mit acht ausgesuchten Stumm- und Tonfilmen zum Thema „Helden, Feinde und Satire“. Auf dem Programm stehen allein vier Werke von Sergej Eisenstein; mit seinem „Panzerkreuzer Potemkin“ wird die Reihe am 27. Oktober eröffnet, dabei ist auch der erst vor Kurzem wieder aufgefundene originale Soundtrack dieses Weltkino-Klassikers zu hören. Allerdings nicht mit Live-Musik.

 

 

 

Bei vier anderen Filmvorführungen kommen die – in Freiburg sehr zahlreichen – Freunde dieser Darbietungsform indessen voll auf ihre Kosten: Es gibt regelrechte Stummfilm-Konzerte, von denen Kinomusiker Günter A. Buchwald zwei bestreitet – mit Trio („Das Glück“, 28. 10.) und mit Percussions-Ensemble („Sturm über Asien“, 2.11.). Die beiden anderen Filme werden von Mitgliedern des Instituts für neue Musik an der Musikhochschule Freiburg begleitet: Thomas Wenk spielt mit Quartett zu „Die ungewöhnlichen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki“ (31.10.), und am 29. Oktober präsentiert ein weiteres Ensemble desselben Instituts zum Film „Bett und Sofa“ gar eine Uraufführung.

 

 

 

Für diese satirische Komödie über freie Liebe und Frauenemanzipation hat eine Gruppe Studierender der Filmmusik-Klasse von Kompositions-Professor Cornelius Schwehr eine ganz neue Musik geschrieben, die eigentlich auf mehr Musiker zugeschnitten ist als im Kommunalen Kino-­Saal Platz haben. Deshalb wurde das Spiel der für Klavier und Geige bestimmten Partituren aufgezeichnet – und wird, ganz in der experimentellen Tradition der Avantgarde, im Dialog mit den live aufgeführten Parts für Klarinette, Kontrabass und Akkordeon digital zugespielt.

 

 

 

Die jungen Komponisten haben noch mehr zu den Russischen Kulturtagen beigetragen: Am 24. Oktober wird im E-Werk ihre neue Filmmusik zu Alexander Medvekins „Glück“ uraufgeführt. Außerdem haben sie auch die Tonspuren zu Filmabschnitten von „Der Mann mit der Kamera“ verfasst. Und Kammermusik. Und die Musik zur Ausstellung „Papas Briefe“ in der UB.

 

Text: Erika Weisser / Fotos: © Filmplakat-Archiv, Kommunales Kino

 

Info

www.russische-kulturtage-freiburg.de
www.koki-freiburg.de